So, draußen regnet es darum gibt es jetzt für meine Bärenbrüder das Wort zum Sonntag von Bruder Katjuschov:
Der Einschätzung von metro und AL kann ich teilweise zustimmen.
Die meisten Akteure die sich beim Stockpicking versuchen machen den Fehler daß sie sich zwar über die Firmen informieren aber die anderen Dinge etwas vernachlässigen. Viele scheitern schon am Zeitpunkt weil sie vor lauter Überzeugung/Begeisterung über die ausgesuchte Firma die Allgemeinlage übersehen. Das ist momentan fast auf allen Einzelthreads zu beobachten. Einer der meistgeschriebenen Sätze momentan fängt so an: "Warum fällt den XY so stark, die letzten Quartalszahlen waren doch super und die Insider haben doch auch vor kurzem gekauft..."
Wer einen solchen Satz schreibt, hat meines Erachtens an der Börse nichts verloren - außer sein Geld natürlich.
Auch das "ich hole mir mein Geld wieder - Denken" führt fast mit absoluter Sicherheit zu Verlusten.
Zwei weitere Fehler den viele erfolglose Stockpicker machen: 1.Kein Stop Loss, 2.Gewinne vorzeitig realisieren.(letzteres ist mir im Januar bei Manz passiert, da ich innerhalb weniger Stunden einen netten Gewinn hatte, realisierte ich ihn statt Stop Loss nachzuziehen. Mit einem Puffer von 20% wäre die Reise bis 190/Höchststand 210 drin gewesen da Manz keine nennenswerte Korrektur vollzog, KK 65 wohlgemerkt) Dies nur als Beispiel welche Riesenunterschiede in der Performance man haben kann wenn man eine der beiden oben genannten Dinge außer acht läßt.
Meine Verhaltensweise seitdem:
Wenn ich in eine Aktie reingehe (und ich gehe im Vergleich zu den Versuchungen recht selten rein) dann setze ich das Stop Loss ca. 10% unter Einstiegskurs. Steigt der Kurs ca. 10%, dann ziehe ich Stop Loss knapp über Einstiegskurs (Einstiegskurs + Transaktionskosten) nach. Bin ich über 20% im Plus wird Stop Loss angepaßt.Und zwar nur nach oben. Mein möglicher Maximalverlust beträgt also fast immer 10% des Einsatzes. (Ausnahme: Plötzliche Horrornews so daß der nächste Kurs weit unterhalb des Stop Loss getaxt wird)
Wenn man diese Dinge durchzieht muß man nicht mal eine Trefferquote von 50% haben. Alleine der LDK-Deal (habe aus meinem Fehler bei Manz gelernt) ermöglicht es mir ca. 10 Fehlgriffe zu je 10% zu tätigen ohne dabei Geld verloren zu haben.
Momentan betone ich auch immer daß beim jetzigen Stockpicking die Panik Grundvoraussetzung ist (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die muß nicht unbedingt vom Markt ausgelöst werden. Bin z.B. vergangener Woche mit einer Zockerposition in Smartrac rein weil da sich der Kursverfall nochmal so richtig beschleunigte (von knapp 22 auf 13 in 3 Tagen) Da steht am 15. ein Statement des Managements aus. Als am Donnerstag der Kurs auf 16 stieg habe ich Stop Loss auf Einstiegskurs + 1% nachgezogen. Da der Kurs wieder zurückgekommen ist bin ich Freitagnachmittag fast zum Tagestiefstkurs rausgeflogen. Da war schon die Versuchung, das Stop Loss wieder nach unten zu korrigieren, weil ja das Statement noch aussteht. Ich habe es aber gelassen da ich mich knallhart an meine Regeln halte. Kann sein daß der Kurs am 15. ohne mich steigt, aber der Versuch war kostenneutral und eine nächste Gelegenheit gibt es immer wieder.
Noch etwas daß unbedingt zu vermeiden ist: Nachladen.
Noch verhängnisvoller als kein Stop Loss ist das Nachladen. Frei nach dem Motto: ich kenne doch alles über die Firma, die Schwäche ist bestimmt nur momentan. Wohin so etwas führen kann zeigen Firmen wie Arques, Arquana, Air Berlin etc., etc. Und jetzt habe ich nur die Firmen mit Anfangsbuchstabe A aufgezählt.
Von den Leuten die ich kenne die beim Stockpicking Geld verloren haben, haben alle mindestens einen der oben genannten Fehler praktiziert, meistens gleich mehrere.
Ich bin glücklicherweise durch meinen Nordexdeal 2005-2007 in der angenehmen Lage auf einen kleinen Berg Geld zu sitzen. Der Großteil davon wächst seit Mai 2007 mit einer Beharrlichkeit die nur Festgeld/Tagesgeld bietet. Ich sehe das Ganze daher sehr gelassen. Und wenn mich die Börse wieder mal nervt (meist durch verpasste Chancen) dann höre ich einfach mal zum Relaxen da zu
http://www.youtube.com/watch?v=2K00lLZtfAU&NR=1und werde mir wieder bewußt daß - ob Verluste oder Gewinne an der Börse - doch eigentlich jeder erlebte Tag bei guter Gesundheit ein Riesengewinn ist. Und der wertvollste dazu.
Schönen Sonntag noch