"Der Anleger fährt dem Betrüger noch mit dem Tretroller hinterher"
Von Björn Fritsch, Frankfurt
21. Okt. 2001 „Mister Haffa liegt wahrscheinlich jetzt auf meiner mitfinanzierten Yacht in der Sonne und ich informiere mich, wie ich gegen derartige Betrüger vorgehen kann“, sagte ein enttäuschter Kleinanleger aus Eschborn. Bei den ersten Frankfurter Anlegerschutztagen drehte sich in Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops alles um den Privatanleger.
Wie schwer es der Anleger hat, seine Ansprüche gegen Betrüger auf dem Kapitalmarkt vor den Gerichten zu beweisen, machte Daniela Berg, Landesgeschäftsführerin vom Deutschen Schutzbund für Wertpapierbesitz deutlich. Die vielen abgewiesenen Klagen gegen Infomatec und EM.TV führt sie als Musterbeispiele an. Die Rechtsanwältin kritisierte, dass Schadensersatzansprüche nur gegen die Aktiengesellschaft selbst und nicht gegen verantwortliche Organe, wie Vorstand und Aufsichtsrat, gerichtet werden können.
Auch Banken haben Fehler gemacht
Um im Vorhinein Unternehmenspleiten entgegenzuwirken, verwies Lothar Mark, Vorstandsvorsitzender der Gontard & Metallbank, die bereits über 40 Emissionen an die Börse gebracht hat, auf den „Emissionsknigge“. Obwohl er eingestand, seine Bank habe die Euphorie mit nach oben begleitet und die Märkte falsch eingeschätzt, hält er an diesem "Tüv für Börsentauglichkeit" fest. Der „Knigge“ enthält unter anderem einen Charaktercheck des Managements, Lock-Up-Fristen-Regelungen und Corporate-Governance-Voraussetzungen. "Wir werden unseren Emissionsknigge weiter ausbauen und verschärfen. Quartalszahlen sollen noch intensiver geprüft werden", sagte Mark im Streitgespräch mit Frank Lehmann vom ARD Börsenstudio.
„Ich kann es nur befürworten, dass Banken in Zukunft viel unternehmen werden, um Pleiten am Neuen Markt vorzubeugen“, sagte eine Kleinanlegerin aus Mannheim. „Der Kongress lässt hoffen und ist ein Zeichen gegen Betrüger und Scharlatane am Markt“, meinte ein geprellter Anleger aus Frankfurt. Jedoch dürfe sich der Anleger nicht aus der Verantwortung ziehen, sagte er und gab Rainer Riess von der Deutschen Börse Recht. Riess plädierte an alle Anleger: „Wir brauchen mehr Aktienkultur in Deutschland. Der Anleger muss alle Informationen nutzen, die er zur Verfügung hat.“
"Der Anleger ist nicht dumm"
Der erfahrene Staatskommissar bei den Börsen in Frankfurt, Klaus-Dieter Benner, beschäftigte sich unter dem Titel "Der Anleger ist nicht dumm" mit gängigen Vorurteilen gegen Kleinanleger. Oft würden Privatanleger von Juristen und der Justiz als „geldgierig“ und als „Schwarzgeldbesitzer“ bezeichnet. Um Wirtschaftsverfahren zu beschleunigen, sortierten Staatsanwälte und Richter oft die kleineren Klagen aus, beklagte Benner.
Noch lassen die Klagen betrogener Anleger durch Gesetzeslücken und Unkenntnis der Gerichte über Kapitalmarktverhältnisse nicht auf große Erfolge hoffen, resümierte der Schutzverband der Kleinaktionäre. Doch er will sich weiter dafür einsetzen, dass der "Tretroller des Anlegers in der Verfolgungsjagd mit Betrügern auf den Kapitalmärkten noch schneller hinterher fährt". Die Bemühungen des Deutschen Anlegerschutzbundes, Gesetzesänderungen voranzutreiben, sollen auch dazu beitragen, eine Aktienkultur in Deutschland zu erreichen. Vielleicht kann der Präsident des Deutschen Anlegerschutzbundes, Klaus Nieding, schon im nächsten Jahr auf den zweiten Frankfurter Anlegerschutztagen neue Erfolge vermelden.
Von Björn Fritsch, Frankfurt
21. Okt. 2001 „Mister Haffa liegt wahrscheinlich jetzt auf meiner mitfinanzierten Yacht in der Sonne und ich informiere mich, wie ich gegen derartige Betrüger vorgehen kann“, sagte ein enttäuschter Kleinanleger aus Eschborn. Bei den ersten Frankfurter Anlegerschutztagen drehte sich in Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops alles um den Privatanleger.
Wie schwer es der Anleger hat, seine Ansprüche gegen Betrüger auf dem Kapitalmarkt vor den Gerichten zu beweisen, machte Daniela Berg, Landesgeschäftsführerin vom Deutschen Schutzbund für Wertpapierbesitz deutlich. Die vielen abgewiesenen Klagen gegen Infomatec und EM.TV führt sie als Musterbeispiele an. Die Rechtsanwältin kritisierte, dass Schadensersatzansprüche nur gegen die Aktiengesellschaft selbst und nicht gegen verantwortliche Organe, wie Vorstand und Aufsichtsrat, gerichtet werden können.
Auch Banken haben Fehler gemacht
Um im Vorhinein Unternehmenspleiten entgegenzuwirken, verwies Lothar Mark, Vorstandsvorsitzender der Gontard & Metallbank, die bereits über 40 Emissionen an die Börse gebracht hat, auf den „Emissionsknigge“. Obwohl er eingestand, seine Bank habe die Euphorie mit nach oben begleitet und die Märkte falsch eingeschätzt, hält er an diesem "Tüv für Börsentauglichkeit" fest. Der „Knigge“ enthält unter anderem einen Charaktercheck des Managements, Lock-Up-Fristen-Regelungen und Corporate-Governance-Voraussetzungen. "Wir werden unseren Emissionsknigge weiter ausbauen und verschärfen. Quartalszahlen sollen noch intensiver geprüft werden", sagte Mark im Streitgespräch mit Frank Lehmann vom ARD Börsenstudio.
„Ich kann es nur befürworten, dass Banken in Zukunft viel unternehmen werden, um Pleiten am Neuen Markt vorzubeugen“, sagte eine Kleinanlegerin aus Mannheim. „Der Kongress lässt hoffen und ist ein Zeichen gegen Betrüger und Scharlatane am Markt“, meinte ein geprellter Anleger aus Frankfurt. Jedoch dürfe sich der Anleger nicht aus der Verantwortung ziehen, sagte er und gab Rainer Riess von der Deutschen Börse Recht. Riess plädierte an alle Anleger: „Wir brauchen mehr Aktienkultur in Deutschland. Der Anleger muss alle Informationen nutzen, die er zur Verfügung hat.“
"Der Anleger ist nicht dumm"
Der erfahrene Staatskommissar bei den Börsen in Frankfurt, Klaus-Dieter Benner, beschäftigte sich unter dem Titel "Der Anleger ist nicht dumm" mit gängigen Vorurteilen gegen Kleinanleger. Oft würden Privatanleger von Juristen und der Justiz als „geldgierig“ und als „Schwarzgeldbesitzer“ bezeichnet. Um Wirtschaftsverfahren zu beschleunigen, sortierten Staatsanwälte und Richter oft die kleineren Klagen aus, beklagte Benner.
Noch lassen die Klagen betrogener Anleger durch Gesetzeslücken und Unkenntnis der Gerichte über Kapitalmarktverhältnisse nicht auf große Erfolge hoffen, resümierte der Schutzverband der Kleinaktionäre. Doch er will sich weiter dafür einsetzen, dass der "Tretroller des Anlegers in der Verfolgungsjagd mit Betrügern auf den Kapitalmärkten noch schneller hinterher fährt". Die Bemühungen des Deutschen Anlegerschutzbundes, Gesetzesänderungen voranzutreiben, sollen auch dazu beitragen, eine Aktienkultur in Deutschland zu erreichen. Vielleicht kann der Präsident des Deutschen Anlegerschutzbundes, Klaus Nieding, schon im nächsten Jahr auf den zweiten Frankfurter Anlegerschutztagen neue Erfolge vermelden.