Die Unterschiede zwischen Obama / Soros auf der einen Seite und Frau Merkel auf der anderen Seite lassen sich – stark verkürzt – auch anhand der folgenden Formel verdeutlichen:
Die Verschuldungsquote eines Staates = V / BIP. Sie betrug 2009 73%.
Im Folgenden sei angenommen V =73 Einheiten und BIP = 100 Einheiten.
Während Frau Merkel ihren Fokus ausschließlich auf das V gerichtet hat, betrachten Soros / Obama die Formel insgesamt, insbesondere auch die Auswirkungen einer Rücknahme von V auf das BIP.
Frau LX liebt Schuhe. Sie kauft sich jeden Tag 1 Paar Schuhe zu 100 €. Das sind 2.000 € im Monat und 24.000 € im Jahr. Dem Schuhgeschäft geht es dadurch gut. Man kann eine zusätzliche Hilfskraft einstellen und auch mehr in Werbung und Ladendekoration investieren. Das mögen nochmals 15.000 p. a. zusätzliche Ausgaben sein. Einschließlich der indirekten Effekte ergibt sich damit ein Multiplikator von 1,6.
Umgekehrt verhält es sich, wenn sich der Mann von Fr. LX wegen des „Schuhticks“ nun von ihr scheiden lässt und wegen der deutlich niedrigen Unterhaltszahlungen Fr. LX nunmehr bei den Schuhen sparen muss (Vorrat reicht für den Rest des Lebens).
Verfährt der Staat nunmehr entsprechend und spart 10 und führt aus den Ersparnissen einen Teil seiner Schulden zurück, dann beträgt die Verschuldungsquote neu: (73-10) / (100- 16) = 63 / 84 = 75%. Die Verschuldungsquote liegt somit sogar leicht höher.
Noch drastischer fallen aber die Effekte aus, wenn man – bezogen auf das obige Beispiel annimmt – dass das Schuhgeschäfts die Aushilfskraft nunmehr entlassen muss, arbeitslos wird und nunmehr Transfergelder vom Staat erhält. Es sei angenommen, dass der Staat von den eingesparten 10 Einheiten -> 3,5 Einheiten für zusätzliche Transferzahlungen aufwenden muss. Er kann damit die Schulden nur noch um - 6,5 Einheiten zurückfahren. Die Verschuldungsquote liegt nunmehr deutlich über den ursprünglichen 73%: (73-6,5) / (100-16) = 79%. !!!!
Will heißen, das Sparen von Fr. Merkel hat nur dann keine Auswirkungen auf das BIP , wenn dem Sparen des Staates entsprechende Mehrausgaben der Bürger gegenüber stehen. Der Bürger darf sich also vom staatlichen Vorbild nicht irreführen lassen, sondern muss sein Ausgabenverhalten gerade in die entgegengesetzte Richtung steuern, weniger sparen und mehr konsumieren.
Eine gute Politik würde diesen Zusammenhang dem Volke zumindest vermitteln.