Die Vivacon AG kauft und vermarktet Immobilien, die Kommunen und Institutionen nicht mehr haben wollen. Das Geschäft hat Zukunft, glaubt Vorstand Marc Leffin - und will mit seiner Firma in den S-Dax
WELT am SONNTAG: Herr Leffin, wo steht der Vivacon-Kurs derzeit?
Marc Leffin: Bei etwa 4,75 Euro.
WamS: Wo soll er hin?
Leffin:Binnen der kommenden zwölf Monate sollte die Aktie auf acht Euro, längerfristig auf zwölf Euro steigen.
WamS: Woher nehmen Sie die Kursphantasie?
Leffin: Wir sind ein Immobilienprivatisierer, der sich in einem stark expandierenden Markt bewegt. In den kommenden zehn Jahren werden in Deutschland drei bis vier Millionen Wohnungen privatisiert mit einem Volumen von circa 250 Milliarden Euro. Das ist unser Geschäft, daran werden wir stark partizipieren.
WamS: Der Immobilien-Markt ist doch in der Krise. Alle Banken-Studien sehen Wohneigentum als quasi unverkäuflich an ...
Leffin:Das stimmt für das mittelpreisige Einfamilienhaus. Wir sind aber in einem Segment tätig, wo die obere Preisgrenze bei rund 80 000 Euro für eine 65 Quadratmeter-Wohnung liegt. Das heißt, unsere Käufer sind die untere bis mittlere Einkommensschicht. Und da herrscht nach wie vor große Nachfrage nach geeigneten Objekten.
WamS: Träumt der Deutsche nicht vom eigenen kleinen Haus im Grünen?
Leffin: Träumen und realisieren sind aber zwei paar Schuhe. Beim Eigenheimbesitz liegt Deutschland im EU-Vergleich auf dem letzten Platz. Wir sind in dieser Frage wie ein Entwicklungsland. Wenn jetzt die Industrie, Genossenschaften oder Kommunen im großen Stil Wohnanlagen veräußern, können auch endlich die zum Zuge kommen, die bislang von den eigenen vier Wänden nur träumen konnten.
WamS: Busfahrer und Krankenschwestern ...
Leffin: Verkäuferinnen und Arbeiter.
WamS: Erklären Sie ihr Geschäftsmodell?
Leffin: Wir kaufen die Immobilie, sagen wir mit 200 Wohneinheiten zu einem fairen Preis. Der liegt in etwa bei einem zehnfachen der Mieterträge. Dann entwickeln wir gemeinsam mit unseren Architekten und Baugesellschaften notwendige Sanierungsmaßnahmen. In dieser Zeit trägt sich das Projekt aus den Miteinnahmen. Dann wird eine Musterwohnung umgebaut und wir starten die Verkaufsgespräche.
WamS: Wer kauft?
Leffin: Zu 70 Prozent Kapitalanleger, die froh sind, eine langfristig vermietete Wohnung erwerben zu können. Weitere 20 Prozent kaufen die Mieter selbst. Der Rest sind Menschen, die die Wohnung dann später selbst nutzen wollen.
WamS: Sie werden auch der Aldi-Immobilienverkäufer genannt. Warum?
Leffin: Weil wir günstige Wohnungen anbieten. Seit sechs Jahren machen wir dieses Geschäft jetzt, haben mittlerweile rund 2500 Wohnungen veräußert. Allein in diesem Jahr wird es eine deutliche Steigerung geben. Wir werden 500 Wohnungen bis Jahresende verkauft haben. Im Schnitt zu einem Quadratmeterpreis von rund 1200 Euro.
WamS: Wie das?
Leffin: Wir lösen das Grundstück von der Immobilie. Das hat vier Vorteile. Erstens werden die Wohnungen dadurch preiswerter. Zweitens zahlt der Käufer deshalb eben nicht einen Preis für ein quasi virtuelles Grundstück, das er nie betreten kann. Drittens stellen wir diese Grundstücke in das Anlagevermögen unseres Unternehmens. Da liegen bereits Grundstücke im Wert von 20 Millionen Euro. Das dient immer wieder auch als Sicherheit für die Banken, zur Finanzierung neuer Objekte.
WamS: Und viertens?
Leffin:Viertens verlangen wir von den Käufern einen Erbbauzins von rund einem Euro pro Quadratmeter. Das tut nicht weh, sichert uns aber stetige Einnahmen von 99 Jahren. Das sind garantierte Einnahmen, sicherer als Staatsanleihen, da sie im Grundbuch erstrangig stehen. Ein Geschäftsmodell, wie es die Kirchen seit hunderten von Jahren praktizieren.
WamS:Demnächst steigen sie in ein fremdes Terrain, das hochpreisige Wohnungssegment ein und wollen Designer-Wohnungen veräußern. Wie passt das zu Ihrer Aldi-Philosophie?
Leffin:Im Top-Segment verhält es sich genauso wie am unteren Ende der Skala. Es herrscht enorme Nachfrage. Deshalb haben wir ein Joint Venture mit dem Stardesigner Philippe Starck geschlossen, einige wenige absolut exquisite Wohnanlagen gemeinsam zu entwickeln.
WamS: Wann soll es losgehen?
Leffin:Wir verhandeln derzeit in München, Berlin, Köln und Hamburg über geeignete Anlagen. Sobald diese Gespräche abgeschlossen sind, geht es los.
WamS: Wie sehen die Analysten Ihr Unternehmen?
Leffin: Positiv. Jüngste Studien, wie etwa der HSBC sehen die Aktie als unterbewertet.
WamS: Wann wollen Sie in den S-Dax?
Leffin: Kommendes Jahr. Wie erfüllen alle Kriterien. Einzig beim Free-Float müssen wir noch zulegen?
Das Gespräch führte Ulrich Porwollik
WELT am SONNTAG: Herr Leffin, wo steht der Vivacon-Kurs derzeit?
Marc Leffin: Bei etwa 4,75 Euro.
WamS: Wo soll er hin?
Leffin:Binnen der kommenden zwölf Monate sollte die Aktie auf acht Euro, längerfristig auf zwölf Euro steigen.
WamS: Woher nehmen Sie die Kursphantasie?
Leffin: Wir sind ein Immobilienprivatisierer, der sich in einem stark expandierenden Markt bewegt. In den kommenden zehn Jahren werden in Deutschland drei bis vier Millionen Wohnungen privatisiert mit einem Volumen von circa 250 Milliarden Euro. Das ist unser Geschäft, daran werden wir stark partizipieren.
WamS: Der Immobilien-Markt ist doch in der Krise. Alle Banken-Studien sehen Wohneigentum als quasi unverkäuflich an ...
Leffin:Das stimmt für das mittelpreisige Einfamilienhaus. Wir sind aber in einem Segment tätig, wo die obere Preisgrenze bei rund 80 000 Euro für eine 65 Quadratmeter-Wohnung liegt. Das heißt, unsere Käufer sind die untere bis mittlere Einkommensschicht. Und da herrscht nach wie vor große Nachfrage nach geeigneten Objekten.
WamS: Träumt der Deutsche nicht vom eigenen kleinen Haus im Grünen?
Leffin: Träumen und realisieren sind aber zwei paar Schuhe. Beim Eigenheimbesitz liegt Deutschland im EU-Vergleich auf dem letzten Platz. Wir sind in dieser Frage wie ein Entwicklungsland. Wenn jetzt die Industrie, Genossenschaften oder Kommunen im großen Stil Wohnanlagen veräußern, können auch endlich die zum Zuge kommen, die bislang von den eigenen vier Wänden nur träumen konnten.
WamS: Busfahrer und Krankenschwestern ...
Leffin: Verkäuferinnen und Arbeiter.
WamS: Erklären Sie ihr Geschäftsmodell?
Leffin: Wir kaufen die Immobilie, sagen wir mit 200 Wohneinheiten zu einem fairen Preis. Der liegt in etwa bei einem zehnfachen der Mieterträge. Dann entwickeln wir gemeinsam mit unseren Architekten und Baugesellschaften notwendige Sanierungsmaßnahmen. In dieser Zeit trägt sich das Projekt aus den Miteinnahmen. Dann wird eine Musterwohnung umgebaut und wir starten die Verkaufsgespräche.
WamS: Wer kauft?
Leffin: Zu 70 Prozent Kapitalanleger, die froh sind, eine langfristig vermietete Wohnung erwerben zu können. Weitere 20 Prozent kaufen die Mieter selbst. Der Rest sind Menschen, die die Wohnung dann später selbst nutzen wollen.
WamS: Sie werden auch der Aldi-Immobilienverkäufer genannt. Warum?
Leffin: Weil wir günstige Wohnungen anbieten. Seit sechs Jahren machen wir dieses Geschäft jetzt, haben mittlerweile rund 2500 Wohnungen veräußert. Allein in diesem Jahr wird es eine deutliche Steigerung geben. Wir werden 500 Wohnungen bis Jahresende verkauft haben. Im Schnitt zu einem Quadratmeterpreis von rund 1200 Euro.
WamS: Wie das?
Leffin: Wir lösen das Grundstück von der Immobilie. Das hat vier Vorteile. Erstens werden die Wohnungen dadurch preiswerter. Zweitens zahlt der Käufer deshalb eben nicht einen Preis für ein quasi virtuelles Grundstück, das er nie betreten kann. Drittens stellen wir diese Grundstücke in das Anlagevermögen unseres Unternehmens. Da liegen bereits Grundstücke im Wert von 20 Millionen Euro. Das dient immer wieder auch als Sicherheit für die Banken, zur Finanzierung neuer Objekte.
WamS: Und viertens?
Leffin:Viertens verlangen wir von den Käufern einen Erbbauzins von rund einem Euro pro Quadratmeter. Das tut nicht weh, sichert uns aber stetige Einnahmen von 99 Jahren. Das sind garantierte Einnahmen, sicherer als Staatsanleihen, da sie im Grundbuch erstrangig stehen. Ein Geschäftsmodell, wie es die Kirchen seit hunderten von Jahren praktizieren.
WamS:Demnächst steigen sie in ein fremdes Terrain, das hochpreisige Wohnungssegment ein und wollen Designer-Wohnungen veräußern. Wie passt das zu Ihrer Aldi-Philosophie?
Leffin:Im Top-Segment verhält es sich genauso wie am unteren Ende der Skala. Es herrscht enorme Nachfrage. Deshalb haben wir ein Joint Venture mit dem Stardesigner Philippe Starck geschlossen, einige wenige absolut exquisite Wohnanlagen gemeinsam zu entwickeln.
WamS: Wann soll es losgehen?
Leffin:Wir verhandeln derzeit in München, Berlin, Köln und Hamburg über geeignete Anlagen. Sobald diese Gespräche abgeschlossen sind, geht es los.
WamS: Wie sehen die Analysten Ihr Unternehmen?
Leffin: Positiv. Jüngste Studien, wie etwa der HSBC sehen die Aktie als unterbewertet.
WamS: Wann wollen Sie in den S-Dax?
Leffin: Kommendes Jahr. Wie erfüllen alle Kriterien. Einzig beim Free-Float müssen wir noch zulegen?
Das Gespräch führte Ulrich Porwollik