EUR: Wer gestern gehofft hatte, im Protokoll der letzten EZB-Ratssitzung Hinweise auf die mögliche Entscheidung im Dezember zu finden, wurde enttäuscht. Vor allem in Bezug auf eine mögliche weitere Zinssenkung gab das Protokoll nichts her. Wenn überhaupt könnte man vielleicht etwas leicht Positives für den Euro aus dem Protokoll herauslesen. Dieses dokumentierte nämlich, dass die Notenbanker viel Zeit mit der Diskussion um die zu niedrige Kernrate der Verbraucherpreise verbrachten. Inzwischen aber ist die Kernrate von 0,9% auf 1,1% gestiegen. Wer will kann also argumentieren, dass die Maßnahmen im Dezember etwas moderater ausfallen könnten. Das ist aber ehrlich gesagt nah an Kaffeesatzleserei, zumal noch eine Runde von CPI-Daten ansteht, bevor die Währungshüter am 3. Dezember über weitere Maßnahmen entscheiden.
USD: Wer redet derzeit schon noch darüber, ob die Fed im Dezember die Zinsen anheben wird oder nicht? Die Kunden und Journalisten, die mit uns reden, thematisieren vielmehr, was danach kommt, also wie schnell die Fed die Zinsen anheben wird. Zugegeben, eine schwierige Frage, über die sich wahrscheinlich noch nicht einmal das FOMC klar bzw. einig ist. Wer allerdings auf die Entwicklung am Devisenmarkt seit der Veröffentlichung des Fed-Protokolls der Oktobersitzung schaut, erkennt, dass der Markt nun zunehmend mit einem sehr vorsichtigen Vorgehen der Fed rechnet. Denn der USD muss Verluste hinnehmen, und das auch gegenüber sämtlichen Rohstoff- und Emerging-Market-Währungen. Nun werden diese Verluste nicht von Dauer sein, denn letztlich wird die Fed-Politik im globalen Vergleich restriktiv erscheinen. Dennoch stellt sich natürlich die Frage, wie denn ein vorsichtiges Vorgehen der Fed (um eine zu starke Aufwertung des USD zu verhindern) aussehen könnte. Aus meiner Sicht, ist das zunächst die Frage, was die Fed im März (erster Sitzungstermin mit einer Pressekonferenz) tun wird. Natürlich könnte sie von einer weiteren Zinserhöhung absehen, um dem Markt ein klares Zeichen zu geben. Derzeit preist der Markt eine erneute Zinserhöhung im März zu rund einem Drittel ein. Eine sofortige Zinspause hätte allerdings auch Nachteile. Zum einen würde sie die Gefahr bergen, erhebliche Unsicherheit zu kreieren. Denn schnell könnte die Frage aufkommen, ob das FOMC seinen Schritt nicht schon bereut. Und gern unterstellen viele Markteilnehmer dann gleich, die Fed könnte etwas wissen, was der Markt noch nicht weiß (was definitiv nicht der Fall ist). Zum anderen würde ein Pause aber auch bedeuten, dass die Fed mit einer Normalisierung der Geldpolitik nur quälend langsam vorankommt. Die Tatsache, dass sie mit dem Zinserhöhungszyklus überhaupt begonnen hat, belegt aber, dass sie eine Normalisierung als notwendig ansieht. Warum also im März nicht erneut die Zinsen anheben und den Markt mit einem sehr taubenhaften Statement dann auf eine Pause im weiteren Jahresverlauf vorbereiten? Es könnte 2016 also durchaus mehr Zinserhöhungen geben, als die zwei, die der Markt bisher einpreist. Die Fed braucht dafür aber ein gelungene Kommunikation.