DE0005767909 - Fernheizwerk Neukölln


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MrTrillion3:

DE0005767909 - Fernheizwerk Neukölln

 
06.07.26 22:54

Da es noch keinen Thread für diesen Microcap gibt, widme ich ihm jetzt mal einen: 

Fernheizwerk Neukölln ist ein kleiner, marktenger Berliner Fernwärmeversorger in und für Neukölln/Kreuzberg; 85 % der Wärmeabnahme entfallen auf Wohnungswirtschaft, 9 % auf öffentliche Einrichtungen und 6 % auf Gewerbe. Das Netz umfasst rund 125 km und 1.547 Übergabestationen. Hauptaktionär ist die BEW Berliner Energie und Wärme GmbH mit 80,8 %, mittelbar also das Land Berlin. (FHW)

Operativ ist FHW solide, aber nicht spektakulär. 2025 lagen die Umsatzerlöse bei 69,24 Mio. EUR nach 64,38 Mio. EUR; davon kamen 52,65 Mio. EUR aus Wärmeverkauf und 16,07 Mio. EUR aus Stromeinspeisung. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,58 EUR, der Kurs Ende 2025 bei 20,80 EUR, das KGV bei 13,2. Zum 06.07.2026 zeigt Börse Stuttgart einen Geldkurs von 18,50 EUR, Briefkurs 20,40 EUR, Marktkapitalisierung 42,55 Mio. EUR, KGV 13,2, Dividendenrendite 2,88 % und nur 2,30 Mio. Aktien. Der Spread von über 10 % ist ein klares Warnsignal: Diese Aktie ist illiquide und für schnelle Umschichtungen ungeeignet. (FHW)

Die Bilanz ist ordentlich. Das Eigenkapital inklusive Baukostenzuschüsse lag 2025 bei 73,8 Mio. EUR, das Bilanzvolumen bei 112,5 Mio. EUR; das entspricht rund 66 %. Das Anlagevermögen ist zu 90 % durch Eigenkapital inklusive Baukostenzuschüsse gedeckt. Die Zahlungsfähigkeit war laut Geschäftsbericht jederzeit gegeben. Das ist für einen kleinen Versorger beruhigend. Gleichzeitig sinkt der Finanzmittelfonds deutlich, weil investiert wird. (FHW)

Der große Punkt ist die Wärmewende. FHW muss seine Erzeugung dekarbonisieren. Berlin verlangt 40 % erneuerbare Fernwärme bis 2030 und CO2-Neutralität bis 2050. FHW hat den Kohleausstieg bereits mit der Heizperiode 2022/2023 geschafft und lag 2025 bei 45 % KWK-Anteil und 34 % regenerativ erzeugter Wärme. Geplant sind weitere Investitionen, unter anderem in Power-to-Heat, Großwärmepumpen, Netzstabilisierung und Digitalisierung. (FHW)

Für 2026 erwartet das Unternehmen zwar rund 8 % Umsatzwachstum, aber ein niedrigeres Vorsteuerergebnis von etwa 3,7 Mio. EUR und sinkende Renditekennzahlen. Die prognostizierte Umsatzrendite fällt auf 5,8 %, die Eigenkapitalrendite auf 6,7 %. Das ist kein Wachstumswert mit Margenexpansion, sondern ein regulierter, investitionsintensiver Infrastrukturwert. (FHW)

Die Dividende ist aktuell unsauber: Vorstand und Aufsichtsrat schlugen für 2025 eine Dividende von 0,60 EUR je Aktie vor, aber gegen den HV-Beschluss wurde Widerspruch zu Protokoll erklärt. Deshalb stellte FHW die Auszahlung zunächst zurück, bis geklärt ist, ob Klage erhoben wird oder ob trotz Klage ausgezahlt werden kann. Das ist kein existenzielles Problem, aber für Dividendenanleger ein klarer Makel. (FHW)

Analystenkursziele gibt es belastbar nicht. Börse Stuttgart weist ausdrücklich keine Analystenbewertungen und keinen Durchschnittszielpreis aus. Alles, was jetzt als Kursziel genannt wird, ist daher eigene Bewertung, keine Analystenmeinung. (boerse-stuttgart.de)

Meine Bewertung: Bei 18,50 bis 20,40 EUR ist die Aktie fundamental nicht teuer. Bezogen auf 1,58 EUR Gewinn je Aktie liegt das KGV grob bei 12 bis 13. Das KBV liegt laut Börse Stuttgart bei etwa 0,77. Für einen stabilen lokalen Infrastrukturwert klingt das günstig. Aber der Abschlag ist nicht grundlos: geringe Liquidität, Großaktionär mit 80,8 %, geringe Kapitalmarktorientierung, Transformationskosten, politische Regulierung und unsichere Dividendenkontinuität.

Mein fairer Wert liegt grob bei 20 bis 24 EUR. Unter 18 EUR wäre die Aktie für sehr geduldige Anleger interessant. Zwischen 18 und 20 EUR ist sie haltbar bis moderat kaufbar, aber nur mit Limit und kleiner Positionsgröße. Über 24 EUR würde ich sie nicht mehr attraktiv finden. Ein optimistisches Szenario über 5 bis 15 Jahre läge bei 28 bis 35 EUR, falls die Wärmewende gelingt, das Netz wächst und stabile Dividenden zurückkehren. Ein pessimistisches Szenario liegt bei 14 bis 16 EUR, wenn Investitionen, Regulierung und Dividendenstreit die Rendite weiter drücken.

Fazit:
Fernheizwerk Neukölln ist ein defensiver Spezialwert für geduldige Anleger, die illiquide Nebenwerte aushalten und keine schnelle Kursentwicklung erwarten. Als Beimischung kann die Aktie interessant sein; ich selbst werde hier nicht einsteigen, da sie für einen Buy-and-Hold-Ertragsanleger nur zweite Reihe ist: solide Substanz, lokales Monopol, aber schwache Handelbarkeit und keine verlässliche Dividendenstory.

Nur meine Meinung; keine Empfehlung für irgendwen oder irgendwas. 

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