Dass Zentralbanken Verluste nicht fürchten müssen, ist eine neuere, angeblich "moderne" Lehrmeinung, die - schau an, welch Zufall - ausgerechnet von Herrn Jordan von der SNB vertreten wird.
------------------------
blogs.faz.net/fazit/2015/07/05/...s-griechenland-die-ezb-6014/
Müssen Zentralbanken Verluste überhaupt fürchten?
.
Eine ältere Schule sagte „ja“, die moderne Schule sagt – eingeschränkt – „nein“. Die moderne Auffassung ist, dass eine Zentralbank dank ihres Status als Geldmonopolist nicht mit einer Geschäftsbank oder einem anderen Unternehmen vergleichbar ist und daher in finanztechnischer Hinsicht die Gefahr einer Überschuldung, sprich eines negativen Eigenkapitals, nicht fürchten muss. Denn auch in diesem Falle wäre die Zentralbank nicht zahlungsunfähig, weil sie ihr eigenes Geld weiter produzieren kann. Häufig zitiert wird eine mehrere Jahre alte Rede des heutigen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan:....
------------------------
A.L.: Die SNB ist die Zentralbank mit dem weltweit höchsten Zocker-Hebel von fast 100 Prozent. Das heißt ihre Bilanzsumme wurde unter Jordan fast auf die Höhe des schweizer BIP aufgeblasen. Damit ist die SNB - nach "alter Schule" - die am stärksten gefährdete Zentralbank der Welt. Daher gebe ich auf die von deren Leiter Jordan beschwichtigend verbreiteten "modernen Regeln" nicht allzu viel. Es klingt mir zu sehr nach "Weglügen" von Problemen.
In Japan findet sich mit Kuroda, dem Chef der Bank of Japan, ein ähnlich gepolter "Finanz-Münchhausen". Dabei liegt das Bilanzsummen/BIP-Verhältnis der BoJ bei "nur" bei vergleichsweise moderaten 60 %, also deutlich unter dem Hebel der SNB.
Zentralbanker erzählen weltweit Schmarren, seit sie - als (Spät-)Folge der Finanzkatastrophe 2008 und der Eurokrise 2012 - mit dem Rücken zur Wand stehen. So wird etwa Draghi nicht müde zu behaupten, dass Inflation (erzeugt von der Notenbank via QE oder finanzielle Repression) Wachstum erzeuge. Ein Irrsinn, der inflationsbereinigt bestenfalls ein Nullsummenspiel ergibt. (Anmerkung: BIP-Wachstum wird per Def. IMMER inflationsbereinigt angegeben).
Tatsache ist, dass Wachstum Inflation erzeugt (über die Lohn-Preis-Spirale). In diesem korrekten und bewährten ökonomischen Grund-Lehrsatz einfach den Implikationspfeil umzudrehen ist eine logische und politische Frechheit.
Wenn aus A -> B folgt, dann heißt das mitnichten, dass auch umgekehrt aus B -> A folgt.
Beispiel: Männer sind Menschen. Umkehrung: Alle Menschen sind Männer.
Die einzige Hoffnung der Zentralbanker waren bzw. sind Multiplikator-Effekte Genau die aber haben sich u. a. in USA - entgegen Bernankes nimmermüden Verheißungen, dass sie irgendwann kommen und helfen würden, seit 2008 nicht eingestellt. Das Wachstum blieb in USA trotz drei QE-Runden "sub-par". Auch die Bank of Japan kann von der Nichtwirkung von Geldflutung eine langes und trauriges Lied singen.
Wenn also ein Notenbanker wie SNB-Jordan, der mit fast 100 % Leverage arbeitet, einem erzählen will, dass negatives EK bei Zentralbanken nach "moderner Schule... keine Gefahr mehr darstellt", dann sollten sämtliche Alarmglocken läuten.
Mir fällt dazu sofort ein berühmt-berüchtigter Spruch von Warren Buffet ein: "Er lügt wie ein Finanzminister am Vorabend des Staatsbankrotts."