to whom it may concern
Während der aggressive Neid voller Missgunst steckt und erst dann Ruhe gibt, wenn das Spiel des Lebens stillsteht und alles auf trostlose Weise gleich ist, macht der generöse Neid die Welt nicht ärmer, er macht sie reicher. Wer auf diese Weise neidisch ist, ist in der Lage, Unterschiede anzuerkennen und für das eigene Leben wertvoll zu machen. Gewiss, auch er vergleicht ständig, aber im Gegensatz zum aggressiven Neider missgönnt er anderen nichts, sondern entwickelt Ideen, wie er seinem Ziel auf produktive Weise näherkommen könnte.
So mag jemand beispielsweise neidisch auf die scharfsinnigen Gedanken und die tollen Referate eines Kommilitonen sein. Wäre sein Neid aggressiv, würde er sich vielleicht wünschen, dass sich der Kommilitone ein Bein bricht und deshalb nicht mehr im Seminar auftauchen kann oder dass er sich mit einer unbedachten Äußerung vor allen blamiert. Handelt es sich dagegen um generösen Neid, eifert er dem Beneideten nach und lässt sich von seinem Beispiel anspornen, liest mehr Bücher, schärft seine Argumente und übt sich im Schreiben.
Dieser Neid auf Fähigkeiten ist stimulierend, und er erinnert ganz nebenbei an den germanischen Ursprung des Wortes: Neid war einmal der "Nid", und das meinte Anstrengung, Wetteifer. Wem es gelingt, Neid in Nid zu verwandeln, auf den darf man in der Tat neidisch sein.
www.zeit.de/campus/2014/04/...enz-eifersucht-leistung/seite-2
www.zeit.de/kultur/2018-01/...chtung-ronja-von-roenne/seite-2