Nachdem ich oben die "Sprüche" von Monti und Draghi auf ihren Realitätsgehalt abgeklopft habe, hier noch eine Analyse zu den Sprüchen und der Realität Bernankes.
Auch Bernanke redet mit "gespaltener Zunge". Er will, wie auch seine früheren Publikationen zeigen, die Monetarisierung der Staatsschulden durch Inflation bzw. Inflationierung - und verkauft dies als seriöse "Geldpolitik".
Für seine Politik der "Finanziellen Repression" benötigt er negative Realzinsen, mit denen er im Gegenzug via Zinsgeschenke die de facto überwiegend bankrotten US-Banken sanieren will.
Er erreicht dies, indem er die Leitzinsen bis 2014 bei nahe Null lassen und gleichzeitig via QE weitere Dollars drucken will. Die Geldschwemme treibt die Preise von Aktien, Bonds, Rohstoffen, Gold, Nahrungsmittel, Öl weiter nach oben (= Parallel-Blase), was inflationierend wirkt. Gleichzeitig leidet Main-Stream-Amerika unter Reallohnabbau, und es gibt keine Zinsen mehr auf Ersparnisse.
Man könnte Bernanke daher als Handlanger von Zockerbanken wie Goldman, Buffett und Co. brandmarken. Um diesem - berechtigten - Vorwurf zu entgehen, lügt Bernanke wie folgt:
LÜGE 1: "Die Jobverluste in USA haben keine strukturellen Ursachen, sondern sind konjunkturbedingt."
- Tatsache ist, dass die hohe US-Arbeitslosigkeit sehr wohl strukturelle Ursachen hat: Die US-Industrie nutzte den 2008-Crash dazu, in USA massenhaft Stellen abzubauen (= rund 10 Mio. neue Dauerarbeitslose) und im gleichen Atemzug ihre Kapazitäten in Fernost (bzw. anderen Billglohnländern) massiv auszubauen. Die Krise war sogar "nötig", um die unsozialen Jobverlagerungen zu rechtfertigen. In guten Zeiten wären sie in dem Ausmaß gar nicht möglich gewesen. Ein gutes Beispiel ist Caterpillar: Der Kurs von CAT ist nahe ATH, die Firma verdient dank der Jobverlagerung nach Asien (und Aufbau von China-Fertigung) sowie dank dem Schürf-Boom (ein Nebeneffekt von QE) besser als je zuvor.
- intendierte Wirkung: Bernanke erhält mit Lüge 1 ein Dauerbrennerargument für weiteres QE. QE wird ja als Konjunkturmaßnahme verkauft, daher "muss" die hohe US-Arbeitslosigkeit auch als "konjunkturbedingt" bezeichnet werden - obwohl Bernanke genau weiß, dass sie strukturelle Ursachen hat.
LÜGE 2: "Die Preisanstiege bei Nahrungsmitteln und Rohstoffen sind auf gestiegene Nachfrage in Asien zurückzuführen und nicht auf die Fed-Geldpolitik."
- Tatsache ist, dass die Manipulationen der Zentralbanken, allen voran der Fed, Märkte aller Art (Bonds, Aktien, Rohstoffe) stark verzerrt und verunsichert haben. US-Bondpreise sind auf Mondkurs - 30-jährige haben zurzeit die niedrigsten Renditen aller Zeiten. Am "kurzen Ende" indes wird Job Sixpack mit Reallohnabbau und negativen Realzinsen abgespeist.
Gäbe Bernanke zu, dass er diese negativen Realzinsen, die allein der Sanierung der Zockerbanken dienen, vorsätzlich mittels Finanzieller Repression (d.h. auf Kosten der Allgemeinheit) erzeugen würde, bekäme er Rechtfertigungsprobleme. Also wird (schutz-)behauptet bzw. vorgeschoben, "hohe Marktnachfrage" sorge für die (Rohstoff-)Preisanstiege und nicht etwa QE.
Damit wird QE sogar implizit als wirksames Heilmittel verkauft, weil es ja angeblich die Nachfrage gesteigert hat. Und das "beweist" ja, dass sich die US-Wirtschaft wiederbelebt. Hinzu kommen die gestiegene Aktienkurse, die ebenfalls als "sichtbarer Beweis" für Wirtschaftserholung angeführt werden, obwohl sie größtenteils auf die Geldflutungen zurückgehen.
Nur der Arbeitsmarkt funktioniere "leider" noch nicht (1), deshalb müsse QE eben dauerhaft fortgesetzt werden.
Obwohl also angeblich "der Markt" die inflationäre Rohstoffnachfrage erzeugt habe, weigert sich Bernanke, diese vermeintliche Realität in seine Inflationsberechnungen einfließen zu lassen. Bei der Berechnung der Kerninflation - die allein maßgeblich für die Fed-Politik ist - werden die stark gestiegenen Energie- und Nahrungspreise nach wie vor stur ausgeklammert - mit der Pseudobegründung, dass sie "hoch volatil" seien. Ist dann, so fragt man sich, nicht der gesamte gepumpte Aufschwung seit 2008 hoch volatil??
Die Wahrheit der angeblich stark gestiegenen Rohstoffnachfrage zeigt übrigens der kollabierende Baltic-Dry-Index (Chart in # 784). Goldman, JPM und Co. versuchen derweil an den Terminbörsen, mittels Future-Gepushe die "Nachfrage" nach teurem Öl künstlich aufrecht zu erhalten, damit Bernankes Lügengebäude nicht kollabiert und damit sie weiter schön an der Contango-Arbitrage verdienen können.