Mineralbrunnen Überkingen-Teinach ist für mich kein spektakulärer Wachstumswert, sondern ein defensiver, markengetriebener Nebenwert mit solider operativer Qualität, guter Bilanz und einem strukturellen Börsenabschlag. Für die Vorzugsaktie MUT3 ist dieser Abschlag Teil der Story: Am 10. April 2026 lag die letzte aufgerufene Quotrix-Notiz bei 16,40 Euro, bei Geld/Brief von 16,10 zu 17,10 Euro und nur 228 Stück Tagesvolumen. Das ist sehr illiquide. Bei so einem Wert sind Spread, Handelbarkeit und Geduld fast genauso wichtig wie Umsatz und Gewinn. Meine Einschätzung stützt sich auf die letzten offiziellen, auffindbaren Unternehmensunterlagen, vor allem den Geschäftsbericht 2024 und den Halbjahresbericht 2025. (onvista)
Das Unternehmen selbst ist historisch deutlich interessanter, als die Börsenumsätze vermuten lassen. Die Gesellschaft wurde 1923 gegründet und ist heute ein börsennotiertes Markenunternehmen mit Sitz in Bad Teinach-Zavelstein. Sie bündelt starke Regionalmarken wie Teinacher, Krumbach und Hirschquelle sowie nationale Marken wie afri, Bluna, Vaihinger, Klindworth und Cocktail Plant. Ein zentraler strategischer Schritt war Ende 2007 der Erwerb der Tucano Holding, mit dem unter anderem Niehoffs Vaihinger und Klindworth in die Gruppe kamen; später wurde das Geschäft konsequent auf das eigentliche Getränke-Kerngeschäft fokussiert und 2012 der Hotel- und Kurbetrieb verkauft. Das Bild ist also klar: vom klassischen Brunnenunternehmen hin zu einem fokussierten Markenhaus für alkoholfreie Getränke und angrenzende Kategorien. (Mineralbrunnen Überkingen-Teinach)
Fundamental sah 2024 stark aus. Der Konzern steigerte den Bruttoumsatz auf 186,2 Mio. Euro nach 174,3 Mio. Euro im Vorjahr. Das EBITDA stieg auf 21,1 Mio. Euro, das EBIT auf 9,7 Mio. Euro und der Konzernjahresüberschuss auf 12,1 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich auf 52,9 Prozent, zugleich wurden die Finanzverbindlichkeiten laut Bericht weiter reduziert; die Namensschuldverschreibung war vollständig getilgt. Das ist für einen kleinen Getränkehersteller ein ordentliches Profil: robuste Marken, steigende Ergebnisse, hohe Eigenkapitalquote und keine Bilanz, die unter Druck wirkt. Man muss aber sauber bleiben: Das Management sagt selbst, dass der hohe Konzernjahresüberschuss 2024 in erhöhtem Maße durch Sondereffekte begünstigt war. Genau deshalb war die Sonderdividende möglich, genau deshalb darf man 2024 nicht einfach linear fortschreiben.
Auch die Zwischenzahlen 2025 sprechen operativ eher für Stärke als für Schwäche. Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Bruttoumsatz auf 95,3 Mio. Euro, die Umsatzerlöse nach Verbrauchsteuern auf 80,1 Mio. Euro. Das EBITDA legte auf 8,8 Mio. Euro zu, das EBIT auf 3,2 Mio. Euro. Der Konzernjahresüberschuss des Halbjahres fiel zwar auf 2,3 Mio. Euro nach 3,4 Mio. Euro, aber der Hauptgrund lag laut Bericht in einer deutlich höheren Steuerbelastung und darin, dass das Vorjahr von Einmaleffekten wie Rückstellungsauflösungen, Schadensersatzleistungen und latenten Steuern begünstigt war. Operativ ist das Halbjahr also besser, die Ergebniszeile wirkt nur auf den ersten Blick schwächer. Parallel investierte die Gruppe 8,2 Mio. Euro in Abfülltechnik, neue Kisten und Flaschen; die Eigenkapitalquote blieb trotz saisonaler Working-Capital-Belastung bei 52,9 Prozent stabil. Die Geschäftsführung bestätigte auf Halbjahresbasis und später nochmals auf der Hauptversammlung die Prognose für 2025: leichter Umsatzanstieg und EBITDA leicht über Vorjahr. (Mineralbrunnen Überkingen-Teinach)
Für die Aktie selbst ist die Kapitalmarktstruktur entscheidend. Die Vorzugsaktien sind stimmrechtslos. Die Gesellschaft ist zudem als GmbH & Co. KGaA organisiert, die Führung liegt bei der persönlich haftenden Gesellschafterin aus dem Karlsberg-Umfeld. Ende 2024 lag der Streubesitz bei den Vorzugsaktien zwar bei 59,60 Prozent, bei den Stammaktien aber nur bei 8,31 Prozent; Karlsberg-nahe Adressen und der DEHOGA Baden-Württemberg Förderverein haben auf der Stammseite erheblichen Einfluss. Für einen Anleger in der VZ bedeutet das: ökonomische Teilhabe ja, echter Einfluss nein. Genau deshalb wird die Aktie aus meiner Sicht dauerhaft keinen Premium-Multiple bekommen, selbst wenn das operative Geschäft ordentlich läuft.
Bewertung: Auf Basis des offiziellen EPS der Vorzugsaktie von 1,55 Euro für 2024 und eines Kurses von 16,40 Euro ergibt sich ein rückblickendes KGV von rund 10,6. Die reguläre Dividende von 0,78 Euro entspräche auf diesem Kurs etwa 4,8 Prozent Rendite; zusammen mit der einmaligen Sonderdividende von 0,40 Euro wären es rund 7,2 Prozent. Aber diese 7,2 Prozent sind kein sauberer Dauerwert, weil die Sonderdividende ausdrücklich mit dem von Sondereffekten begünstigten Jahresüberschuss 2024 begründet wurde. Mein klares Urteil dazu: billig im absoluten Sinn wirkt die Aktie nur dann, wenn man das Ausnahmejahr 2024 unkritisch fortschreibt. Sauber gerechnet ist sie eher fair bis moderat günstig bewertet. Für einen defensiven, kleinen Markenwert mit guter Bilanz ist das in Ordnung. Für einen illiquiden Freiverkehrstitel ohne Stimmrechte ist es kein Geschenk. (Mineralbrunnen Überkingen-Teinach)
Mein Kursziel für die Vorzugsaktie auf 12 Monate liegt bei 17,50 Euro. Das ist kein aggressives Ziel, sondern ein nüchternes. Ich sehe aktuell einfach keine Grundlage für Fantasiebewertungen. Im negativen Szenario, etwa bei einem schwächeren Sommergeschäft, erneutem Rohstoff- und Logistikkostendruck oder einer Enttäuschung bei den 2025er Zahlen, halte ich 12 bis 13 Euro für realistisch. Im positiven Szenario, falls das Markengeschäft weiter wächst, die Investitionen in die Abfülltechnik greifen und das EBITDA 2025/26 sauber weiter steigt, sehe ich 20 bis 21 Euro als obere vernünftige Zone. Darüber würde ich erst gehen, wenn die Gesellschaft über mehrere Jahre hinweg steigende Gewinne ohne Sondereffekte und mit besserer Kapitalmarktliquidität liefert. Solange der Titel so eng gehandelt wird, bleiben Bewertungsaufschläge begrenzt. (onvista)
Für die nächsten 5 bis 15 Jahre sind die Aussichten aus meiner Sicht ordentlich, aber nicht spektakulär. Das Unternehmen hat eine vernünftige strategische Logik: Ausbau der Kernmarken Teinacher, Krumbach und Vaihinger, stärkere Distribution im Lebensmitteleinzelhandel, neue Sorten und Gebinde, Effizienzgewinne durch Investitionen und Digitalisierung, dazu eine Bilanz, die auch schwierigere Jahre aushalten kann. Das sind gute Voraussetzungen für langsames, profitables Wachstum. Die Gegenseite ist ebenso klar: Wetterabhängigkeit, Rohstoff-, Energie- und Logistikkosten, Verhandlungsmacht des Handels, regulatorische Risiken, verändertes Konsumverhalten, Lieferkettenprobleme, Personalthemen und die ERP-Modernisierung. Deshalb ist Mineralbrunnen Überkingen-Teinach für mich kein Titel für explosive Kursfantasie, sondern eher ein zäher Compounder mit Dividendencharakter. Unterm Strich halte ich das Unternehmen für besser als seine Wahrnehmung am Markt, die Aktie aber nur für attraktiv, wenn man den Abschlag für Illiquidität, KGaA-Struktur und fehlende Stimmrechte bewusst akzeptiert. Als Unternehmen: gut. Als Aktie: solide bis leicht unterbewertet, aber kein Selbstläufer.
Autor: ChatGPT