Dax hat Luft bis 4000 Punkte


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Dax hat Luft bis 4000 Punkte

 
04.11.03 00:17

"Dax hat Luft bis 4000 Punkte

Insbesondere die zuletzt besser ausgefallenen Daten zum US-Bruttoinlandsprodukt sowie der Ifo-Index dürften auch die letzten Konjunkturpessimisten eines Besseren belehrt haben, vermutet der Anlagestratege. "Wir erwarten weiterhin ein überdurchschnittliches Wachstum für die US-Wirtschaft. Und das wollen die Märkte sehen", sagt Schallenberger.

Die Wall Street hat die These des Experten am Montag prompt bestätigt. Der Einkaufsmanager-Index für das verarbeitende Gewerbe ist im Oktober auf 57,0 Punkte und damit stärker als erwartet gestiegen. Zugleich hat sich der Beschäftigungsabbau in den USA verlangsamt und damit Befürchtungen vom "Wachstum ohne Jobs" gedämpft.

Insofern sollten sowohl die Wall Street als auch der Dax weiter anziehen. 3800 bis 4000 Punkte seien zum Jahresende drin für den Dax, glaubt der Experte. Ähnlich optimistisch haben sich zahlreiche Banken als auch die Marktforscher von Cognitrend geäußert.

Halten die Bullen die Stellung?

Mit dieser Prognose kann auch Amato leben. Der Stratege vom Handelshaus Lang & Schwarz will sich aber nicht so ohne weiteres dem Bullenlager anschließen. "Wir befinden uns in einem zyklischen Bullenmarkt. Diese Tendenz kann durchaus bis Mitte nächsten Jahres, anhalten. Die Risiken mit Blick auf die USA aber bleiben. Für mich ist das nur eine geliehene Performance."

Zwar geht er mit Schallenberger konform, dass die US-Notenbank Fed angesichts des noch nicht gefestigten Arbeitsmarktes die Zinsen weiter niedrig halten wird und damit eine wichtige Stütze des Aufschwungs vorerst nicht wackelt. Doch konsumierten die US-Bürger nach wie vor auf Pump und es sei nicht abzusehen, ob die US-Regierung ihre Bürger mit weiteren milliardenschweren Steuergeschenken beglücken könne. Schließlich sei der Staat bereits jetzt bis zum Anschlag verschuldet und könne sich im Grunde neue Gaben dieser Art nicht leisten.

Wer jetzt einsteigt, muss auf der Hut sein

"Ich denke, die Börsen laufen derzeit schneller als dies die Konjunkturentwicklung rechtfertigt", sagt Amato. Deshalb sollten die Anleger auf der Hut sein. Wer jetzt noch in den Markt einsteige, dürfe sich nicht der Idee hingeben, dass mit "Kaufen und Halten" eine Rendite von sieben bis neun Prozent zu erzielen sei. Der Anleger müsse vielmehr kurzfristig wieder zum Ausstieg bereit sein. Für ihn sei die gegenwärtige Marktverfassung jedenfalls "kein Investmentniveau".

Die starken Monate kommen noch

Kollege Schallenberger von der LBBW verweist hingegen darauf, dass die traditionell starken Börsenmonate von November bis April noch vor den Investoren liegen. Seit 1970 habe sich der Dax rückblickend in diesen Perioden zumeist sehr gut geschlagen und monatlich ein Plus von durchschnittlich einem Prozent ausweisen können. Er erwarte jedenfalls "keinen massiven Einbruch" an den Aktienmärkten und sieht das Chance-Risiko-Verhältnis unter dem Strich zumindest bis Ende des zweiten Quartals positiv.

Jetzt mit der "Herde" nach oben laufen?

Also jetzt mit der Herde nach oben laufen? Wohl kaum. Auch wenn in der Vergangenheit prozyklisch orientierte Investoren besser abgeschnitten hätten als jene, die dagegen gewettet haben, sollte sich der Privatanleger bei dem gegenwärtigen Dax-Stand über die Risiken im Klaren sein. Genauso wie Amato sieht auch Schallenberger die Notwendigkeit, sich im Zweifelsfall schnell von Titeln oder gar einer ganzen Branche zu verabschieden.

So hätten insbesondere Technologie- und Bankenwerte im Dax überproportional zugelegt. Mittelfristig bessere Kurschancen sieht der Stratege von der LBBW daher bei Energietiteln wie Eon oder RWE , und auch die Aktie der Deutschen Telekom habe seiner Einschätzung zufolge noch Nachholpotenzial.

Schallenberger schätzt im Gegensatz zu Amato die Gefahr geopolitischer Störfeuer für die Märkte indes als gering ein. Sie interpretierten die angespannte Lage im Irak und Nahen Osten schlicht als "Non-Event". Die Börsen hätten in der Vergangenheit zudem mehrfach bewiesen, dass sie politische Turbulenzen sehr gut verkraften könnten.

Bewertung spricht für Dax-Titel

Amato teilt diese Einschätzung zwar nicht, sieht aber zumindest einen Pluspunkt für den Dax. Mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis hält er deutsche Aktien im Vergleich zu US-Titeln noch für vergleichsweise moderat bewertet. Das spreche für einen Anstieg des wichtigsten deutschen Börsenbarometers. Erstaunt zeigt er sich aber, wie schnell die Risikofreude unter US-Anlegern wieder zurückgekehrt sei. So sieht er gerade bei US-Technologiewerten die Gefahr, dass die Anleger "wieder ungebremst in eine Spekulationsblase laufen".

Privatanleger: USA und Deutschland trennen Welten

Dennoch setzen US-Bürger verstärkt auf die Aktie, verabschieden sich zusehends aus renditeschwächeren Geldmarkt- und Rentenfonds, wo sie in der Vergangenheit ihr Geld geparkt haben. Aktien machen mittlerweile 33 Prozent des Finanzvermögens der US-Hauhalte aus. Dies liegt deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 26 Prozent, hat das Handelsblatt errechnet. Die "Gier" ist zurückgekehrt, stellen Markbeobachter in den USA fest.

Von derlei Euphorie kann die hiesige Fondsbranche indes nur träumen. Um Aktienfonds machen die deutschen Privatanleger nach wie vor einen großen Bogen und scheuen das Risiko wie der besagte Teufel das Weihwasser. Im Pro-Kopf-Vergleich trennen sie ohnehin Welten von den Privatanlegern in den USA: Rund 5000 Euro hat jeder Bundesbürger im Schnitt in Investmentfonds angelegt, umgerechnet rund 22.000 Euro sind es in den USA.

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