Das industrielle Wachstum begründete die Sozialsysteme (nicht umgekehrt), und sämtliche Rentenprogramme waren überhaupt nur mit Wachstum bezahlbar. Die nachkommenden Generationen konnten immer aus dem Wachstum ihre Bringschuld gegenüber ihren Vorfahren leisten. Mit dem wegbrechenden Wachstumspotenzial ist dies nun nicht mehr möglich.
Die japanische Antwort darauf heißt Nachhaltigkeit. ( Das mag angesichts "Abenomics" als Provokation gewertet werden, jedoch... : ) Japan ist ein Exportland mit einer weiterhin strukturell wettbewerbsfähigen Industrie. Da kommt es nicht schlecht, wenn aus den Exporten Kapitalanlagen im Ausland getätigt werden, sei es auch mit mehr oder weniger sanftem Druck seitens der Regierung oder der BOJ (wenn ihr das Geld im Land lasst, dann drucken wir es euch kaputt...). Eine "Hyperinflation" muss man in einem Exportland definitiv nicht befürchten. Der deutsche Crash 1923 war eine Folge der Reparationsleistungen, welche eine Überschuldung mit Zusammenbruch der Terms of Trade bewirkte. Ob Japan nun im Ausland spart oder im Inland, bleibt sich im Prinzip gleich.
Die deutsche Situation ist der japanischen angemessen und auch hier würde man mit Nachhaltigkeit - d.h. Sparen, "Riesterrente" u.a. der Situation Herr werden können. Sei es auch mit Einschränkungen verbunden. Doch das Wort "würde" ist das Problem, denn mit Herrn Draghi und seinem Euro geht das so nicht. Die Androhung, ggf. mit der Notenpresse die Probleme Europas zu lösen, ist ernstzunehmen - wobei man nichts anderes erreicht als sich eine Zeitlang aus der Ersparnis (des Nordens) zu bedienen. Im Gegensatz zu allem Dummschwätz der Einheitspartei sind die Folgen sowohl für Arbeitnehmer als auch Rentner schon jetzt zu bemerken - und die Lage wird sich schrittweise weiter zuspitzen.
Was nun Lateineuropa anbetrifft, hat man für diese Probleme kein Verständnis, da dort es immer schon darum ging, über die Währung die Versorgung der älteren Generation abzuwickeln und der jüngeren schrittweise immer ein bisschen mehr aufzuerlegen - solange die Wirtschaft genügend wuchs, blieb das System erträglich. Doch mit der dramatisch angestiegenen Jugendarbeitslosigkeit ist klar geworden, dass dieser Generationenvertrag nicht mehr funktionieren kann. Übrigens stieg in Italien und Griechenland auch schon vor der Finanzkrise die Jugendarbeitslosigkeit deutlich an. Und deswegen setzen sich diese Länder auch mit Händen und Füßen gegen eine Anhebung des Rentenalters zur Wehr, da die (monetär geschöpfte) Rente eine wesentliche Säule der Wirtschaft darstellt - nicht aber das Produktivkapital.
Dieses -- nennen wir es ruhig Draghi-System -- wird geradezu episch kollabieren. Die Berliner Politführer wissen es, verleugnen es aber aus macht/wahltaktischen Gründen.
Diese Unehrlichkeit ist moralisch bedenklich und zutiefst ärgerlich (doch man kann ja bei der Wahl der Einheitspartei eine Absage erteilen.)
Verstörend ist aber, dass die politische Diskussion in den Weichen Dickschiffen nicht einmal ansatzweise die (offensichtlich) nahende Katastrophe erkennt und immer noch dem Kinderglauben anhängt, man könne irgendeine Rechnung nach Berlin schicken. Wenn die Insuffizienz des jetzigen Modells nachgewiesen ist, wird in Dtl. der Gürtel enger geschnallt - aber in Südeuropa wird man ins Nichts fallen und froh sein, den Hunger einigermaßen abwenden zu können. Das ist auch der wesentliche Grund, warum man in den Weichen Dickschiffen am € festhält: Er ist für die Realwirtschaft ein Desaster, aber man kann sich mit ihm zumindest etwas zu essen kaufen.