Die Landshuter Kunstmühle C.A. Meyer’s Nachfolger AG ist ein kleiner deutscher Spezialwert.
Das Unternehmen selbst ist solide, alt und operativ nachvollziehbar: Die Meyermühle geht bis 1489 zurück, wurde 1898 zur AG und verarbeitet seit 2019 ausschließlich Bio-Getreide. Laut eigener Darstellung verarbeitet sie rund 32.000 Tonnen Bio-Getreide und beschäftigt etwa 45 Mitarbeiter. (biomehl.bio)
Fundamental ist die Bilanz stark, aber die Aktie teuer. 2025 lag die Bilanzsumme bei 11,07 Mio. EUR, das Eigenkapital bei rund 8,48 Mio. EUR, die Bankverbindlichkeiten bei nur 1,12 Mio. EUR und die liquiden Mittel bei 1,73 Mio. EUR. Der Jahresüberschuss 2025 betrug 291.412 EUR nach 451.000 EUR im Vorjahr. Bei 72.000 Aktien sind das nur etwa 4,05 EUR Gewinn je Aktie. Bei einem Kurs von etwa 340 EUR ergibt sich ein KGV von rund 84. Das ist für eine kleine Mühle ohne klare Skalierungsfantasie sehr hoch.
Die Dividende ist auch kein starkes Kaufargument: Für 2025 wurden 4,00 EUR je Aktie vorgeschlagen, also rund 1,2 % Rendite bei 340 EUR. Das Grundkapital beträgt 1,44 Mio. EUR, eingeteilt in 72.000 Stammaktien. (biomehl.bio) Der Streubesitz liegt laut Onvista nur bei 24,75 %, die Marktkapitalisierung bei 24,48 Mio. EUR. (onvista) Das erklärt die extreme Illiquidität. An der Börse München wurden zuletzt 340 EUR angezeigt, teils mit 0 Stück Umsatz. (onvista)
Es gibt meines Wissens keine belastbaren Analysten-Kursziele. Meine eigene Bewertung: Operativ fair wäre die Aktie eher im Bereich 180 bis 260 EUR. Bei 340 EUR ist viel Qualität, Knappheit und Liebhaberaufschlag eingepreist. Ein optimistisches Kursziel läge bei 400 EUR, aber nur bei Gewinnnormalisierung Richtung 0,5 bis 0,7 Mio. EUR und weiterem Bio-Wachstum. Ein defensives Kursziel liegt bei 220 EUR. Unter 250 EUR würde sie fundamental interessanter, oberhalb 320 EUR ist sie für mich eher Halten als Kaufen.
Für die nächsten 5 bis 15 Jahre sehe ich das Unternehmen als wahrscheinlich überlebensfähig, solide und nischenstark. Die Bio-Positionierung, die lange Historie, die geringe Verschuldung und der Mehrheitsaktionär im Umfeld Hofpfisterei sprechen für Stabilität. Aber das ist kein Wachstumswert und kein klassischer Dividendenwert. Das Hauptrisiko liegt weniger in Insolvenz, sondern in Bewertung, Handelbarkeit, Rohstoff-/Energiekosten, Margendruck und fehlender Börsenliquidität.
Mein Urteil: gutes Unternehmen, aber auf aktuellem Kurs kein zwingender Kauf. Für Buy-and-Hold nur geeignet, wenn man die Illiquidität akzeptiert und nicht auf schnelle Verkäuflichkeit angewiesen ist. Als Aktie ist sie eher ein Sammler- und Substanznebenwert als ein sauber kalkulierbarer Depotbaustein.
Nur meine Meinung; keine Empfehlung für irgendwen oder irgendwas.