die Wirtschaft eine ganz andere. Wer aber wie der vom Saulus zum Paulus gewandelte Chefantiantizykliker, und damit Trendfolger, jetzt wegen ein paar Daxpunkten die Hausse in der Wirtschaft ausruft, der hat was auf den Augen resp. an der Waffel. Die Börse kann liquiditätsgetrieben - und das sehe ich nicht mal als so unrealistisch an, im Gegenteil, mich würd's sogar freuen - ruhig bis 5.900 oder 7.200 im Dax laufen, das ändert aber noch lange nix dran, dass die Wirtschaft im Westen bis auf weiteres toter als tot ist.
So etwas kann man - auch im kleinstgeistigen Fall - weder am Daxchart noch am eigenen Gehaltszettel ausmachen, das bemisst sich an anderen Faktoren, die da wären ...
1. JOBFAKTOR:
Der Konsument hierzulande ist bisher von der Finanzkrise dank Kurzarbeit verschont geblieben. Die Firmenpleiten samt Entlassungen hielten sich dank der weltweiten Konjunkturprogramminflation auch in Grenzen. So what? Tja, alles hat ein Ende, nur die Wurst deren zwei. Sprich nach der Überdosis erfolgt die Ernüchterung oder der Herzstillstand, und genau das passiert in den nächsten 12 Monaten. Die Heerscharen der Enlassenen in den USA fallen zunächst einmal als Konsumtreiber aus und wirken zusätzlich auf die Löhne genauso dämpfend wie die ohnehin schon gesunkene Nachfrage. Ohne Lohnsteigerung (unseren Chefantizykliker selbstredend ausgenommen, der verdient ja nebenbei noch genug an der Börse) auch keine Konsumsteigerung zumal...
2. DIE KREDITKLEMME
die Banken zumindest in den USA sehr viel stringenter in der Kreditvergabe sein werden. Die geniale Refinanzierungorgie der letzten Jahre lässt sich mit sinkenden Hauspreisen und sinkenden Einkommen auch nicht wiederholen. Diese Spirale dreht sich nun eher nach unten. Was dem Privatier sein Häuslekredit, das dem Staat seine Überschuldung durch sinnlose Subventionen. Wie solllen die Regierungen den Griff ins gemeine Sparschwein jemals wieder ausgleichen können? Die Abgabenfalle wird irgendwann zuschnappen und den armen Tropf von Einfaltsbürger doppelt und dreifach treffen.
3. DIE ÜBERKAPAZITÄTEN
Die im Boom geschaffenen Überkapazitäten in fast allen Sektoren treffen nun allenthalben auf eine sinkende Nachfrage. Was Überkapazitäten bedeuten, muss wohl niemandem erklärt werden. In der Realwirtschaft, und das bekommt jeder, der nah am Markt agiert (Chefantizykliker natürlich ausgenommen), mit, herrscht bereits der Preiskampf. Das heißt die freien Kapazitäten werden bereits preislich verschleudert. Nach dem Motto: lieber 5 Mio. Verlust in 2010 als deren 50. In den nächsten Jahren wird es in den meisten Branchen nur darum gehen zu überleben und danch wieder Luft zu holen.
4. DIE ALTERSPYRAMIDE
Als wäre das oben nicht genug, muss auch unsere hedonistische und egoistische Gesellschaft an der einzig verbliebenen noch Ecke zündeln. Wenn die arg gebeutelten und ab 2010 vermehrt arbeitslosen Konsumenten bereits am Boden liegen, werden Jahre danach auch deren ungezeugte Sprösslinge das Eisen nicht mehr aus dem Feuer holen können.
So könnte man fast endlos fortfahren. Klar, bisher hat hierzulande fast keiner was gemerkt. Die Krise ist - Staat und Kurzarbeit sei Dank - an uns vorbeigeschossen. Aber es ist wegen der o.g. Faktoren ziemlich einfältig zu glauben, dass es das war. Was ich sehe, ist, dass die Aufträge auch auf Jahressicht einfach nicht steigen wollen, und dass die minimalen Steigerungen der letzten Monate hauptsächlich auf Nachholbedarfen der überdimensionierten Bremsreaktion des letzten Herbstes bzw. auf zu optimistischen Hoffnungen beruhen. Im Gegenteil, die Langfristplanungen (> 5 Jahre) einiger Autombilhersteller werden derzeit um bis zu 60% nach unten korrigiert. Und das sind Kehrtwenden, die die normalerweise nur unter schwerster Folterung vornehmen würden. Wenn ich dann noch aus dem NFZ-Sektor höre, dass die Auftragssteigerungen der letzten beiden Monate inkl. Forecast bis Jahresende auf einer Prebuy Annahme beruht und noch kein eniziges dieser Fahrzeuge verkauft wurde, dann heißt das für mich alles andere als Hausse 2010. Klar gibt's noch andere Wirtschaftzweige, aber der Automobilsektor ist schon das Nonplusultra hierzulande. Ohne den geht hier kurz mal das Licht aus.
Aber natürlich kann jeder, der will, noch an das Märchen glauben, dass alles wieder gut wird. Der Dax und sein weiß der Geier moving average müssen nur wieder steigen, und das tun sie ja auch, also kann ja nix mehr schief gehen. Sagt zumindest einer, der sukzessive Handelssysteme verbrennt, trotzdem verdient und jeden Tag was anderes predigt. Vielleicht ist ja das die Zukunft: Prediger, ja, das hat was ... obwohl, wenn's nen langlaufenden Call auf Diktatoren gäbe, würd ich fast ne Kleinigkeit riskieren, quasi als Hedge , falls die ganzen Prediger versagen sollten.