Hört auf, die Banken zu schonen
Simon Johnson war Chefökonom des Internationalen Währungsfonds und ist Wirtschaftsprofessor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Dieses Jahr kam der Weihnachtsmann früh für vier ehemalige Manager von Washington Mutual (Xetra:
893906 - Nachrichten) (Wamu) - einer großen US-Bank, die im Herbst 2008 Konkurs anmeldete. Der US-Einlagensicherungsfonds FDIC hatte sie auf die Rückerstattung von 900 Mio. Dollar verklagt - aber die Manager haben gerade eine Einigung auf 64 Mio. Dollar unterschrieben. Da den Großteil ihre Versicherungen zahlen, müssen sie selbst nur 400.000 Dollar beisteuern.
Laut FDIC verdienten die vier Manager zwischen Januar 2005 und September 2008 immerhin 95 Mio. Dollar - sie haben also unter dem Strich einen kräftigen Gewinn gemacht. Das passiert, wenn Finanzmanager eine Vergütung für Kapitalrendite bekommen, die nicht an die Risiken angepasst wird. Bankmanager gewinnen, wenn die Dinge gut laufen, und wenn die Dinge nicht so gut laufen, verlieren sie nichts. Sie - und andere Bankmanager - sind dabei direkt für den Anstieg der Preise auf dem Wohnungsmarkt und in der Folge für den Kollaps des Immobilienmarkts verantwortlich. Er traf Nichtbanker hart, rund acht Millionen Arbeitsplätze gingen verloren. Dem Kollaps folgten Sparmaßnahmen - im ganzen Land werden Steuern erhöht und staatliche Leistungen gekürzt. Dem Land steht zudem eine schwierige Auseinandersetzung über steuerliche Fragen bevor, es muss sich auf Einschnitte und Kürzungen einstellen. Manche argumentieren, Amerikaner müssten den Gürtel enger schnallen. Das ist eine interessante Diskussion, besonders zu einer Zeit, da die Arbeitslosenquote noch immer bei acht Prozent liegt (die Ziffer sank zuletzt, weil viele Arbeitslose beschlossen haben, nicht mehr zu suchen und nicht mehr gezählt werden). Voreilige Sparmaßnahmen werden kaum dazu beitragen, der Wirtschaft einen Weg zurück zu einer höheren Beschäftigungsquote zu ebnen.
Wie sieht es aber mit der staatlichen Unterstützung für die großen Banken aus? Nimmt diese angesichts des aktuellen Finanzdrucks ab? Leider nicht. Die staatliche Unterstützung bleibt unverändert, indirekt dadurch, dass es Banken gestattet wird, systemrelevant zu sein - too big to fail -, direkt durch alle möglichen Subventionen der US-Notenbank. Die Begründung - oder besser die Ideologie -, die hinter der Unterstützung großer Banken steckt, ist, dass sie für die Erholung der Wirtschaft notwendig seien. Aber diese Argumentation ist recht zweifelhaft, wenn die Banken auf Bergen von Bargeld sitzen, während kreditwürdige Verbraucher und Unternehmen bei der Kreditaufnahme zurückhaltend sind.
Teil 2: Situation in Europa noch schlimmer
Dieselbe Situation zeigt sich zurzeit auch in Europa. Dort ist die Lage noch schlimmer: Banken erhalten dort noch größere Rettungspakete, während Länder, die sich Geld geliehen haben, ihre Sozialleistungen kürzen und sich auf soziale Spannungen und politische Instabilität einstellen müssen. Länder wie Griechenland, Italien und wohl auch Portugal haben eine zu hohe Verschuldung, und ihren Bürgern stehen nun harte Konsequenzen bevor. Aber die Bankmanager müssen gar keine Konsequenzen befürchten, obwohl sie die hohe Verschuldung mitzuverantworten haben.
Natürlich stehen einige große europäische Finanzinstitute vor Schwierigkeiten, und wer weiß, vielleicht werden einige ihrer Manager gefeuert. Aber glaubt irgendjemand, dass diejenigen, die die europäischen Banken in den Ruin getrieben haben, ihre Jobs mit weniger verlassen werden als riesigen Vermögen? Bei den Spitzenkräften der Geldinstitute kann von wirklicher Enthaltsamkeit nicht die Rede sein - nicht heute und wohl auch nicht in naher Zukunft. Die bankenkritische Protestbewegung Occupy Albany hat vor Kurzem eine vielsagende Stellungnahme veröffentlicht, in der es heißt: "Die Interessen derjenigen, die sich Einfluss erkaufen, werden auf Kosten der Bürger gewahrt, von denen die Regierung ihre Macht erhält. Wir glauben, dass dieser Fehler in unserem System vielen Problemen zugrunde liegt, denen unsere Gesellschaft ausgesetzt ist, und dass seine Korrektur der Schlüssel zu einer gerechten Zukunft ist. Wir fordern daher wahre Demokratie, entkoppelt von dem zersetzenden Einfluss der konzentrierten Wirtschaftsmacht, und wir rufen alle, die dieses Ziel mit uns teilen, auf, uns zu unterstützen und mit uns dafür zu arbeiten." Große Banken repräsentieren die höchste Stufe der konzentrierten Wirtschaftsmacht in den heutigen Volkswirtschaften. Sie können allen durchgreifenden Reformen widerstehen, die ihre Vergütungspläne tatsächlich ändern könnten. Ihre Manager wollen alle Vorteile, keinen wirklichen Nachteil.
Aber Kapitalismus ohne die Möglichkeit des Scheiterns ist keine wahre Marktwirtschaft. Wir unterhalten eine groß angelegte, nicht transparente und gefährliche staatliche Subvention, die hauptsächlich einigen wenigen, extrem wohlhabenden Menschen zugutekommt. John Huntsman, Anwärter auf das Amt (Taiwan OTC: 8271.TWO - Nachrichten) des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, geht dieses Thema direkt an, indem er darauf besteht, dass die Politik die größten Banken dazu zwingen sollte, sich aufzulösen oder sicherer zu werden. Kein anderer Kandidat der Präsidentschaftswahlen geht dieses Thema offensiv an. Der Tenor der anderen ist: "Wir lassen sie in Konkurs gehen" ist keine Antwort, wenn der Konkurs von so großen Banken so viel Schaden anrichten würde. Wir sollten von Wamu und der Occupy-Bewegung gleichermaßen lernen. In beiden Fällen ist die Lektion dieselbe: Konzentrierte Finanzmacht ist ein Geschenk, das sich noch immer auszahlt - nur nicht für uns.
de.finance.yahoo.com/nachrichten/...ken-schonen-091806547.html