DüsseldorfDas österreichische Wirtschaftsblatt plädiert für einen „geordneten Default“ Griechenlands und ein „Herausschälen“ des Landes aus der Eurozone. Dies würde den Griechen erlauben, ihre Währung abzuwerten und sich so leichter aus der Krise zu manövrieren. Das Problem sei jedoch, dass über eine solche Option bisher nicht nachgedacht worden sei. Vielmehr sei die Staatspleite immer wieder ausgeschlossen worden. Nun könne endlich darüber diskutiert werden. „Der Plan B, dem sich Europa nun ausgesetzt sieht, ist also keiner, der von den Verantwortlichen geschmiedet wurde, sondern einer, in den sie gerade hineintorkeln“, ätzt das Blatt. Die Regierungen sollten nun ihre Wirtschaftsinstitute ein Szenario durchrechnen lassen, das eine griechische Pleite beinhalte, und entsprechend handeln. „Mit aller Konsequenz“, fordert die Zeitung.
Die Süddeutsche Zeitung hält dagegen und prophezeit im Falle eines Rauswurfes Griechenlands aus der Eurozone eine Katastrophe für Athen, Deutschland und den Rest Europas. Der Wirtschaftsminister Philip Rösler habe auf seiner „rührend anmutenden Suche nach Profil“ die Staatspleite Griechenlands ins Spiel gebracht. „Was das ist, weiß der Neu-Ökonom nicht so genau“, spottet das Blatt. Der Vorschlag sei kein Tabubruch, wofür sich Rösler gern lobe, sondern Eskalation. Die Aktien der in Griechenland engagierten französischen und deutschen Banken seien am Montag bereits abgestürzt. Die Wiedereinführung der Drachme würde das Land keineswegs sanieren. Griechenland sei kein Exportland, das seine Waren dann billiger im Ausland anbieten könne. Stattdessen könnte Athen seine in Euro gemachten Schulden nie zurückzahlen, weil sich die Verbindlichkeiten durch die Abwertung vervielfachen würden. Am Ende könnte sogar die gesamte Währungsunion kippen, was für Deutschland ein „Minusgeschäft“ wäre.
Auch die kanadische Financial Post glaubt nicht an den Nutzen des Rauswurfes. „Wer glaubt, die Wiedereinführung der Drachme würde die goldene Ära der griechischen Wirtschaft wiederbeleben, hat zu lange in der mediterranen Sonne verbracht“, echauffiert sich die Zeitung. Die Einführung der Drachme wäre ein „fiskalischer Alptraum“ für deutsche und französische Banken, die auf großen Teilen der Athener Staatsschulden säßen. „Banken wollen Euros zurück und keine Drachmen“, kommentiert das Blatt. Eine eigene griechische Währung habe sich in der Geschichte oftmals als ein Desaster herausgestellt. „Es wäre Selbstmord, die Griechen mit der Last ihrer Schulden alleine zu lassen“, findet die Zeitung. Die Kosten einer möglichen Staatspleite müssten sich daher auf Steuerzahler und Banken verteilen.
Der Kolumnist der New York Times und Ökonom Paul Krugman kritisiert den Drang der europäischen Politiker, die vermeintlichen Schuldenstaaten zu bestrafen. Die Deutschen seien dabei nicht die einzigen. Das Bild des unmoralischen Schuldners treffe, wenn überhaupt, nur auf Griechenland zu. Spanien etwa habe bis 2008 einen Budgetüberschuss eingefahren. Die Europäische Zentralbank sollte nun die Anleihen der Krisenländer Italien und Spanien aufkaufen – als Ersatz für die fehlende Möglichkeit dieser Länder, ihre Währung abzuwerten. Dies habe die EZB auch getan und sei sofort von den „Moralaposteln“ unter Druck gesetzt worden. Die Vorstellung, dass diese nun weitere Rettungsaktionen blockieren würden, habe eine Panik auf den Märkten ausgelöst. „Die ganze Welt schaut nun zu, ob die EZB das richtige tut und großzügig Kredite vergibt, oder ob die Politiker Europas die Schuldner bestrafen wollen, um sich selbst zu retten“, meint die NYT.
Die französische Bank BNP Paribas habe mit Vertrauensproblemen zu kämpfen und bekomme keine Dollar-Kredite mehr, zitiert das Wall Street Journal einen anonymen Bankmitarbeiter. Die französischen Banken hätten bereits seit dem Sommer mit Gerüchten über mangelnde Bonität zu kämpfen. Die Société Générale etwa habe bereits fast ein Viertel ihres Börsenwertes verloren. Französische Banken hielten große Mengen an griechischen, spanischen und italienischen Anleihen. Eine Staatspleite eines dieser Länder könne das französische Bankensystem in den Abgrund reißen. Analysten mutmaßten bereits, dass Paris ein Verstaatlichungsprogramm für die Banken vorbereite. „Ob die schlimmsten Befürchtungen des Marktes wahr werden oder nicht: Das französische Bankensystem unterhält zu enge Beziehungen mit dem Staat“, kritisiert das Blatt. Die mangelnde Transparenz führe dazu, dass dem System kein Vertrauen geschenkt werde.
Auch die britische Financial Times attestiert den französischen Banken, allen voran der Société Générale, eine handfeste Vertrauenskrise. Der Börsenwert liege 70 Prozent unter dem Buchwert, was auf noch größere Sorgen hindeute, als in den schlimmsten Tagen der Nach-Lehman-Ära. Auch wenn die Systemrisiken geringer seien als 2008, könnte die Nervosität der Investoren zu selbsterfüllenden Prophezeiungen führen. Die Frage sei nicht, ob die französischen Banken eine Rekapitalisierung brauchen werden, sondern wann.
Wischiwaschi-Reform für britische Banken Die Börsen-Zeitung kommentiert die Empfehlungen der britischen Kommission zur Stabilisierung des Finanzsystems. „Es hätte schlimmer kommen können für die Banken auf der Insel“, findet das Blatt. Den Banken die Trennung des Kredit- und Einlagengeschäftes vom risikoreichen Investmentbanking erst 2019 abzuverlangen, komme der britischen Regierung entgegen. Diese habe wegen anhaltender Konjunktursorgen kein Interesse an Maßnahmen, die die Kreditvergabe schwächen könnten. Der mächtigen Bankenlobby wiederum werde noch eine Menge Zeit bleiben, um die Gesetzgebung zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Ein Wischiwaschi-Kompromiss seien die Vorschläge dennoch nicht, behaupte die Reformkommission. „Angesichts kaum vorhersehbarer Krisenentwicklungen eine gewagte Aussage“, kommentiert die Zeitung.
Fundstück: Russe gründet eigenes Reich Auf einem Atoll der Cook Inseln habe der russische Unternehmen Anton Bakow das russische Zarenreich auferstehen lassen, berichtet das Portal newsru.com. Die Insel sei 168 Hektar groß und sei nach dem russischen General Suworow benannt worden. Der ehemalige Abgeordnete Bakow habe die Insel als Belohnung für millionenschwere Investitionen erhalten. Das Atoll im Stillen Ozean sei seinerzeit vom russischen Seefahrer Michail Lasarew entdeckt worden. Ein Teil Russlands seien die Inseln jedoch nie gewesen. Unternehmer Bakow möchte dies nun ändern und hoffe darauf, dass die Cook Inseln seine Hoheit über das Land akzeptieren.