Als loyaler Verfolger dieses Threads, wollte ich erstmal mein Dank an alle Beteiligten zum Ausdruck bringen - besonders an den unermuedlichen A.L.. Ein hochqualitativer Thread.
Ich oute mich auch gleich mal als langfristiger Ultrabaer in bezug auf das schuldenfinanzierte Wachstum der letzten Dekaden, in Bezug auf die Keynesianische Fiskalpolitik die schlichtweg inkompatibel ist mit der Realpolitik, die gnadenlose Unterminierung der Leitwaehrungen, die Annahme ueber currency depreciation einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu erzielen in einem Umfeld wo dieses Ziel von allen verfolgt wird und somit in einem absurden Nullsummendebakel endet, die Annahme dass Indices das Tatsaechliche widerspiegeln, den Euro alternativlos "zu retten" auf kosten ganzer Generationen und die Annahme dass Notenbanken regulatives and politisches Versagen wettmachen koennen. Und und und....
Investiert bin ich recht breitgefaechert, von langfristigen Positionen wie Gold und einigen bluechips, sicheren Waehrungen wie NOK u. SEK, bis kurzfristig in CFDs und seit Freitag abend in Apple.
Eine grosse Warnung an alle die glauben die Krise in Europa oder den USA sei ueberstanden. Im Gegenteil, die fundamentalen Daten werden in der europaeischen Periphaerie zunehmends schlechter und zwar auf breiter Front. Auch die Amis haben noch lange nicht die Kurve gekratzt, ihre Arbeitslosenzahlen sind eine reine Farce in Hinblick auf die immer weiter sinkende participation rate, der sinkende Anteil der Loehne an dem GDP, der stetige Verfall der job quality - insbesondere der rasant ansteigende Anteil der Teizeitbeschaeftigten, und ein lahmes Wirtschaftswachstum finanziert mit exorbitanten Defiziten, die unter dem Strich ein seit Jahren negatives Privat-wirtschaftswachstum bedeutet. Der Staat ersetzt die Privatwirtschaft und das mit Schulden finanziert. Bravo. Das wird schon gut gehen.
Die guten Unternehmenszahlen der letzten zwei Jahre vedankt man den Margen, die durch Kostensenkungen (job cuts) ihren Hoehepunkt erreicht haben, da hier mittelfristig der eigene Markt durch Kaufkraftschwaechung unterminiert wird. Oder soll der Konsument etwa den steigenden Konsum rein ueber Schulden finanzieren? Der naechste "credit bubble pop" steht schon in den Startloechern (siehe student loans).
Zu der Eurozone kommt mir das Grauen und auch der Zorn. Hier wird der Wohlstand ganzer Generationen aufs Spiel gesetzt. Ich fordere jeden Leser heraus mir eine positive Story aus der Peripherie zu den Wirtschaftsdaten zu nennen. Nein, ich will nichts ueber spreads zwischen Bund und sonstigen Schuldtiteln hoeren. Dass ist rein dem ECB LTRO Programm zu verdanken. Ein reiner "can kicking" Prozess der zwar Zeit gewinnt, aber gleichzeitig den Reformdruck vermindert. Auch moechte ich nichts ueber Handelsdefizite hoeren, da hier einerseits die Verringerung hauptsaechlich dem eigenen Konsumeinbruch zu verdanken ist und andererseits die Entspannung am Markt den Euro wieder in Zonen treibt, die einen Urlaub in Griechenland unattraktiv gestalten.
Zu Deutschland kann man nur sagen: Hut ab in bezug auf die Exportwirtschaft, doch es gibt auch zu bedenken, dass die BRD fast nur durch Export die letzten 10 Jahre gewachsen ist, waehrend Realloehne und Binnenkonsum auf der Stelle getreten sind. Die Erfolge des Eurozonen-exports sind ja zu hauf als TARGET2 Forderungen bei der BuBa geparkt und wer glaubt hier jemals 100 cents zum € zu erhalten, dem lache ich frech ins Gesicht. Der sonstige Export ist ja besonders erfolgreich in jenen Laender die sich mit massiven Defiziten, sprich Schulden finanziert haben. Ich denke da an UK und US und da stellt sich die Frage, ob man langfristig einen Handelsparter haben will, der die Ware nur ueber gedruckte Scheine finanziert. Sollten diese zwei Laender jemals von ihrer Schuldenpolitik abkommen, sieht es duester fuer den Export aus. Doppelt duester fuer Deutschland, die man auch in China einen Handelseinbruch in konsequenz zu befuerchten hat.
Nochmals grossen Dank an alle die ueber die Jahre wertvolle postings beigetragen haben.