Auszug aus dem Spiegel,Seite 69
BaFin prüft Kursrallye nach "Focus"-Tipp
Die Aktie der De Beira Goldfields Ltd. sorgt bei vielen deutschen Anlegern für Panik. An der Frankfurter Börse legte der Wert der Minengesellschaft mit Hauptsitz in Nevada innerhalb von nur vier Wochen mehrere hundert Prozent zu - und stürzte dann vor knapp drei Wochen in die Tiefe. Vor wenigen Tagen setzte gar eine kanadische Börsenaufsicht den Handel mit De-Beira-Aktien aus. Vorstandsvorsitzender Klaus Eckhof und sein Partner hatten die dort vorgeschriebenen geologischen Reports nicht eingereicht. Nun kümmert sich auch die deutsche Aufsichtsbehörde um die Zockeraffäre. Der Fall "blieb nicht unbemerkt", bestätigt eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), derzeit laufe eine erste Analyse. De Beiras Aufstieg funktionierte nach einem perfekten Drehbuch, glauben Insider. Bereits im Februar erzählte Eckhof dem damaligen "Focus"-Redakteur Christian Euler von seinem De-Beira-Projekt. In Vorbereitung einer beruflichen Auszeit kümmerte sich der Journalist schon zu diesem Zeitpunkt um den Aufbau seines Internet-Börsenbriefs "Blueskylevel" mit Firmensitz in Birmingham. Noch in den Diensten des Münchner Magazins platzierte Euler am 15. Mai im redaktionellen Teil eine erste Empfehlung für De-Beira-Aktien, die er kurz darauf bei einem Kurs von rund zwei Euro pro Aktie auch ins private Depot buchte. Am 22. Mai legte er den Titel erstmals den Abonnenten seiner Anlegerpostille "Blueskylevel" ans Herz. Am Montag, dem 3. Juni, erschien in "Focus" ein mehrseitiger Artikel zum "glänzenden Comeback" von Gold - inklusive erneutem Lob für Eckhof und De Beira. Was "Focus"-Leser nicht erfuhren: Mitautor Euler fungierte gleichzeitig als Aktionär und Börsenbriefschreiber. "Blueskylevel" und weitere Börsenbriefe wie "Bullvestor" und "Rohstoffraketen" bombardierten die Anleger mit Jubelmeldungen und Kaufempfehlungen. Der Preis stieg am 16. Juni auf über 14 Euro - um Stunden später auf 6 Euro abzustürzen. Noch einen Tag zuvor hatte Euler die Stimmung angeheizt: "Grenzen nach oben sind hierbei kaum gesetzt", bekamen seine Abonnenten zu lesen. Jetzt gibt es Gerüchte über Kursmanipulationen. Und Euler hat seinen Job bei "Focus" verloren. Mit Chefredakteur Uli Baur habe man sich "auf einen Aufhebungsvertrag geeinigt". Baur will zu "Mitarbeitern und Interna keine Stellung nehmen". Geologe Eckhof hat nach eigenen Angaben keine Aktien verkauft und glaubt, dass "der Kurs wieder steigen wird".