bei den Kleinanlegern, egal wie euphorisch die Trommler und Stimmungskanonen bei Marketwatch oder n.TV die Rallye anzutreiben versuchen. Einen Kursabsturz um 56 % wie im Herbst 2008, den größten der US-Börsengeschichte, vergisst man nicht so schnell - zumal es schon der zweite Mega-Absturz in einem Jahrzehnt war. Und schon gar nicht, wenn ringsumher Nachbarn, Freunde und Bekannte per Zwangsversteigerung ihre Häuser verlieren. Main Street geht es - auch wegen der rekordhohen Arbeitslosen-Quote von faktisch 17 % - sehr schlecht, egal wie Wall Street feiert. Für eine nachhaltige, von echten Käufern getriebenen Aktienrallye muss auch das unmittelbar erfahrbare wirtschaftliche Umfeld passen.
Die Schmerzen derjenigen, die nach dem Dot.com-Crash den Erholungssprüchen der Fonds geglaubt hatten und relativ spät in 2006/2007 Aktien gekauft hatten, wirken bis heute nach. Viele Kleinanleger, die das Tief "durchgesessen" haben, sind mit ihren Depots immer noch 40 bis 50 % im Minus. Kaum einer hatte im Herbst 2008 ein Stop-Loss (geht bei Mutual Funds auch gar nicht). Deshalb konnte am Tief auch keiner von denen kaufen. Getraut hätten sich die meisten ohnehin nicht.
Superbulle Jim Cramer hat einen neuen Bestseller geschrieben mit dem aufschlussreichen Titel: "Getting back to even". D.h. während er früher Supergewinne verhieß, will er seine Klientel in seinen Büchern nun zeigen, wie man "sein Geld zurückbekommt". Es könnte gut sein, dass eine ganze Generation von Kleinaktionären dem Aktienmarkt zeitlebens den Rücken kehrt. Ähnliches sah man nach der Großen Depression. Es trifft zwar zu, dass Kleinanleger vergesslich sind, aber wenn sie Monat für Monat ihre Fonds-Auszüge lesen und das Minus nicht weichen will, werden sie ständig auf's Neue daran erinnert, dass sie in Wall Streets Ponzi-Scheme die Arschkarte gezogen haben.
Wenn heute Apple auf 220 Dollar hochschießt, Amazon auf 130 oder Green Mountain Coffee Roasters (der Hype schlechthin) auf 95, dann sind da Hedgefonds-Geier dran, die praktisch einer gegen den anderen spielen. Alle wollen nur das eine: Performance. Fundamentals interessieren nicht. Viele HF-Manager sind Ex-Pokerspieler, die gelernt haben, mit einem Buben-Paar zu "bluffen".
Der grundlegende Unterschied zu 1999/2000 ist, dass damals Heerscharen von Kleinanlegern am Markt aktiv waren, gegenseitig mit ihren Gewinnen prahlten und Aktien wie Yahoo auf 500 Dollar hievten. Das wirtschaftliche Umfeld passte damals auch, USA ging es vergleichsweise gut in der Zeit.
Heute gehen Zockerbanken und HFs - mMn irrtümlich - davon aus, dass es reicht, den DOW auf 12.000 hochzuzocken, Kursziele von 14.000 bis Jahresende hinauszuposaunen - und schon räumen die gier-vernarrten Kleinanleger ihre Geldmarkt-Konten, wo 3 Billionen in Cash zinsfrei vor sich hindümpeln, um Wall Street die hochgezockte Scheiße abzukaufen.
So etwas funktioniert EINMAL (2004 ff. konnten die Fonds noch erklären, dass die Dot.com-Blase ein tragischer Unfall und ein "EInmal-pro-Jahrhundert-Event" war). So was funktioniert aber nicht alle drei Jahre. Wer einmal einem Halsabschneider einen "echten Perser" an der Haustür abgekauft hat, um dann später festzustellen, dass er einen Plastikvorleger erstanden hat, der ist vorgewarnt. Er macht nicht drei Jahre später diesen Fehler noch einmal. Genauso wie die Landesbanken jetzt - selbst wenn sie Geld hätten - nicht noch einmal für zig-Milliarden US-Verbriefungsschrott aufkaufen würden.
Gebranntes Kind scheut das Feuer.
Vielleicht müssen die Zockerbanken den DOW tatsächlich noch mit ihren Futurespielchen auf 12.000 treiben, um im Live-Experiment festzustellen, dass dann IMMER noch keine Kleinanleger kaufen. Die Crux dabei: Je höher sie die Aktien treiben, desto höher wird auch ihr eigenes Risiko. Wenn man mit massivem Hebel long ist, kann man bei SP-500-Ständen um 750 sehr viel ruhiger schlafen als bei 1150, da fundamental nur 900 gerechtfertigt wären (mMn). Generell gilt: Je höher der Kurs, desto höher dar Risiko.
Irgendwann werden die Zockerbanken feststellen, dass ihre Distributions-Strategie ein unerfüllbarer Traum aus alten Zeiten ist, der heute nicht mehr funzt, weil sich die früheren "Schnäppchenkäufer an der Tür" zu viele finanzielle Brandwunden zugezogen haben. Statt Traum sprechen die jetzt eher von Alptraum. Und sie zeigen sich wechselseitig ihre Narben, statt mit Gewinnen zu prahlen wie damals.
Kommt dann noch durch schwache Makrodaten (z. B. BIP unter Erwartung, AL-Quote sinkt nicht, Lagerbestände werden nicht abverkauft, Export stagniert usw.) Verkaufsdruck auf, heißt es für die Zockerbanken: Maschine gegen Maschine (HFT), Auge um Auge, Zahn um Zahn. Mancher Hedgefonds-Knalli wird sämtliche Zähne verlieren. Auch unter den Zockern gibt es clevere (Goldman) und weniger clevere. Wenn Kleinanleger als Opfer ausfallen, weil sie nicht mehr "mitspielen", müssen sich die Hyänen ersatzweise selber wechselseitig zerfleischen.
Das läuft dann so: Sobald sich bei einem Player eine Schieflage auftut (zu große Hebelposi läuft ins Minus) und die anderen davon Wind bekommen, gehen sie auf das, was der notleidende HF verkaufen will, short - wohlwissend, dass dies weiter auf die Preise drückt und den verzockten HF gänzlich fertig macht. Auf diese Tour wurde der HF Amaranth, der zu viele Gas-Futures hatte, 2006 in die Pleite getrieben.
Da zurzeit die meisten HFs in allen Assetklassen long sind, werden die Kurse bei der kommenden Zerfleischungs-Arie quer Beet fallen.
Hedgefonds-Zockeraktie GMCR - von 10 auf 100 in drei Jahren
(Mein Tipp: zurück von 100 auf 10 in einem Jahr? Mit Shorts würde ich dennoch nicht darauf wetten, weil HF "unberechenbar beschränkt" sind. Das ist sogar ihr schärfste Waffe ;-) )
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