Das erste Tief ist oft nicht das letzte...
von Jochen Steffens
Ja, so ist sie, die Börse, die all die schlauen Analysten und Kommentatoren foppt und den Weg des größten Schmerzes geht. Wie ich gestern sagte, der erste Boden ist oft nicht der letzte. Der Dax hat heute ein neues Tief generiert und ist wieder mit über 5 % im Minus. Rette sich wer kann?
Viele wollen noch aussteigen
Eigentlich nein. Es ist nur logisch, dass jetzt noch all die, die in den letzten Tagen keinen Ausstieg gefunden hatten, bei einem Dax im Plus versuchen noch gut raus zu kommen. Sie müssen an die vielen Kleinanleger denken, die in den letzten beiden Tagen etwas von Crash im Dax und "größtem Verlust seit dann und dann" gelesen haben.
Das sind eben die, die nicht jeden Tag vor blinkenden Monitoren kleben und deren Gesicht sich nicht in der letzten Woche nach und nach zu einer Grimasse verzerrt hat.
Bekannte fragen schon besorgt nach...
Ich habe in den letzten Tagen erstaunlicherweise gerade von Seiten meiner Bekannten und Verwandten, die nichts mit Aktien zu tun haben, besorgte Anrufe erhalten, wie es mir gehen würde, wie schlimm es denn mich getroffen habe?
Eine solche Resonanz habe ich noch nie erlebt! Aus diesem Grund kann ich mir vorstellen, wie nervös all die Kleinanleger sind, die „ noch irgendwo einen Fonds oder Aktien" herumliegen haben. „Lieber mal verkaufen, nicht dass sich noch der 2000er Crash wiederholt. Dieses Mal bin ich schlauer!!!“, werden sie denken.
Die Börsenkrankheit
Auf die Fragen der Bekannten und Verwandten antworte ich immer lapidar: „Mir geht es noch ganz gut. Es ist eben ein Crash, diese tauchen an den Börsen auf, wie eine Krankheit!“ Die Wenigsten werden in so einem Crash kein Geld verlieren. Man kann sich nicht wirklich davor schützen. Es sein denn als Dauerbär, nur dann macht man alle paar Jahre zwar in wenigen Wochen einen dicken Gewinn, nur in diesen ganzen Jahre dazwischen verdient man nichts und leidet.
Wie gesagt: Einen Crash muss man sehen wie eine Krankheit. Die Verluste sind natürlich nicht schön, sie gehören aber zum Börsengeschehen dazu. Sie werden immer wieder auftauchen. Zwar zeichnete es sich in der letzten Woche in den Charts ab, dass es unschön werden könnte (Maximalkorrekturziele im S&P500 unterschritten), aber nicht WIE unschön es dann wirklich werden würde.
Versuchen Sie sich also emotional von dem Frust zu befreien! Sie sollten nun anfangen, sich auf die Gegenbewegung zu konzentrieren. Sie müssen die Kraft haben, einzusteigen, wenn sich ein Boden abzeichnet. Das kann man nicht, wenn man verzweifelt ist. Auch bei einer Krankheit ist es wenig hilfreich, sich hängen zu lassen und aufzugeben.
Lassen Sie sich nicht demoralisieren
Machen Sie nicht den Fehler und lassen sich demoralisieren. Zu keinem Zeitpunkt ist ein klarer Kopf, klare Gedanken und hohe Entscheidungsfreudigkeit wichtiger, als in so einer Situation! Jetzt müssen Sie aufstehen und kämpfen, um die erlittenen Verluste wieder auszugleichen. Werden Sie nicht zum Schlachtvieh, das nun resigniert, nur um dann 5000 Punkte höher doch wieder einzusteigen, dann, wenn eigentlich schon alles wieder gelaufen ist.
Der Markt braucht Zeit, das Geschehen zu verarbeiten
Der Markt braucht seine Zeit, die ganzen neuen Vorgaben, Zinssenkungen, Konjunkturprogramm etc. zu verarbeiten. Zudem sind noch zu viele da, die noch raus wollen, einfach weil der Einbruch zu überraschend und stark war. Doch wie gesagt, im Untergrund brodelt es bullish, besonders wenn nächste Woche weitere Zinssenkungen folgen...
Der nächste Boden, also der zweite, den kann man demnach eventuell traden. Natürlich nur vorsichtig, wenn überhaupt und man muss schnell wieder raus sein, wenn es nicht funktioniert.
Wirklich nachhaltig einsteigen sollte man, wenn sich abzeichnet, dass die Kurse wieder mit Elan steigen und die Stimmung sich verbessert. Letzten Endes wäre ein Zurückerobern der 7200/7250er Marke ein starkes Signal. Ganz klar bullish wäre natürlich das Überwinden des Allzeithochs im Dax... aber das wird wohl noch was dauern.
Woran man einen Boden erkennt? Das kann ich hier leider nicht vermitteln, dazu gehört viel Erfahrung und schlussendlich auch das Wissen, dass man es dann doch nie sicher weiß...
Viele Grüße
Jochen Steffens