Mitten im SpaceX-Hype: OHB nutzt Raumfahrt-Boom für frisches Kapital - zugreifen?
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
SpaceX hat den Kapitalmarkt für Raumfahrtaktien elektrisiert. Jetzt will der Bremer Satellitenkonzern OHB die Gunst der Stunde nutzen: Eine Kapitalerhöhung über rund 500 Millionen Euro soll Wachstum, Übernahmen und Europas unabhängige Raumfahrtambitionen finanzieren. Eine neue Chance oder ein riskantes Re-IPO mit Verwässerung und KKR-Teilausstieg?
Für dich zusammengefasst:
OHB plant eine Kapitalerhöhung von rund 500 Millionen Euro.
Die neuen Aktien werden vor allem institutionellen Investoren angeboten.
OHB will durch die Kapitalerhöhung seine Produktion ausbauen.
Der Bremer Satelliten- und Raumfahrtkonzern OHB (OHB Aktie) will frisches Kapital einsammeln. Geplant ist eine Kapitalerhöhung mit einem Bruttoerlös von rund 500 Millionen Euro. Die bisherigen Aktionäre sollen grundsätzlich Bezugsrechte erhalten, doch die Hauptaktionäre, die Familie Fuchs und der von KKR kontrollierte Investor Orchid Lux HoldCo, wollen ihre Bezugsrechte nicht ausüben.
Damit werden viele der neuen Aktien für institutionelle Investoren frei. Für OHB ist das ein strategischer Schritt: Das Unternehmen will seine Produktion ausbauen, in Trägerraketen und Anlagen investieren, künftige Raumfahrtprogramme finanzieren und sich mögliche Übernahmen offenhalten.
Die Botschaft ist klar: OHB will nicht nur vom europäischen Raumfahrtboom profitieren, sondern aktiv an der Konsolidierung der Branche teilnehmen.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Der spektakuläre Börsengang von SpaceX hat das Interesse an Raumfahrtaktien massiv erhöht. Reuters schreibt, OHB sei die erste Raumfahrtfirma, die nach dem Rekordlisting von SpaceX den öffentlichen Kapitalmarkt anzapft. SpaceX hatte mit seinem Börsengang die Fantasie für Satelliten, Raketen, Verteidigung im All und kommerzielle Raumfahrt deutlich angeheizt.
OHB-Chef Marco Fuchs macht daraus keinen Hehl. Die starke Bewertung und der gute Handel von SpaceX hätten die Zuversicht gestärkt, die Transaktion anzugehen. Genau das ist der Kern der Story: OHB versucht, den SpaceX-Moment für eine eigene Neubewertung zu nutzen.
Für Anleger ist das spannend, weil OHB einer der wenigen börsennotierten europäischen Raumfahrtwerte mit direktem Bezug zu Satelliten, Verteidigung, Trägerraketen und staatlicher Weltrauminfrastruktur ist.
Praktisch ein zweiter Börsengang
Diese Transaktion ist nicht einfach nur eine normale Kapitalerhöhung. Wegen des extrem niedrigen Streubesitzes wirkt sie fast wie ein zweiter Börsengang. Die Familie Fuchs hält rund 65 Prozent an OHB. KKR hält über Orchid Lux knapp 29 Prozent. Der Streubesitz liegt nur bei etwa 6 Prozent. Das ist für große institutionelle Anleger ein Problem, weil die Aktie bislang zu eng und illiquide ist.
Durch den Verzicht der Großaktionäre auf ihre Bezugsrechte und durch den geplanten Teilverkauf von KKR soll sich der Streubesitz deutlich erhöhen. Laut dem WSJ sollen etwa 94 Prozent der neuen Aktien für Platzierung und Handel verfügbar werden. KKR will einen Teil seiner Beteiligung verkaufen, aber die Mehrheit seiner aktuellen Position behalten. Die Familie Fuchs will keine Aktien verkaufen und die Mehrheit behalten.
Das macht die Transaktion zu einem Re-IPO-ähnlichen Ereignis: Mehr Aktien, mehr Liquidität, mehr institutionelle Aufmerksamkeit – aber auch mehr Angebot auf dem Markt.
KKR macht teilweise Kasse
KKR ist erst vor rund 2 Jahren bei OHB eingestiegen. Damals lag der Angebotspreis bei 44 Euro je Aktie. Heute notiert OHB trotz des jüngsten Rücksetzers in einer völlig anderen Liga. Der Börsenwert hat sich massiv erhöht.
Dass KKR nun einen Teil der Beteiligung platziert, ist deshalb logisch. Der Finanzinvestor nutzt das stark gestiegene Bewertungsniveau, um Gewinne zu realisieren. Das ist nicht automatisch negativ. Aber Anleger sollten es auch nicht romantisieren: Wenn ein Finanzinvestor nach einer Vervielfachung des Werts teilweise verkauft, ist das ein klares Signal, dass zumindest ein Teil der Ernte eingefahren wurde.
Gleichzeitig bleibt KKR nach Angaben von OHB investiert. Das spricht gegen einen vollständigen Rückzug. Trotzdem entsteht kurzfristig Verkaufsdruck.
Warum die Aktie trotzdem interessant bleibt
Der strategische Hintergrund ist stark. Europa will unabhängiger im Weltraum werden. Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung, militärische Aufklärung, sichere Datenverbindungen und eigene Trägerraketen gewinnen politisch enorm an Bedeutung.
OHB sitzt genau an dieser Schnittstelle. Der Konzern ist kein reines Fantasieunternehmen, sondern ein etablierter Raumfahrtanbieter mit Regierungskunden, Satellitenprogrammen und industrieller Infrastruktur. Das unterscheidet OHB von vielen kleineren Space-Hypes der vergangenen Jahre.
Laut WSJ verweist OHB auf einen Rekordauftragsbestand, profitables Wachstum und den Ausbau der Kapazitäten in Europa. Die Mittel aus der Kapitalerhöhung sollen in Produktion, strategische Übernahmen und Trägerraketen fließen. Genau das sind die Bereiche, in denen Europas Raumfahrtindustrie in den kommenden Jahren stärker werden muss.
Verwässerung, Bewertung und Abhängigkeit vom Staat -Aktie ist kein Selbstläufer.
Eine Kapitalerhöhung bedeutet eine Verwässerung. Mehr Aktien verteilen den Unternehmenswert auf mehr Anteile. Deshalb ist es normal, dass der Kurs nach der Ankündigung unter Druck geriet. Die Aktie fiel am Montag zeitweise deutlich.
Die Bewertung ist nach der Kursrallye anspruchsvoll. OHB hat sich seit dem Einstieg von KKR massiv verteuert. Wer jetzt einsteigt, kauft nicht mehr den verschlafenen Nischenwert von früher, sondern eine SpaceX-inspirierte europäische Raumfahrtstory mit deutlich höheren Erwartungen.
OHB hängt stark an staatlichen Programmen, Verteidigungsbudgets und europäischen Raumfahrtentscheidungen. Das kann ein Vorteil sein, weil Europas Regierungen mehr in strategische Autonomie investieren wollen. Es ist aber auch ein Risiko, weil Projekte politisch, langsam und komplex sind.
Und: OHB ist nicht SpaceX. Der US-Konzern hat Raketen, Starlink, extreme Skalierung, globale Sichtbarkeit und Elon-Musk-Fantasie. OHB ist ein europäischer Satelliten- und Raumfahrtkonzern mit anderer Struktur, anderen Margen und anderen Wachstumsgrenzen. Die SpaceX-Euphorie hilft dem Sentiment, ersetzt aber keine eigenen Zahlen.
Warum Europa OHB braucht
Der politische Rückenwind ist dennoch real. Europa hat in den vergangenen Jahren schmerzhaft erlebt, wie abhängig es bei Raketenstarts, Satelliteninfrastruktur und sicherheitsrelevanter Technologie sein kann. Der Krieg in der Ukraine, die Bedeutung von Satellitenkommunikation und die zunehmende Militarisierung des Weltraums haben das Thema strategische Autonomie nach oben auf die Agenda geschoben.
Für OHB ist das ein günstiges Umfeld. Der Konzern kann sich als europäischer Raumfahrt-Champion positionieren – kleiner als Airbus, spezialisierter als klassische Industriekonzerne und näher an Satellitenprogrammen als viele andere börsennotierte Werte.
Genau deshalb könnte die Kapitalerhöhung wichtig sein. Wer in einer sich konsolidierenden Branche mitspielen will, braucht Kapital. Fuchs formuliert es sinngemäß so: "Es sei besser mitzuspielen, als selbst Spielball zu werden."
Anleger bekommen eine neue Space-Aktie mit mehr Liquidität
Für Investoren kann die Transaktion einen echten Vorteil haben: mehr handelbare Aktien. Der bisher sehr niedrige Streubesitz hat OHB für viele Fonds unattraktiv gemacht. Große Investoren brauchen Liquidität. Wenn der Streubesitz deutlich steigt, kann OHB stärker auf den Radar institutioneller Anleger kommen und auch mit einer Aufnahme in die DAX-Familie liebäugeln.
Das ist möglicherweise der wichtigste Börseneffekt. Nicht nur das frische Geld zählt, sondern die neue Handelbarkeit der Aktie. Wenn aus einem engen Familienwert ein liquiderer Raumfahrtwert wird, kann sich die Anlegerbasis verändern.
Aber auch hier gilt: Mehr Streubesitz bedeutet zunächst mehr Angebot. Kurzfristig kann das belasten. Langfristig kann es helfen.
Neue Chance, aber keine risikolose SpaceX-Kopie
OHB nutzt den SpaceX-Moment. Der Bremer Satellitenkonzern will 500 Millionen Euro einsammeln, den Streubesitz erhöhen und sich für den europäischen Raumfahrtboom rüsten. Für Anleger entsteht damit eine neue Chance auf einen der wenigen börsennotierten europäischen Space-Profiteure.
Anleger sollten nicht der SpaceX-Euphorie blind hinterherlaufen. Die Chance ist real – aber der Preis und die Verwässerung sind es auch. Zusammengefasst macht es aber durchaus Sinn bei OHB mitzuziehen.
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