ROUNDUP: Große Nachfrage nach griechischen Anleihen
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die mit Spannung erwarteten ersten griechischen
Staatsanleihen nach Bekanntgabe des Euro-Rettungspaketes haben mehr frisches
Geld in die Kassen des verschuldeten Mittelmeerlandes gespült als erwartet.
Statt des geplanten Volumens von 1,2 Milliarden Euro für die Titel mit
Laufzeiten von sechs und zwölf Monaten, sammelte das Land insgesamt 1,56
Milliarden Euro ein. Damit galt die erste Ausgabe seit der Bekanntgabe des
Milliarden- Rettungspakets der Euroländer am Markt als Erfolg. Bei relativ
niedrigen Zinsen sei ein hohes Volumen ausgegeben worden, sagten Händler.
Allerdings sei die Ausgabe der Anleihen wegen der kurzen Laufzeiten kein
Trendmesser für die künftigen Konditionen langjähriger Staatsanleihen.
'AUKTION RECHT GUT VERLAUFEN'
Wie die staatliche Schuldenagentur PDMA am Dienstag in Athen mitteilte, lag
die Durchschnittsrendite bei den Sechs-Monats-Titeln mit einem Volumen von 780
Millionen Euro bei 4,55 Prozent. Die Zwölf- Monats-Papiere mit einem Volumen von
780 Millionen Euro wurden zu einer Rendite von 4,85 Prozent zugeteilt.
"Die heutige Auktion ist recht gut verlaufen", kommentierte
Unicredit-Experte Luca Cazzulani. Die Rendite unter fünf Prozent sei ein
ermutigendes Zeichen. "Das Volumen ist höher als erwartet ausgefallen und die
Rendite relativ niedrig", sagte Christoph Rieger, Anleihe-Experte bei der
Commerzbank der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Allerdings dürfte die
Nachfrage vor allem aus dem Inland gekommen sein.
TEST FÜR MARKTZUGANG
Die Platzierungen waren von Analysten im Vorfeld als ein Test für den
Marktzugang des Landes gesehen worden. Die Risikoaufschläge für griechische
Staatsanleihen gingen nach der Auktion etwas zurück. Am Mittag lag die Rendite
von zehnjährigen griechischen Staatsanleihen mit 6,60 Prozent aber weiterhin in
etwa auf dem Niveau des Vortages. Der Risikoaufschlag zu deutschen
Bundesanleihen lag bei 3,54 Prozentpunkten. In der vergangenen Woche hatte er
mit über 4,50 Punkten zeitweise noch den höchsten Stand seit Einführung des Euro
erreicht.
Ein Ziel des Milliarden-Kreditpaketes der Eurogruppe für Griechenland sei es
gewesen, dem Land zu helfen, seine Staatsverschuldung zu niedrigeren Zinsen als
in den vergangenen Monaten zu finanzieren, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn
im Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" (Dienstag). Das Land habe die
nötigen Entscheidungen getroffen, um 2010 das Defizit um vier Prozentpunkte auf
unter neun Prozent zu reduzieren, betonte er. "Die Sache ist nicht überstanden,
aber für dieses Jahr hat Griechenland getan, was zu tun war." Bis Mai müsse
Griechenland nun seine Pläne für 2011 und 2012 sowie für langfristige Reformen
vorlegen.
HILFSPAKET KONKRETISIERT
Die Euro-Länder hatten am Sonntag beschlossen, Griechenland notfalls mit bis
zu 30 Milliarden Euro Krediten unter die Arme zu greifen. Zusätzlich sind
Finanzspritzen des Internationalen Währungsfonds (IWF) geplant, deren genaue
Höhe noch nicht feststeht. Der Zins für mögliche Kredite soll bei rund fünf
Prozent liegen. Die griechische Regierung hatte wiederholt betont, dass ihre
erste Präferenz eine Finanzierung am Markt sei, wenn dieser keine spekulativen
Zinsen verlange./jha/js/DP/jha