dass die EZB nicht im Kontext der mittlerweile globalen Notenbankpolitik handeln könnte? Sollte Draghi etwa als ein Ankündigungspräsident in die Geschichte eingehen? Bond-Guru Jeffrey Gundlach erklärte kürzlich, dass der Markt des Geredes von Hr. Draghi überdrüssig wäre und Hr. Draghi nunmehr zu liefern hätte. Wird das auch am 22. Januar so passieren?
Im EZB-Rat reicht für einen Beschluss eine einfache Stimmenmehrheit, Draghi kann mit 13 zu 11 Stimmen das durchsetzen, was er will.
Als wichtigstes aktuelles Ziel bezeichnen Draghi und seine Gefolgsleute im EZB-Rat, Anreize für das Kreditwachstum der Banken schaffen zu wollen. Das klappt aber eben dann nicht, wenn alle überschuldeten Subjekte nämlich "Deleveragen" also Schulden abbauen wollen, was deflationär wirkt.
Die Aktionen der Notenbanken sind auf der konjunkturellen Seite auch relativ unwirksam geblieben, aufgeblasen wurden letztendlich nur die Vermögenspreise. Am zugrunde liegenden Problem der hohen Verschuldung hat das monetäre Doping rein gar nichts geändert. Eine schuldenmindernde, stärker ausufernde Inflation wäre möglicherweise nur über eine Zerrüttung des Vertrauens in die Währung bzw. das Geld zu erzielen, aber kann das ein erklärtes Ziel sein?
Auch fördert QE nicht per se die Kreditvergabe. Darauf verwies der Ökonom Richard Koo schon vor sechs Jahren. Er verglich damals Zentralbanken, die quantitative Lockerung betreiben, mit einem Obstgeschäft, dem es nicht gelingt, seine 100 Äpfel in der Auslage zu verkaufen und daraufhin die Auslage auf 1000 Äpfel verzehnfacht.
Da das Manövrieren in der Sackgasse stetig offensichtlicher wird, kommen auch mal wieder die absurdesten Rezepte auf den Tisch.
Citi-Chefökonom Buiter möchte umgehend eine "Helikopter-Flotte" aufsteigen lassen:
"Willem Buiter, Chefökonom des US-Finanzkonzerns Citigroup, fordert eine Änderung der Europäischen Verträge zur Verhinderung einer Deflation in der Eurozone. Der Artikel 123, der der Europäischen Zentralbank (EZB) die direkte monetäre Staatsfinanzierung verbietet, sei ein "Desaster", sagte Buiter dem SPIEGEL. Buiter sieht nur einen Weg, wie die EZB eine drohende Deflation bekämpfen könne: über das Konzept des sogenannten Helikopter-Geldes, bei dem die Zentralbank Geld direkt an die Bürger verschenkt, zur Förderung des Konsums."
www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/...d-von-ezb-a-1011127.html
Und zum besseren Verständnis der Arbeitsweise von Notenbänkern mal noch den nachfolgenden Text anbei.
Thomas Jordan, Vizepräsident der schweizerischen Nationalbank in seinem Referat "Braucht die schweizerische Nationalbank Eigenkapital?":
"Zentralbanken haben kein Liquiditätsproblem, sie können nicht illiquid werden. Ein erster Grund für die Sonderstellung einer Zentralbank liegt darin, dass es bei ihr keine Liquiditätsengpässe – also kurzfristige Zahlungsprobleme – gibt. Die Zentralbank kann sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen, weil sie die benötigte Liquidität selber schaffen kann....
....Zweitens hat die SNB zudem von Gesetzes wegen das Recht, ausstehende Forderungen mit der Schöpfung von Franken sozusagen „aus dem Nichts“ zu begleichen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass eine Zentralbank „Geld drucken“ kann. Dank dieser autonomen Geldschöpfungsmöglichkeit, dem Notenmonopol, gerät die SNB nie in Liquiditätsengpässe. Muss die SNB z.B. einer Geschäftsbank einen auslaufenden SNB-Bill, d.h. eine eigene Schuldverschreibung, zurückzahlen, erfolgt dies einfach mit einer Gutschrift auf dem Girokonto der entsprechenden Bank. Die SNB kann auch umgekehrt – um die Liquidität im System zu vermindern – Wertpapiere wie SNB-Bills jederzeit neu ausgeben.
Da ein Liquiditätsengpass in eigener Währung unmöglich ist, stellt sogar eine Situation, in der eine Zentralbank negatives Eigenkapital ausweist, für ihre Geschäftspartner kein Problem dar. Denn im Unterschied zu anderen Unternehmen und Banken könnte sie auch in diesem Fall den künftigen Forderungen in eigener Währung immer nachkommen. Die Gegenparteien einer Zentralbank mit vorübergehend negativem Eigenkapital sind demzufolge nicht schlechter gestellt als solche einer Zentralbank mit einem grossen Eigenkapitalpolster. Daher wird das Vertrauen der Gläubiger in die Fähigkeit einer Zentralbank, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, nicht gemindert. Sie muss auch keine „fire sales“ vornehmen, um an mehr Liquidität zu gelangen. Eine damit verbundene Abwärtsspirale wie bei privaten Unternehmen kann somit nicht entstehen...."
Quelle:
www.snb.ch/de/mmr/speeches/id/...ource/ref_20110928_tjn.de.pdf
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!