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Der USA Bären-Thread

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Kauft keine dt. Produkte

5
20.02.12 21:50

Eine griechische Verbraucherschutzorganisation hat dazu aufgerufen, keine deutschen und niederländischen Waren zu kaufen. Mehr…

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wawidu:

AL # 93715

4
20.02.12 22:42
Nach meinem Dafürhalten könnte Gauck ein recht unbequemer Präsident werden, denn er ist keineswegs dumm und besitzt immer noch Zivilcourage.
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wawidu:

perma # 93707

 
20.02.12 22:53
Eine solche Tauschaktion ist mE durch die Statuten der EZB nicht legitimiert!
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wawidu:

Deutscher "Konsumboom"

 
20.02.12 23:10
www.querschuesse.de/...arte-indizien-zum-deutschen-konsumboom/
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Anti Lemming:

Bailout-Idyll

6
21.02.12 08:07

Der griechische Abwirtschaftsminister Evangibteinaus blickt entspannt auf sein Schuldenmeer (Bild unten).

Er  kann zufrieden sein. Seine Mäster haben sich für das entschieden,  was seit Wochen erwartet wurde: Die Euro-Finanzminister haben  einem neuen Hilfskredit für Griechenland zugestimmt - und eine  Staatspleite in Europa im letzten Moment abgewendet. Private Gläubiger  müssen auf mehr Geld verzichten als zunächst geplant.

Details:

  • Das  Paket umfasst Hilfen in Höhe von 130 Milliarden Euro. Gezahlt werden  diese von den Euro-Ländern, der EU-Kommission und dem Internationalen  Währungsfonds.
  • 100 Milliarden Euro davon sind öffentliche Hilfen, die übrigen 30 Milliarden Garantien für neue Anleihen der privaten Gläubiger.
  • Die  privaten Gläubiger - also vor allem Banken und Hedgefonds - verzichten  zusätzlich zu den öffentlichen Hilfen auf 53,5 Prozent ihrer  Forderungen. Das entspricht einem Schuldenschnitt von etwa 107  Milliarden Euro.
  • Ihre übrigen rund 93 Milliarden Euro an  Forderungen tauschen die privaten Gläubiger in neue griechische  Staatsanleihen mit sehr langer Laufzeit um.
  • Die Europäische  Zentralbank wird Gewinne aus den griechischen Staatsanleihen, die sie  hält, an die Nationalbanken der Staaten auszahlen.


Griechenland muss im Gegenzug für das neue Rettungspaket weitgehende Zugeständnisse machen:

  •  Der  Schuldenstand des Landes soll von derzeit 160 Prozent der  Wirtschaftsleistung auf 120,5 Prozent im Jahre 2020 sinken. Dafür ist  das Hilfspaket ist an strikte Spar-Bedingungen geknüpft.
  •  Die Regierung in Athen soll unter anderem Renten und Mindestlöhne kürzen.
  •  Sie soll durch eine Reform des Steuersystems für mehr Einnahmen sorgen.
  •  Und sie soll bislang abgeschottete und streng regulierte Märkte öffnen und so mehr wirtschaftliches Wachstum generieren.
  •  Zudem  wird auf einem Sperrkonto - also außerhalb der Verfügungsgewalt der  griechischen Regierung - Geld gelagert, mit dem künftig Zinsen und  Tilgungen für Staatsanleihen gezahlt werden.
  •  Die Einhaltung all  dieser Auflagen soll künftig ständig - und nicht mehr nur sporadisch -  von einer Expertengruppe von EU-Kommission, IWFund Europäischer  Zentralbank (EZB) überwacht werden.


Was jetzt noch fehlt:

  •  Der  Internationale Währungsfonds hat seinen Anteil am zweiten Hilfspaket  für Griechenland noch offengelassen - und er stellt neue Bedingungen:  Nach Willen von IWF-Chefin Christine Lagarde soll der permanente  Euro-Krisenfonds ESM aufgestockt werden. Gegen diese Maßnahme hatte sich  Bundeskanzlerin Angela Merkel bislang gesperrt. Die Staats- und  Regierungschefs wollen beim EU-Gipfel am 1. und 2. März über eine  Aufstockung beraten.
  •  Bis Anfang März wird sich zudem zeigen, ob  sich wirklich ausreichend Banken und Fonds an dem zugesagten  freiwilligen Schuldenschnitt von 53,5 Prozent beteiligen. Andernfalls  müsste Athen den Verzicht erzwingen, was schwerwiegende Komplikationen  haben könnte.


Zweifel an Rettungspaket

Die  Einigung in der späten Nacht sorgte für unterschiedliche Reaktionen.  Während die meisten Politiker sich zufrieden zeigten, reagierten  Analysten und Börsianer verhalten.

Finanzminister Wolfgang  Schäuble sagte, das Ergebnis sei "zu verantworten". Athen können nun  "auf den nachhaltigen Pfad der Gesundung" kommen.

Griechenlands  Premierminister Lukas Papademos bejubelte einen "historischen Tag für  die griechische Wirtschaft". Athens Finanzchef Evangelos Venizelos  nannte das Ergebnis "besser, als geplant".

Der belgische  Finanzminister Steven Vanackere begrüßte den Durchbruch bei den  Verhandlungen. "Ich bin froh, dass wir eine Einigung haben", sagte er am  Dienstagmorgen in Brüssel.

Der Vorsitzende des Internationalen  Bankenverbandes (IIF) sprach von einem "bedeutenden Schritt zur  Umsetzung des Schuldenumtausches". Als IIF-Chef vertritt Charles Dallara  die Privatgläubiger bei den Verhandlungen über das zweite  Rettungspaket.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer,  beurteilt die Wirkung der neuen Milliardenhilfen dagegen skeptisch. "Ich  bezweifle, ob das ausreicht", sagte er der "Passauer Neuen Presse".  "Selbst der ursprünglich angestrebte Schuldenstand von 120 Prozent des  Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2020 wäre noch doppelt so hoch, wie der  Maastrichtvertrag maximal erlaubt." Allein im vergangenen Jahr habe  Griechenland neue Schulden in Höhe von fast zehn Prozent des  Bruttoinlandsprodukts gemacht.

Auch die Troika aus EU-Kommission,  IWF und EZB ist skeptisch. In ihrer Schuldenanalyse, die die Zeitung  "Financial Times" in Auszügen im Internet veröffentlichte, wird vor  einer Vertiefung der Rezession in Griechenland gewarnt. Würden sich  notwendige Reformen und Privatisierungen weiter verzögern, drohe die  Gesamtverschuldung Athens auch in acht Jahren noch bei 160 Prozent zu  verharren, heißt es darin.

Der Euro Chart zeigen legte nach den  ersten Meldungen schlagartig zu und stieg zeitweise auf mehr als 1,32  Dollar. Die Börsen in Asien drehten trotz der Einigung zunächst ins  Minus. Der japanische Nikkei Chart zeigen und der Hongkonger Hang Seng  Chart zeigen verloren jeweils leicht an Wert.

(frei nach:) nck/ssu/dpa/Reuters/dapd - www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816486,00.html

 

Börsen  und EUR/USD stiegen nach der Verkündung im Asienhandel nur noch leicht,  Japan schloss sogar negativ. Panik-Bären hatten bereits im Vorfeld  glattgestellt, einen "Big Bang" wie bei der ersten Griechenrettung 2010  befürchtend. Da die Indizes jedoch vor dem Deal 2.0 extrem hochgelaufen  waren (während sie 2010 vor Verkündung von Deail 1.0 nahe  Mehrmonats-Tiefs notierten), ist diesmal wohl eher mit einer Sell-the-News-Reaktion zu rechnen.

A.L.

 

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Der USA Bären-Thread 487306
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Stöffen:

Stimmungsbild

6
21.02.12 08:15
Nun, die Bullen werden wie stets die pessimistische Stimmung dahingehend deuten, als dass die Kurse an der "Wall of worry" nun auch weiterhin hinaufklettern, wogegen bärische Skeptiker wohl eher die eingezogene Vernunft bei "Otto Normalanleger" loben werden, jetzt nicht zu überhöhten Kursen den Zockerbuden die Papiere abzunehmen. Wem's gefällt!

Anleger so pessimistisch wie nach Lehman-Pleite

Die gut 20-prozentige Dax-Kursrally der vergangenen beiden Monate schlägt sich bislang nicht in der Stimmung der Privatanleger nieder.

"Otto Normalanleger" sei vielmehr so pessimistisch wie zuletzt kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008, erklärte die DZ Bank am Montag. Aus dem Anlegerindikator, einer von der Bank in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage, gehe außerdem hervor, dass erstmals seit Januar 2009 mehr Privatinvestoren mit fallenden als mit steigenden Kursen rechneten. Von Reuters befragte Börsenprofis sehen den deutschen Leitindex Mitte 2012 im Schnitt bei 6200 Punkten, also knapp zehn Prozent niedriger als derzeit.

"Die Ergebnisse zeigen, dass die Privatanleger die aktuelle Hausse an den Aktienmärkten nicht als nachhaltig betrachten. Gründe dafür sind die ungelöste europäische Schuldenkrise, das unsichere wirtschaftliche Umfeld und die Kursverluste im Vorjahr", sagt Peter Schirmbeck, Leiter Privatkundengeschäft der DZ Bank. Der Umfrage zufolge rechnen derzeit nur 27 Prozent der Befragten mit steigenden Aktienkursen, im Vergleich zu 40 Prozent im vergangenen August. Der Anteil der Pessimisten verharre auf einem hohen Niveau von 30 Prozent.

Vor diesem Hintergrund sei ein Einstieg in den Aktienmarkt für viele kein Thema, hieß es weiter. Auf der Suche nach sicheren Geldanlagen setzten Investoren stattdessen verstärkt auf Sachwerte wie Gold. 38 Prozent der Befragten dächten über den Kauf des Edelmetalls nach. Bei Derivate-Anlegern stünden Garantie-Zertifikate hoch im Kurs. An Attraktivität verloren hätten dagegen andere gemeinhin als "sichere Häfen" betrachtete Investments wie Bundesschatzbriefe oder Rentenfonds.

www.cash.ch/news/boersenkommentar/..._lehmanpleite-1137061-438
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!
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Anti Lemming:

Was könnte die Börsen nun verstimmen

7
21.02.12 08:20
und zur im letzten Posting genannte "Sell-the-News"-Reaktion führen?

Es gibt noch Unwägbarkeiten - die Börsen nicht lieben: Unklar ist insbesondere, ob sich bis März wirklich ausreichend Banken, Vers. und (Hedge-)Fonds an dem zugesagten freiwilligen Schuldenschnitt von 53,5 Prozent beteiligen werden. Falls nicht, müsste Athen den Verzicht gerichtlich erzwingen. Dabei droht neuer Hick-Hack [sogar Zaphod will nun klagen ;-)]. Hedgefonds könnten dann womöglich auch auf Auszahlung ihrer CDS-Versicherungen pochen, weil der Verzicht nicht mehr freiwillig wäre. CDS-Auszahlungen belasten vor allem angelsächsische Banken, die diese hauptsächlich geschrieben haben. Auch die BayernLB ginge dann pleite (für Malko).

Potenzieller Streit droht auch um die von IWF-Oberbläherin Lagarde - gegen Merkels Widerstand - geforderte neuerliche Aufstockung des ESM-Rettungsschirms. Der wird irgendwann so dick, dass er für die Geberländer keine (Konjunktur-)Sonne mehr durchlässt.
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permanent:

Immigration, Vorurteile sind sozial, nicht ökonomi

5
21.02.12 08:25

Migranten sind volkswirtschaftlich betrachtet oft ein Gewinn - aber viele Menschen haben trotzdem große Vorbehalte gegen Einwanderer. Eine neue Studie erklärt, warum das so ist. Von Johannes Pennekamp. Mehr…

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Anti Lemming:

Kleinanleger-Skepsis

5
21.02.12 08:39
Sie äußerst sich auf zweierlei Weise:

1. KleinZOCKER gehen über Puts und K.O.s short. Das ist eher bullisch, weil Zockerbanken sie dann squeezen können.

2. KleinANLEGER stocken jedoch, anders als in früheren Milchmädchen-Haussen, keine Aktien auf und dünnen womöglich sogar in die Rallye hinein Bestände aus, weil es für die Anstiege kaum triftige fundamentale Gründe gibt. Dies führte dazu, dass die Zockerbanken beim Hochpushen für den Squeeze aus (1) fast allein sind. Es fehlen die "animal spirits" von Normalo-Anlegern inkl. Fondkäufern, die den Schneeball weiter am Rollen halten. Das ist eine labile Konstellation, weil Zockerbanken meist gehebelt vorgehen und daher bei Chart-Wenden (mangels Anschlusskäufern) selber in Schwulitäten kommen.

(1) mag den von Stöffen erwähnten Wall of Worry nähren. Da wegen (2) keine echten Anschlusskäufer kommen, könnte die Pusher-Arie dennoch nicht gelingen.

Kontraindikativ bärisch ist auch die heute morgen bei Marketwatch veröffentlichte Story, dass man "niemals einen dummen Markt shorten" sollte (never short a dull market):

www.marketwatch.com/story/...ell-a-dull-stock-market-short-2012-02-21

Gemäß dieser Story ist die niedrige Vola bullisch, weil alles so schön ruhig bleibt. Wie sehr dies trügen kann, zeigte die niedrige Vola zur Threaderöffnung im Feb. 2007 - kurz vor einer -8 % Korrektur:
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permanent:

Presseschau

3
21.02.12 08:58

Auch wenn das Tauziehen um die Griechenland-Rettung erfolgreich zu Ende gegangen sei, sei dies erst der Anfang, schreibt das Wall Street Journal. Der Forderungsverzicht werde nur erfolgreich sein, falls Europas Politiker verstünden, dass dies nur der erste Schritt in einem langen Prozess zur Bekämpfung der Mängel der Währungsunion sein könne. Die Märkte würden einen solchen Deal als Beweis werten, dass nach wie vor ein politischer Wille bestehe, Griechenland zu retten. Wenn die Politiker den Verzicht jedoch als Beweis des besagten Willens betrachten würden und meinten, ihr Job sei getan und weitere Reformen unnötig, dann würden die Märkte mit voller Wucht zurückschlagen. Die EU müsse dringend den gemeinsamen Markt noch weiter vertiefen und die Europäische Investmentbank weiter aufbauen, die einen echten Marshall-Plan für Griechenland und andere Peripherie-Staaten auflegen müsse.

Die Wirtschaftsagentur Bloomberg beobachtet mit Sorge, dass sich viele europäische Offizielle die Frage stellten, ob der Euro nun nicht stark genug wäre, die Bailout-Agonie Griechenlands zu beenden und das Land ziehen zu lassen. „Die kurze Antwort lautet: Nein!“, schreibt das Blatt. Tatsächlich sei Europa heute anfälliger denn je für eine griechische Katastrophe. Die Lage in Europa scheine sich zwar zu verbessern. So sei der Geschäftsklimaindex in Deutschland gestiegen und die EZB habe die Märkte mit Krediten für Europas Banken in Höhe von 500 Milliarden Euro beruhigt. Beim genaueren Hinsehen, entpuppten sich diese Verbesserungen als Kosmetik. Das EZB-Geld habe es etwa Spanien und Italien erlaubt, mehr Schulden zu machen, da die Zinsen gesunken seien. Die Finanzinstitute seien dadurch noch stärker durch Staatspleiten bedroht. Europas Anführer müssten einige bittere Wahrheiten akzeptieren: Portugal und Griechenland brauchten einen noch größeren Forderungsverzicht, um ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Banken müssten Hunderte Milliarden Euro an neuem Kapital heben, um Vertrauen wiederherzustellen, und nur ein massiver Garantie-Fonds in Höhe von etwa 3000 Milliarden Euro könne Staaten vor spekulativen Angriffen schützen.

Die britische Financial Times zitiert aus einem Dokument, das eigentlich für die Finanzminister der Euro-Länder bestimmt worden sei. Das Schreiben zeige, dass die Sparbemühungen Griechenlands im Sande verliefen und dass das Land ein weiteres Rettungspaket brauchen werde, nachdem nun der Schuldenschnitt in Brüssel verhandelt worden sei. Dass die Sparmaßnahmen Griechenland aufgezwungen worden seien, könnte zu einer noch tieferen Rezession im Land führen. Ein Szenario zeige, dass der Schuldenabbau Griechenlands deutlich langsamer vonstatten gehen könne. Statt 120 Prozent Schuldenquote im Vergleich zum BIP werde das Land es lediglich auf 160 Prozent schaffen.

Die Kür des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck habe die Kanzlerin beschädigt und gezeigt, dass sie ihren Laden nicht mehr im Griff habe, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Merkel könne zwar mit Gauck als Bundespräsidenten gut leben, aber sie hätte ihre Gründe gehabt, warum sie gegen ihn gewesen sei. Merkels wirkliches Problem sei aber das Präludium zu Gaucks Nominierung. Die große Gemeinsamkeit der Demokraten minus die Linke sei erst zustande gekommen, nachdem es in der Koalition gekracht hatte. Union und FDP seien über viele Sitzungen und Stunden nicht in einer Personalfrage klargekommen. „Wo, bitte, kommt da der Anspruch her, das Land noch zu regieren?“, ätzt das Blatt.

Der britische Economist sieht die Situation deutlich entspannter. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe nun einen Präsidenten, mit dem fast alle Parteien aus dem Bundestag leben könnten. Wenn es bei der Wahl des Bundespräsidenten zum Teil um Signale für mögliche künftige Koalitionen gehe, so zeige dies, dass Merkel mit fast jeder beliebigen Partei regieren könne. Es sei nicht das erste Mal, dass ein scheinbarer Rückschlag Angela Merkel stärken würde. Doch am wichtigsten sei, dass das deutsche Volk auch gewonnen habe. Anders als sein Vorgänger sei Gauck eine charismatische und inspirierende Persönlichkeit. 

Die Financial Times Deutschland vergleicht die etwa 200 streikenden Mitarbeiter des Frankfurter Flughafens mit einem Hausmeister, der die Produktion einer ganzen Fabrik stoppt, weil er meint, zu wenig Geld zu verdienen. Die Rollfeldmitarbeiter seien die Herren eines winzigen, aber entscheidenden Bereiches. Am Missbrauch der Macht durch die Gewerkschaft der Flugsicherheit seien Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen schuld. Die Flughafenbetreiber hätten zu lange die Unruhe an der Basis der Mitarbeiter ignoriert und zahlten jetzt die Quittung. Gewerkschaften hätten ihrerseits die Interessen spezieller Berufsgruppen ebenfalls nicht erkannt. Die exorbitanten Forderungen der GdF von bis zu 70 Prozent mehr Lohn dürften bei der Bevölkerung zu wachsendem Ärger führen. Deren Rückhalt brauche eine Gewerkschaft aber, wenn sie langfristig erfolgreich sein wolle.

Die Zeitung Vedomosti wertet den Einzug des Bloggers und eines der einflussreichsten Aktivisten der Opposition Alexej Navalny in den Verwaltungsrat der Fluggesellschaft Aeroflot als einen politischen Fehler. Nominiert habe ihn der Chef der Bank NRB Alexander Lebedew, Aktionär von Aeroflot. Lebedew lasse sich nur schwer auf der Achse „gut-böse“ einordnen. Er sei eine Art Jack Sparrow der russischen Politik, der nur seine eigenen politischen Interessen vertrete. Nach dem Kauf der Novaja Gazeta habe er die Zeitung in ein Kampfblatt verwandelt. In Moskau und der südrussischen Stadt Sotschi habe der ehemalige Geheimdienstler erfolglos an den Bürgermeisterwahlen teilgenommen. In seiner politische Karriere sei er bereits Mitglied der Putin-Partei Einiges Russland gewesen und zuletzt Duma-Abgeordneter für die pseudooppositionelle Partei Gerechtes Russland. Sich mit Lebedew zu assoziieren, sei zwar nicht unbedingt ein Schandfleck in der Biografie, allerdings bringe er Navalny auch kaum einen Vorteil.

Die Börsen-Zeitung zieht eine Parallele zwischen der Berufung von Joachim Gauck als Bundespräsident und Otto Rehhagel als neuen Trainer des Bundesligisten Hertha BSC Berlin. Beide Herren jenseits der 70 lösten ihre deutlich jüngeren, aber erfolglosen Vorgänger ab. Der 52-jährige Wulff sei der jüngste Bundespräsident gewesen und Michael Skibbe mit 46 einer der jüngsten Trainer in der Bundesligageschichte. Zwar müsse man ja die geistige und körperliche Fitness der Oldies Gauck und Rehhagel nicht bestreiten. „Aber haben wir in Deutschland als Nachfolger im einen wie im anderen Fall keine geeigneten Jüngeren als Mitglieder der Generation Ü70?“, schreibt das Blatt? Warum nicht dem Nachwuchs eine Chance geben? Es müssen ja nicht immer die Wulffs und Skibbes sein.

Antworten
permanent:

@AL, Kleinzocker sind für die Börse

6
21.02.12 09:04

aufgrund der geringen Volumen vollkommen unbedeutend. Für die Banken ist es sicher ein schönes Nebengeschäft wenn sie über Optionsscheine und Derivate ein wenig Geld mitnehmen können.
Marktbestimmend sind diese Geschäfte für die Börsentendenz nicht.

Permanent

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Anti Lemming:

Malko findet # 734 "witzig"

4
21.02.12 09:10
Das passt zu seiner Einschätzung von Feb. 2007, als er die niedrige Vola - kurz vor einer -8 % Korrektur - ebenfalls als bullisch fehlinterpretierte:

www.ariva.de/forum/Der-USA-Baeren-Thread-283343?page=0#jumppos8

Ich gestatte mir daher, Malkos "witzig" zu den in # 734 genannten Kontraindikatoren hinzuzufügen und das verehrte Bärenpublikum auf diesen Umstand aufmerksam zu machen ;-)

Man könnte noch hinzufügen, dass Malko nach Bailout 1.0 für Griechenland im Mai 2010 - zusammen mit Ex-Bärenkumpel Metropolis, der zu den damals noch sehr hohen Kursen massig Griechenschrott kaufte (und heute gegen Verluste gerichtlich vorgehen will) - bester Hoffnung war, dass das Thema Griechenland damit abgehakt sei. Der aktuelle Bailout 2.0 (der ebenfalls nicht ausreichen wird), straft die damaligen positiven Erwartungen Lügen.

Ich hab noch niemanden gefunden, der mir stichhaltig erklären könnte, wie die Griechen jemals vom Euro-Tropf loskommen können, wenn die Hilfsgelder

a) zum großen Teil zur Bedienung von Altschulden, d.h. zum Ausbailen verzockter dt.-franz. Banken, verwendet werden (nennt sich auch "den Schneeball rollen"); und

b) das restliche Geld von den Griechen für kaum abgespeckte Wohltaten (2800 Euro Rente usw.) "verbraten" wird, statt es in langfristig Cash-Flow abwerfende Investitionen zu stecken.

In einem derart maroden System auf Spontanheilungen zu hoffen ist reichlich naiv.  H. W. Sinn hatte das in den beiden hier geposteten Interviews (die Malko ebenfalls ins Lächerliche zu ziehen versuchte) glasklar auf den Punkt gebracht.
Antworten
Anti Lemming:

Sorry - Nummernsalat

 
21.02.12 09:14
Malko fand # 733 witzig, und vermutlich weil ich in dem Post (überspitzt) geschrieben habe, dass die BayernLB bei Fälligkeit der Griechen-CDS pleite geht.

In diesem Punkt möchte ich meine Anmerkungen in # 738 korrigieren.
Antworten
Malko07:

Griechenland hat 2 Grobarten mit

8
21.02.12 09:17
jeweils etlichen Unterarten an Anleihen unterwegs. Bei der kleineren Gruppe kann  es nur einvernehmliche Änderungen an den Bedingungen geben wenn weit über 90% der Gläubiger zustimmen (den genauen Anteil hatte ich schon mal gepostet - ist mir jetzt zu blöd ihn nochmals heraus zu suchen). Einen juristisch durchzustehenden Zwangshaircut ist dabei faktisch unmöglich. Bei dem größeren Anteil kann die griechische Regierung die Bedingungen relativ freizügig nachträglich ändern und könnte bei diesen Anleihen auch einen Haircut abseits der Verständigung mit den Gläubigern durchsetzen. Dabei sind prinzipiell etliche Institutionen ausgenommen. Dazu zählen z.B. nationale Notenbanken und der IWF. Da die EZB kein IWF-Mitglied ist, hat man diese eventuell juristisch anfechtbare Lage mit dem Anleihetausch abgesichert. Ein Anleihetausch ist jederzeit, wenn beide Seiten einverstanden sind, erlaubt. Dabei können sich sogar die Bedingungen ändern. Bei allen Arten Anleihen strebt man momentan einen "freiwilligen" Schnitt an.

Ich hatte auch schon mehrmals darauf hingewiesen, dass das Finanzsystem in der Eurozone Mitte des Jahres soweit sein soll, einen Pleite (und nicht nur einen Zwangsschnitt) durch zu stehen. Bis dahin wäre auch die Wahl in Frankreich gelaufen. Die nächste große Tranche am Rollen der Schulden, nach der Märzaktion, steht erst im Juni an. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass es noch zu Zahlung der Märzhilfe kommt. Dann wäre auch der freiwillige Schuldenschnitt unter Dach und Fach und die beteiligten Finanzkonzerne hätte in garantierte Anleihen getauscht. Zur Junihilfe kann es auch noch kommen und sehr wahrscheinlich ist anschließend Schicht im Schacht.  Man wird feststellen, dass Griechenland die Anforderungen nicht erfüllt und wird die Zahlungen einstellen. Das erwarten offensichtlich alle Beteiligten und deshalb auch das Sperrkonto, damit kurz vor Schluss die Hilfe nicht in ungeplante Kanäle fließt.

Das Spiel mit griechischen Anleihen mit Restlaufzeiten bis zur nächsten geplanten Hilfszahlung wird also jetzt immer gefährlicher. Es macht Sinn dieses Spiel erst mal zu beenden.  War jemand so risikofreudig respektive gierig und hat sich griechische Anleihen mit langen Restlaufzeiten zugelegt, wäre es wahrscheinlich nicht so schlecht auf das Angebot des "freiwilligen" Schuldenschnitts einzugehen, denn bei einer Pleite nutzen einem die Anleihebedingungen nichts mehr. Und eine Pleite wäre jetzt schon und noch leichter im Sommer für das Finanzsystem durchzustehen. Bis auf Zypern könnte jedes Eurozonenmitglied seine Finanzkonzerne, soweit betroffen, selber auffangen. Zypern müsste geholfen werden.
Antworten
Anti Lemming:

# 737

3
21.02.12 09:40
Du hast völlig Recht, Permanent, dass Kleinzocker (mit Puts und K.O.s) für die Märkte relativ unbedeutend sind.

Sehr viel wichtiger hingegen sind die ebenfalls zur Kleinanleger-Gemeinde zählenden "Normalo-Anleger" - darunter kleine Angestellte, die ihre Ersparnisse via vermögenswirksame Leistungen in Aktienfonds stecken.

Aus diesen Kleinanlegertaschen erhalten die großen Publikumsfonds - die sehr wohl marktbewegend sind - ihre Kohle. Wenn den Fonds viel Geld zufließt, kommen auch verstärkt Performance-Ängste und - zwänge auf. (2011 floss aber viel Geld ab, weil Kleinanleger dem Braten zu Recht nicht mehr trauen und - völlig anders als früher - bei hohen Kursen antizyklisch aussteigen.)

Auf höherer Ebene findet das Narrenspiel auch in der Weise statt, dass Hedgefonds die Indizes hochzocken, um die Publikumsfonds zu Anlagen zu zwingen. Das klappt jedoch nicht, wenn den Publikumsfonds die Mittel fehlen. Die Folge sind die zu beobachtenden Anstiege bei sehr dünnem (und daher nicht von Vertrauen kündenden) Volumina.

Um das Geld der Kleinen anzulocken, muss Bubblevision gezielt die "Animal Spirits" schüren. Dies gelingt jedoch immer schlechter, je häufiger Mega-Abstürze wie in 2003 und 2008 die Stimmung trüben und das Anlegervertrauen unterminieren.

Aktuell hat die Weltwirtschaft - zumindest aus Sicht der "Kleinen", die im Umverteilungskrieg stark leiden - dermaßen fertig, dass nicht mal Bubblevisions virtuose Verdrehungen der Realitäten noch einen Hund hinter dem Ofen hervorlocken können.

Das Konzept von "Behavioral Finance" sollte ursprünglich dazu dienen, übereuphorische Kleinanleger vor spekulativem Überschwang samt Folgeschäden (z. B. Abstürze in 2003 und 2008) zu bewahren. Es wird von den US-Börsenmedien inzwischen aber GEGEN die Kleinanleger verwendet - und zwar in dem Sinne, dass die "animal spirits" nicht vermieden, sondern sogar bewusst mit psychologischen Mitteln geschürt werden sollen - eben um die Erholungs-Illusion künstlich zu nähren. Das klappt aber nicht, denn die Kleinanleger sind "klüger als erwartet".
Antworten
Malko07:

#93738: Du widerspricht dich am

2
21.02.12 09:47
laufenden Band. Du traust der griechischen Regierung mit Recht nicht zu mit Geld umgehen zu können und stehst aber voll hinter den Forderungen von Sinn, die Hilfsgelder nicht zur Zurückzahlung der Schulden zu nutzen sondern sie der griechischen Regierung auszuhändigen. Wenn das nicht lächerlich ist, was ist dann lächerlich?

Wenn man dann einen einzelnen Post aus der Vergangenheit herausfischt und die anderen Aussagen außen vor lässt (es ist noch nicht allzu lange her, da hast du mir Vorwürfe gemacht, ich wäre damals zu früh ausgestiegen ohne eine Ahnung von meinem Portefeuille zu haben). Auch meine Warnungen bezüglich dem Kauf griechischen Anleihen mit längeren Restlaufzeiten (wg. dem Pleiterisiko) werden unter den Tisch fallen gelassen. Das erinnert sehr stark an das Verhalten eines Herrn Wullf's vor dem niedersächsischen Landtag.

Ich halte mich bekanntlich mit Anlageempfehlungen, im Gegensatz zu dir, sehr stark zurück. Und deshalb treibe ich auch keinen mit laufenden direkten und indirekten Shortempfehlungen in die Pleite.  Nach deinen Prognosen dürften wir hier alle gar nicht mehr posten. Oder glaubst du, ARIVA würde den Zusammenbruch des Finanzsystems überleben?

Auch das Beten für den Zusammenbruch ist hochgradig unwirksam. Wieso? Derjenige der sich durch Beten korrumpieren lässt existiert offensichtlich nicht.

Helau und Alaaf
Antworten
Pichel:

Auftragseingang der griech. Industrie mit -9,4%

5
21.02.12 09:49
www.querschuesse.de/...he-industrie-mit-94-zum-vorjahresmonat/
Finanzielle Probleme lassen sich am besten mit anderer Leute Geld regeln. (J. Paul Getty)
Antworten
Pichel:

EU-Kommission soll Zugriff auf nationale Haushalte

2
21.02.12 09:54
bekommen.

www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/02/38504/
Finanzielle Probleme lassen sich am besten mit anderer Leute Geld regeln. (J. Paul Getty)
Antworten
Malko07:

#93744: Jedes Land ist weiterhin

3
21.02.12 10:06
absolut frei in der Festlegung seiner Umverteilung, kann also Einnahmen und Ausgaben frei bestimmen.

Es verliert nur das Recht auf Kosten anderer zu leben. Inwieweit das eine Schädigung der Demokratie ist, kann ich nicht begreifen. Wenn in Bayern eine Gemeinde wegen Überschuldung unter Zwangsbewirtschaftung fällt, ist es auch egal wer dann noch gewählt wird. Haben wir deshalb nur eine eingeschränkte Demokratie?. Man sollte derartige Vorschriften auch bei uns durchsetzen.
Antworten
Anti Lemming:

Zur Presseschau in # 736

5
21.02.12 10:07
Dort steht: "Auch wenn das Tauziehen um die Griechenland-Rettung erfolgreich zu Ende gegangen sei, sei dies erst der Anfang, schreibt das Wall Street Journal. "

Ähnlich äußerte sich gestern Flutungs-Propadandist Krugman in der New York Times (von Kicky gepostet).

Griechenland soll demnach Vorbild für Resteuropa sein - mit dem langfristigen Ziel einer schulden-gepushten Bailout-/Transferunion. Krugman betont wie üblich, man müsse unbedingt viele neue Schulden machen, damit man "viel investieren" kann, weil sonst Deflation käme. Das enspricht der offiziellen Ami-Doktrin und dem Bernanke/Fed-Unsinn.

Nun ist Krugman aber auch ein Schachgroßmeister. Es könnte daher gut auch folgende - negative - Interpretation zutreffen. Mit den Empfehlungen der Flutungen soll Europa nicht gestärkt werden, sondern planmäßig GESCHWÄCHT - weil es dann weniger Konkurrenz für das abgewirtschaftete Amerika darstellt. Wenn USA und Europa, die zusammen den größten Teil des Welt-BIP generieren, BEIDE ihre Währungen verwässern, wirkt sich Bernankes Verwässerung weniger schädlich für USA aus, zumal der Dollar dann Leitwährung bleibt.

Was Krugman und Co. als Heilung verkaufen, könnte daher faktisch eine gezielte Vergiftung sein, um den Hauptkonkurrenten zu schwächen. Der Krieg der US-Ratingagenturen zielt ja in die gleiche Richtung. Permanent hat schon wiederholt zu Recht gepostet, dass "Wirtschaft keine Kuschelveranstaltung" ist.

Wenn Goldman laufend Anleger mit gezielten Falsch-Empfehlungen ins Bockshorn jagt (auch Landesbanken mit US-Housingschrott) warum sollten dann die hochoffiziellen "Politikempfehlungen" von vermeintlichen Koryphäen wie Krugman BESSER sein?
Antworten
Anti Lemming:

# 742 - H.W.Sinn will die Hilfsgelder als eine Art

2
21.02.12 10:15
"finale Abfindung" aushändigen, um einen Schlussstrich unter das Dauer-Debakel Griechenland zu ziehen.

Die Lage ist vergleichbar mit einem Angestellten, der mit zu hohem Gehalt eingestellt wurde und nur einen Bruchteil der erwarteten Leistung bringt. Er hat Kündigungsschutz und kann nicht einfach vor der Tür gesetzt werden. Folglich erhält er als "goldenen Fallschirm" eine schöne Abfindung, wenn er freiwillig geht. Das versüßt den Ausstieg, aber das Ziel der Firma, ihn loszuwerden, wird damit erreicht.

Ähnlich will Sinn die Griechen loswerden, damit sie nicht ihm Dauerschnorr-Abo die rest-europäische Substanz zersetzen.

Das Ganze fällt unter die Rubrik: Besser ein (nicht billiges) Ende mit Schrecken als eine (Daueralimentations-)Schrecken ohne Ende.

Ich kann Sinn in dem Punkt voll zustimmen, finde diese Strategie auch nicht lächerlich. Lächerlich hingegen ist Deine Verkürzung, Sinn wolle "der griech. Regierung Geld aushändigen". Denn dabei handelt es sich um ein strategisches Abschiedgeschenk, für das man die Griechen "los wird".
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Pichel:

Wie geht es nach Griechenland weiter?

5
21.02.12 10:25
Ob dieses Land nun gerettet ist, oder irgendwann doch noch in die Insolvenz geschickt wird, ist nicht mehr entscheidend. Wichtiger ist, was die Märkte aus dieser zweijährigen Tragödie machen. Es ist ein Meilenstein für die Bewertung der schwachen europäischen Länder. Die Folgen kann man schon jetzt definieren:
Spanien und Italien machen Ernst. Wie immer bestehen Zweifel daran, ob alle gesetzlichen Sparmassnahmen auch wirklich umgesetzt werden. Das dürfte nicht gelingen. Sind es nur 70 %, so wäre dies schon ein Fortschritt. Nach 16 Jahren Berlusconi-Nicht-Politik in Italien und einer lockeren Sunnyboy-Politik des spanischen Premiers wird man in beiden Ländern unterstellen können, dass realer gedacht wird.
Frankreich kämpft noch verbissener um den Anschluss. Hier ist Deutschland der alleinige Massstab, an dem sich die Grande-Nation letztlich messen möchte. Das gelingt zwar nie, aber auch hier ist ein
hinreichend grosser Prozentsatz ein wirklicher Fortschritt. Erst nach der Präsidentschaftswahl wird dies näher zu definieren sein. Das seit Jahren wachsende Leistungsbilanzdefizit ist eine ökonomische Schieflage erster Ordnung und hier ist ein echter Wechsel ordnungspolitischer Massnahmen dringend.

Entscheidend sind die Bedingungen in diesen drei Ländern bezüglich zweier Eckwerte. Eine kurzfristige Sparpolitik ist machbar und für zwei bis drei Jahre auch eine realistische Vorgabe. Weit wichtiger sind die inzwischen angegangenen Korrekturen in der wirtschaftspolitischen Struktur. Spanien ging bis jetzt diesbezüglich am weitesten. Die Deregulierung des dortigen Arbeitsmarktes ist ein wirkliches Faktum. Für Italien und Frankreich dürfte es ebenfalls ein Massstab werden. Der Effekt dieser Deregulierungen wird in Simulationen auf 0,4 bis 0,6 % Wachstum im BIP pro Jahr veranschlagt. Der Entschuldungsfaktor erreicht etwa den gleichen Prozentsatz für die Staatsfinanzen.
Irland und Portugal gehen eigene Wege, die den Besonderheiten ihrer Finanzkrise entsprechen. Irland ist darin am weitesten und die Wirkung seiner Massnahmen seit nun mehr fast einem Jahr nachvollziehbar. Österreich greift als zwar kleiner, mit diesen Ländern nicht vergleichbarer Problemstaat ebenfalls mit einer sehr gezielten Sparpolitik vermutlich weiter voraus, als zu vermuten war.
Ein Zwischenergebnis lässt sich schon jetzt formulieren: Werden die jetzt beschlossenen Massnahmen in den kommenden drei Jahren wirklich umgesetzt, so ist die Schuldenkrise Europas zwar nicht beseitigt bzw. überwunden, aber zunehmend richtig eingeordnet. Die angekündigten Sparmassnahmen beseitigen die hohe Gesamtverschuldung eines dieser Länder nicht, aber sie begrenzen sie! Darin liegt das Kriterium für die Märkte. Das Ergebnis ist dann so zu formulieren: Schreiben Sie Europa nicht ab, wie es vielfach in Analysen und politischen Kommentaren dargestellt wird. Wer am Rande des Abgrundes stand, entwickelt in der Regel ausserordentliche Energie, um wieder in eine Normallage zu gelangen. Darin steckt zu 50 % Psychologie und zu 50 % Finanzkraft.

Quelle: Zürcher Finanzbrief aus EMail
Finanzielle Probleme lassen sich am besten mit anderer Leute Geld regeln. (J. Paul Getty)
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Anti Lemming:

zu meinen "Short-Empfehlungen"

5
21.02.12 10:28
Ich rate hier wahrhaft niemanden, dauerhaft short zu sein.

Wir sind aber ein Bärenthread, in dem sich die Teilnehmer - idealerweise kurz vor oder nach Trendwenden nach unten - kurzfristig short positionieren. (Aktuell sind wir mMn an einem solchen Punkt angelangt.)

Das ist naturgemäß schwierig, weil Zockerbanken an Anstiegen, den sie mit Zentralbanknete reiten,  verdienen wollen. Man hat damit "mächtige Gegner". Entsprechend wichtig ist ein passendes Risikomanagement ("dauerhaft short" kann in der Tat in den Ruin führen).

Meine eigenen Positionierungen poste ich hier bewusst kaum. Denn es geht um strategische Konzepte und Grunderwartungen. Warum sollte es bei Hunderten von Bullenthreads nicht auch einen rein bärischen geben, in dem sich Gleichgesinnte austauschen? Dies mit der Empfehlung, dauerhaft short zu sein, gleichzusetzen ist reichlich naiv - und kaum besser als der Müll, der hier in vielen Bullen-threads ausgesetzt wird.

Wer Zocken will, wird im Übrigen besser bei Quo vadis bedient (bis er "bedient" ist ;-)).
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Malko07:

#93747: Wieso soll man bei

4
21.02.12 10:39
einer finalen Rettung Geld verbrennen, das kaum etwas Positives bewirken kann? Sinn empfiehlt u.a. auch noch die griechischen Banken zu retten und unterschlägt dabei, dass wenn die "Rettung" nicht größtenteils in unser Finanzsystem zurück fließt, es dort fehlt und irgendwelche ganz konkreten Menschen dafür aufkommen müssen. Die zahlen dann nur noch zusätzlich die finale Geldverbrennung. Und es geht dabei ja immerhin um weit mehr als 130 Milliarden Euro.

Wir werden die Griechen nicht los. Nur sie können gehen. Und um die Eurozone zu verlassen müssen sie nun mal die EU verlassen. Das werden sie bei derartigen Hilfen nicht tun, sie wären ja sonst strohdumm, denn sie wissen, nach der letzten Hilfe kommt die allerletzte Hilfe .....

Damit sie die EU verlassen, müssen alle Zahlungen eingestellt werden, nicht nur die Hilfspakete der Eurorettung. Bei den Strukturhilfen braucht man nur genau zu prüfen und den regelgerechten Eigenanteil zu verlangen und schon ist Schluss. Die EZB braucht die griechischen Anleihen nicht mehr zu akzeptieren und schon ist Schluss.  Alles formaljuristisch in Ordnung. Es gibt keinen anderen Weg als Bedingungen zu schaffen bei denen das Gehen vorteilhafter gegenüber dem Bleiben wird. Denn die Verträge müssen wir einhalten und sie zu ändern ist in der Lage praktisch unmöglich. Sollte dem Profischwafler Sinn auch bekannt sein. Wenn sie dann draußen sind, können wir dann ja humane Hilfe leisten. Aber Sinn steht eh über allen Verträgen und Gesetzen, er ist ja der heimliche König der Herzen.
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Contrade 121:

Griechenland-Rettung

9
21.02.12 10:43

Die ganzen Rettungspakete orientieren sich mMn zu sehr an den quantitativen Größen. Es wird ausser Acht gelassen, dass in Griechenland ja der Großteil der Bevölkerung eigentlich im Streik bzw. beim Demonstrieren ist. Dies wirkt sich auch negativ auf die Wirtschaftsleistung aus und verstärkt sogar die Abwärtsdynamik. Die griechische Wirtschaft ist nun mal bestehend aus ca. 70% Konsum und dieser wird nun entscheidend von den Rettern geschwächt. Die heute morgen gemeldten Auftragseingänge mit -9,4% sind nur eine Bestätigung dafür, dass in diesem Land "nichts geht". Es ist quasi auf Generationen hinaus verbrannt. Die Buchungstricks der Politiker werden sich als im Nachinein als folgenschwerer Fehler erweisen - leider hat man den Zeitpunkt zum Ausstieg nun verpasst und steckt mMn in noch größeren Schwierigkeiten als dies noch vor dieser Entscheidung gewesen war.

Im Übrigen, wie auch die letzten Entscheidungen fiel auch diese Entscheidung spät Nachts, gegen 4 Uhr morgens wurde das Ergebnis dann kommuniziert. Das ist schon fahrlässig was die Politiker da machen - aber man kann es ja machen, da man nie zur Rechenschaft gezogen wird. Und gute Rente gibt es noch obendrein.

 

 

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