Das war mit Abstand die schlimmste Woche, die wir in den
vergangenen Jahren an der Börse erlebt haben. Schauen Sie sich
die Indizes an, wie sie im Wochenvergleich abgeschnitten haben:
INDIZES 17.1.08
Dow Jones 12.159 -5,4%
NASDAQ 2.346 -5,7%
S&P 500 1.333 -6,1%
DAX 7.413 -3,9%
Nikkei 13.861 -1,8%
Euro/US-Dollar 1,4642 -0,2%
Euro/Yen 156,9 -2,5%
10-Jahre-US-Anleihe 3,64% -0,2
Umlaufrendite Dt 3,96% -0,1
Feinunze Gold USD $ 877,53 -1,5%
Fass Crude Öl USD $ 90,34 -3,8%
Die amerikanische Notenbank sieht noch immer Inflationsrisiken
als das Hauptproblem, während der gesamte Finanzmarkt vor die
Hunde geht. So ist der Dow Jones Index um 5,4% eingebrochen.
Auch der DAX ist um 3,9% gefallen, obwohl die Konjunktur in
Deutschland gar nicht so schlecht da steht. Der Nikkei hat
diesen Einbruch bereits in der Vorwoche vorweg genommen und
konnte diese Woche nicht mehr so viel nachgeben.
Wenn doch die Inflationsrisiken so groß sind, wie es die
amerikanische Notenbank immer wieder betont, warum erfolgt dann
der Run auf die Staatsanleihen? Die Kurse der Staatspapiere
sind gestiegen, die Rendite ist im Umkehrschluss gefallen.
Insbesondere in den USA ist das Zinsniveau nun wieder so
niedrig, dass niemand mehr von Inflationsängsten sprechen
dürfte.
Irgend etwas stimmt da nicht: Fallende Zinsen, die die
Konjunktur stimulieren sollten, aber dennoch brechen die
Aktienbörsen ein. Der Grund: Die Zinsen fallen nicht schnell
genug.
Gleichzeitig ist das Gold auf einem Allzeithoch. Soweit, so
gut. Das passt zur Angst vor einer Rezession. Aber in den
vergangenen Tagen ist nun auch der Goldpreis wieder zurück
gekommen. Müssten nicht die gleichen Anleger, die
Staatsanleihen kaufen, gleichzeitig Gold kaufen?
Ja und nein. Mittelfristig ja, denn mittelfristig werden sich
viele gegen eine Rezession absichern wollen. Kurzfristig haben
wir jedoch in diesen Tagen neue Rekordhöhen erreicht und danach
kommt es immer einmal zu Gewinnmitnahmen. Von 915 USD/Oz auf
877 USD/Oz sieht zwar nach einem großen Einbruch aus, aber vor
vier Wochen stand das Gold noch unter 800 USD/Oz, und da ist
der aktuelle Rückschlag nichts als eine technische
Gegenreaktion.
Um diese Reaktion besser zu verstehen, müssen Sie sich einfach
eines vor Augen halten: Der Dow Jones ist um über 5%
eingebrochen. Es gibt viele Menschen, die Haus und Hof an der
Börse verwetten. Und diese Menschen brauchen an Tagen wie
diesen Liquidität, um ihre offenen Spekulationen, verkaufte
Put-Optionsscheine beispielsweise, abzusichern. Diese
Spekulanten verkaufen nun alles, was noch Geld bringt – und da
sind die Goldreserven nur zu gut geeignet.
Die besten Bereiche trifft es immer kurz vor dem Ende einer
Korrektur. Aber die Hoffnung, dass wir am gestrigen Donnerstag
bereits das Ende der Korrektur gesehen haben, werde ich Ihnen
im nächsten Kapitel leider austreiben müssen.
Ach so, der Ölpreis: Na, der verhält sich doch absolut korrekt.
Die Rezessionsängste führen natürlich zu einem rückläufigen
Ölpreis, denn wenn die Konjunktur schwächer wird, wird weniger
Energie verbraucht und das wiederum senkt die Nachfrage nach
Öl. Der Preis dürfte dann also fallen.
Im Vergleich zu diesen Entwicklungen sind die
Wechselkursschwankungen zwischen dem Euro und dem US-Dollar
sehr klein. Erstaunlich ist der erstarkte japanische Yen, der
in dieser Woche um 2,5% zulegen konnte. Ich denke, da stecken
keine Konjunkturerwartungen dahinter, sondern vielmehr ein
technischer Umstand, den ich schon oft genug angesprochen habe:
YEN-Carry-Trades werden aufgelöst. Yen-Kredite, die weltweit an
den Kapitalmärkten für Spekulationen eingesetzt wurden, werden
nach Japan zurückgeführt. Daher die gestiegene Nachfrage nach
dem Yen, daher also der heftige Kursanstieg.
ABSCHREIBUNGEN DURFTEN NICHT GRÖßER AUSFALLEN
Noch ein Wort zu meiner Kritik dieser Woche an den meiner
Ansicht nach zu kleinen Abschreibungen auf die
Immobilienspekulationen von Merrill Lynch und der Citigroup:
Ich dachte bislang immer, dass in den USA nach dem Erkennen
eines Problems alles getan wird, um das Problem vollständig aus
den Büchern zu entfernen. Das war auch früher so.
Doch vor einigen Jahren wurden die Abschreibungsregeln
international verschärft. Ein Unternehmen kann nun nicht
einfach nach Gutdünken abschreiben, sondern muss diese
Abschreibungen detailliert begründen.
Wenn die Citigroup also statt 15 Mrd. USD gleich 50 Mrd. USD
abschreiben wollte, dann müsste sie begründen, warum diese
Immobilienderivate nichts mehr wert sind. Doch fast alle
Immobilienderivate sind versichert, durch Unternehmen wie
Ambac, MBIA, PMI oder MGIC. Diese Immobilienversicherungen sind
alle durch Ratingagenturen mit AAA eingestuft. Besser als AAA
gibt es nicht, sämtliche Immobilienderivate der Citigroup sind
also zu hundert Prozent versichert. Wieso sollte Citibank diese
Derivate abschreiben?
Nun, die Versicherungen finanzieren sich durch die Ausgabe von
Unternehmensanleihen und anderen strukturierten Derivaten. Ein
flüchtiger Blick auf die Bilanz dieser Versicherungen zeigt den
Ratingagenturen, dass die Unternehmen noch immer recht gut
aufgestellt sind. Also sollten sie, so der voreilige Schluss
der Ratingagenturen, auch in der Lage sein, eventuelle
Zahlungsausfälle abzudecken.
Dabei wird jedoch geflissentlich übersehen, dass diese
Immobilienversicherungen schon heute kaum mehr in der Lage
sind, Kapital zu beschaffen. Das letzte Mal, dass dies
erfolgte, war vergangene Woche durch Ambac. Das Papier musste
mit 14% Jahreszins angeboten werden, damit sich überhaupt
Käufer dieses riskanten Papiers fanden. Und schon heute ist der
Kurs auf 75% gefallen – ein dickes Minus also trotz der
exorbitant hohen Verzinsung.
Irgendwann wird Ambac 20% oder 30% anbieten, und niemand kauft
das Papier. Und dann fällt die Kalkulation zusammen wie ein
Kartenhaus und Citigroup muss die entsprechenden
Immobilienderivate abschreiben. Doch solange Ratingagenturen
das AAA stehen lassen, kann Citigroup niemandem gegenüber
begründen, dass es aus Vorsicht die gesamten Immobilienderivate
aus den Büchern löscht. Das geht nicht.
Was wird also passieren? Nun, mehr dazu im nächsten Kapitel.
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