Leider finden die guten Diskussionen hier immer nachts statt und als älterer Herr schlafe ich da schon...:-)Deshalb der Nachklapp, sorry:
Meines Erachtens sehen wir da mehrere Phänomene am Werk:
1. Die Tatsache, dass in einem grundsätzlichen Bärenmarkt, in dem das "untere Ende" noch offen ist (weil zB kontrovers und faktisch über den tatsächlichen Einfluss und die Dauer der Krise des Finanzsystems auf die Realwirtschaft im EURORAUM diskutiert wird) es immer wieder bullische Gegenbewegungen gibt. Mit anderen Worten: Der Markt sucht den Boden - kennt ihn aber SELBER noch nicht.
2. Die Auf- und Ab-Bewegungen sind also nichts anderes, als der Versuch von Investoren /Spekulanten genügend GLEICHGESINNTE zu finden, die momentan DERSELBEN Ansicht sind. Finden sie (die Gleichgesinnten) die Bullen, gehts aufwärts - finden sie die Bären, gehts abwärts. Ist das Vertrauen in eine Richtung stark, gehts stärker auf- oder abwärts. Hat also mit Verschwörung zunächst nichts zu tun. Erst der dritte Punkt bringt so was Ähnliches ins Spiel.
3. Die Institutionellen unterliegen dem Druck zu handeln um Kohle zu verdienen. Mein Banker ruft mich momentan einmal in der Woche an mit den absonderlichsten Vorschlägen (sein momentanes Hobby sind Bandbreiten-Zertis oder Double Clix) obwohl er weiss, dass ich erst im Mai / Juni (besser formuliert: beim zweiten Test des Januartiefs) gross einsteigen werde. Grundsätzlich: Instis müssen beim normalen Publikum IMMER Kaufdruck erzeugen. Manchmal handeln sie dabei auch vorsätzlich gegen ihre Meinung. Man kann das dann auch als "Abladen" bezeichnen.
4. Für langfristig orientierte INVESTOREN gibt es natürlich HEUTE schon Einzelwerte, die nahe ihrer wahrscheinlichen Tiefs rangieren. Da die sowieso nicht ihr freies Budget auf einen Schlag investieren, sondern in Tranchen einsteigen (weil sie den Wahn des Kleinanlegers nicht haben, zum Tiefstkurs zu kaufen), bauen sie natürlich jetzt erste Positionen auf.
Fazit: Keine Verschwörungstheorie nötig. Man kann das alles durch rationales Verhalten der Marktteilnehmer erklären.
Spannender sind die zwei noch offenen Fragen:
1. Kommt es so wie fast alle glauben: Rally im April bis DAX 7200 und danach wieder abwärts (bis zum Januartief ? oder knapp drunter ?) im Mai / Juni. Dann grosse Rally bis zum Jahresende bis über 8000?
2. Wie müsste die dahinterstehende Entwicklung im Finanzbereich und der Realwirtschaft aussehen, die eine solche Kursentwicklung möglich macht?