Analysten-Durchschnitt: 5 688 Punkte
Dax bleibt ein lohnendes Investment
Der deutsche Aktienmarkt wird sich nach Einschätzung von Experten 2006 im vierten Jahr in Folge nach oben bewegen.
HB FRANKFURT. Der Anstieg fällt aber angesichts anhaltend hoher Energiepreise und einer restriktiver Geldpolitik etwas moderater aus als in diesem Jahr. Nach einem Aufwärtstrend des Dax von voraussichtlich nahezu 25 Prozent in 2005 kehrt Vorsicht bei den Experten ein. Nur wenige sehen den deutschen Leitindex am Jahresende jenseits der 6 000-Punkte-Marke. Im Durchschnitt wird der Dax bei 5 688 Zählern erwartet - das wäre nach derzeitigem Stand ein Plus von rund sieben Prozent.
Zurückhaltung scheint bei den Aktienmarktexperten der Banken üblich zu sein. Schon vor einem Jahr hatten sie sich vorsichtig geäußert und dem Dax im Mittel ein Wachstum von bis zu 4 485 Punkten zugetraut. Noch nicht einmal die Optimisten unter den Fachleuten hatten für möglich gehalten, dass der Index die 5.000er-Marke und zuletzt sogar die Hürde von 5 300 Zählern überwinden würde und sich somit wieder auf das Niveau von April 2002 hocharbeiten würde.
Die Deutsche Bank sieht den Dax bis zum Ende des kommenden Jahres bei 5 800 Punkten. Deutsche wie auch europäische Aktien allgemein sind nach Meinung von Aktienmarktstratege Klaus Martini günstig bewertet. "Die Unternehmensgewinne wachsen solide, die Globalisierungsdividende zahlt sich aus", sagt Martini. Das Wachstum der Weltwirtschaft bleibe zwar robust, jedoch schwäche sich der Anstieg ab. Als Bremse wirkten angesichts eines massiven Konsums in Asien hohe Rohstoffpreise. Aber auch eine von den bedeutenden Notenbanken erwartete restriktiverer Geldpolitik und der damit einhergehende Liquiditätsentzug könnte Wachstum kosten.
Analysten von JP Morgan argumentieren zurückhaltender und erwarten den Dax zum Jahresende sogar tiefer bei lediglich 5 000 Punkten. Nach drei Jahren positiver Überraschungen könnten die Unternehmenszahlen 2006 zum Teil erst einmal wieder enttäuschen, meint Chef-Europastratege Mislav Matejka. Die Erwartungen einer weiter starken Expansion bei den operativen Margen, die in den Konsensschätzungen enthalten sei, erscheine "zu aggressiv", betont der Stratege. Seiner Meinung nach werden sich Aktien und Anleihen im Vergleich zu Geldmarktanlagen unterdurchschnittlich entwickeln. Negativ für den Aktienmarkt könnten sich neben Unternehmenszahlen unter Erwartungen auch steigende Zinsniveaus auswirken.
Die Commerzbank sieht den deutschen Aktienmarkt zweigeteilt. "Wir sind bullisch für den Markt zu Jahresbeginn, weil die Unternehmen weiterhin von wachsenden Exporten profitieren, aber wir erwarten im zweiten Halbjahr einen Verlust der Dynamik", heißt es bei der Bank. Bis zum Ende des Jahres werde der Dax einen Stand von 5 800 Punkten erreichen. Kurstreibend dürften sich nach Ansicht der Experten zunächst Dividendensteigerungen, Aktienrückkaufprogramme und Fusionsaktivitäten auswirken. Im Laufe des Jahres verschlechterten sich jedoch die Gewinnaussichten der Unternehmen.
Ähnlich schätzen Aktienmarktexperten von Sal. Oppenheim die Lage ein. Auch sie rechnen mit Kursgewinnen bei deutschen und europäischen Aktien auf der Basis von steigenden Gewinnen der Unternehmen sowie deren kurstreibenden Aktivitäten wie etwa Dividendenerhöhungen und eine rege Fusionstätigkeit. Insgesamt sei beim Leitindex ein Erreichen von 6 000 Punkten möglich, bis zum Jahresende halten die Fachleute aber einen Stand von 5 700 bis 5 800 Punkte für realistischer. Grund dafür sind Risiken, die beispielsweise durch die bei allen bedeutenden Notenbanken erwartete restriktivere Geldpolitik hervorgerufen werden. "Die Überliquidität am Markt wird dadurch reduziert", urteilen die Experten.
WestLB und DekaBank optimistisch
Die WestLB ist optimistischer und traut dem deutschen Leitindex bis zu Ende 2006 einen Anstieg um 13 Prozent auf 6 000 Punkte zu. Trotz hoher Rohstoffpreise sei weiter stabiles Wachstum der Weltwirtschaft zu erwarten, mit Asien und Osteuropa als Hauptwachstumsregionen. In den USA schwäche sich die Expansion etwas ab. Vor allem global ausgerichtete Unternehmen dürften nach Ansicht von Aktienmarktstratege Martin Gilles profitieren. Grund für die Kursanstiege werden danach nicht nur Unternehmensgewinne, sondern auch die niedrige reale Verzinsung anderer Anlageklassen sein. Im Gegensatz zu früher sollten Anleger künftig weniger auf Dividendensteigerungen sondern auf wertschaffendes Wachstum setzen.
Experten der Dekabank trauen dem Leitindex sogar einen Anstieg auf 6 100 Punkte bis zum Jahresende 2006 zu. "Aktien aus dem Dax bleiben ein lohnendes Investment" sagt Volkswirt Holger Bahr. Die Aktien seien noch immer preiswert bewertet. Deutschland profitiere 2006 von Vorzieheffekten wie etwa durch die für 2007 geplante Mehrwertsteuererhöhung hervorgerufen und von Ereignissen wie der Fußballweltmeisterschaft. Der eigentliche Antrieb gehe aber wie auch schon zuvor von der weiter wachsenden Weltwirtschaft aus. "Es profitieren die Unternehmen, die dem Globalisierungswettbewerb mit guten Gewinnperspektiven und schlanken Strukturen standhalten können."
Die Dax-Prognosen bis Jahresende 2006 im Überblick
Bankgesellschaft Berlin: 5 650
BayernLB: 5 600
BHF Bank: 5 700
Commerzbank: 5 800
DekaBank: 6 100
Deutsche Bank: 5 800
HypoVereinsbank: 5 500
JP Morgan: 5 000
LBBW: 5 800
LRP: 6 000
MM Warburg: 5 850
NordLB: 5 350
Societe General SC: 5 800
Sal. Oppenheim: 5 700 bis 5 800
UBS: 5 300
WestLB: 6 000
Durchschnitt: 5 687,50
Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 15. Dezember 2005, 15:15 Uhr
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Der Einsame Samariter
Dax bleibt ein lohnendes Investment
Der deutsche Aktienmarkt wird sich nach Einschätzung von Experten 2006 im vierten Jahr in Folge nach oben bewegen.
HB FRANKFURT. Der Anstieg fällt aber angesichts anhaltend hoher Energiepreise und einer restriktiver Geldpolitik etwas moderater aus als in diesem Jahr. Nach einem Aufwärtstrend des Dax von voraussichtlich nahezu 25 Prozent in 2005 kehrt Vorsicht bei den Experten ein. Nur wenige sehen den deutschen Leitindex am Jahresende jenseits der 6 000-Punkte-Marke. Im Durchschnitt wird der Dax bei 5 688 Zählern erwartet - das wäre nach derzeitigem Stand ein Plus von rund sieben Prozent.
Zurückhaltung scheint bei den Aktienmarktexperten der Banken üblich zu sein. Schon vor einem Jahr hatten sie sich vorsichtig geäußert und dem Dax im Mittel ein Wachstum von bis zu 4 485 Punkten zugetraut. Noch nicht einmal die Optimisten unter den Fachleuten hatten für möglich gehalten, dass der Index die 5.000er-Marke und zuletzt sogar die Hürde von 5 300 Zählern überwinden würde und sich somit wieder auf das Niveau von April 2002 hocharbeiten würde.
Die Deutsche Bank sieht den Dax bis zum Ende des kommenden Jahres bei 5 800 Punkten. Deutsche wie auch europäische Aktien allgemein sind nach Meinung von Aktienmarktstratege Klaus Martini günstig bewertet. "Die Unternehmensgewinne wachsen solide, die Globalisierungsdividende zahlt sich aus", sagt Martini. Das Wachstum der Weltwirtschaft bleibe zwar robust, jedoch schwäche sich der Anstieg ab. Als Bremse wirkten angesichts eines massiven Konsums in Asien hohe Rohstoffpreise. Aber auch eine von den bedeutenden Notenbanken erwartete restriktiverer Geldpolitik und der damit einhergehende Liquiditätsentzug könnte Wachstum kosten.
Analysten von JP Morgan argumentieren zurückhaltender und erwarten den Dax zum Jahresende sogar tiefer bei lediglich 5 000 Punkten. Nach drei Jahren positiver Überraschungen könnten die Unternehmenszahlen 2006 zum Teil erst einmal wieder enttäuschen, meint Chef-Europastratege Mislav Matejka. Die Erwartungen einer weiter starken Expansion bei den operativen Margen, die in den Konsensschätzungen enthalten sei, erscheine "zu aggressiv", betont der Stratege. Seiner Meinung nach werden sich Aktien und Anleihen im Vergleich zu Geldmarktanlagen unterdurchschnittlich entwickeln. Negativ für den Aktienmarkt könnten sich neben Unternehmenszahlen unter Erwartungen auch steigende Zinsniveaus auswirken.
Die Commerzbank sieht den deutschen Aktienmarkt zweigeteilt. "Wir sind bullisch für den Markt zu Jahresbeginn, weil die Unternehmen weiterhin von wachsenden Exporten profitieren, aber wir erwarten im zweiten Halbjahr einen Verlust der Dynamik", heißt es bei der Bank. Bis zum Ende des Jahres werde der Dax einen Stand von 5 800 Punkten erreichen. Kurstreibend dürften sich nach Ansicht der Experten zunächst Dividendensteigerungen, Aktienrückkaufprogramme und Fusionsaktivitäten auswirken. Im Laufe des Jahres verschlechterten sich jedoch die Gewinnaussichten der Unternehmen.
Ähnlich schätzen Aktienmarktexperten von Sal. Oppenheim die Lage ein. Auch sie rechnen mit Kursgewinnen bei deutschen und europäischen Aktien auf der Basis von steigenden Gewinnen der Unternehmen sowie deren kurstreibenden Aktivitäten wie etwa Dividendenerhöhungen und eine rege Fusionstätigkeit. Insgesamt sei beim Leitindex ein Erreichen von 6 000 Punkten möglich, bis zum Jahresende halten die Fachleute aber einen Stand von 5 700 bis 5 800 Punkte für realistischer. Grund dafür sind Risiken, die beispielsweise durch die bei allen bedeutenden Notenbanken erwartete restriktivere Geldpolitik hervorgerufen werden. "Die Überliquidität am Markt wird dadurch reduziert", urteilen die Experten.
WestLB und DekaBank optimistisch
Die WestLB ist optimistischer und traut dem deutschen Leitindex bis zu Ende 2006 einen Anstieg um 13 Prozent auf 6 000 Punkte zu. Trotz hoher Rohstoffpreise sei weiter stabiles Wachstum der Weltwirtschaft zu erwarten, mit Asien und Osteuropa als Hauptwachstumsregionen. In den USA schwäche sich die Expansion etwas ab. Vor allem global ausgerichtete Unternehmen dürften nach Ansicht von Aktienmarktstratege Martin Gilles profitieren. Grund für die Kursanstiege werden danach nicht nur Unternehmensgewinne, sondern auch die niedrige reale Verzinsung anderer Anlageklassen sein. Im Gegensatz zu früher sollten Anleger künftig weniger auf Dividendensteigerungen sondern auf wertschaffendes Wachstum setzen.
Experten der Dekabank trauen dem Leitindex sogar einen Anstieg auf 6 100 Punkte bis zum Jahresende 2006 zu. "Aktien aus dem Dax bleiben ein lohnendes Investment" sagt Volkswirt Holger Bahr. Die Aktien seien noch immer preiswert bewertet. Deutschland profitiere 2006 von Vorzieheffekten wie etwa durch die für 2007 geplante Mehrwertsteuererhöhung hervorgerufen und von Ereignissen wie der Fußballweltmeisterschaft. Der eigentliche Antrieb gehe aber wie auch schon zuvor von der weiter wachsenden Weltwirtschaft aus. "Es profitieren die Unternehmen, die dem Globalisierungswettbewerb mit guten Gewinnperspektiven und schlanken Strukturen standhalten können."
Die Dax-Prognosen bis Jahresende 2006 im Überblick
Bankgesellschaft Berlin: 5 650
BayernLB: 5 600
BHF Bank: 5 700
Commerzbank: 5 800
DekaBank: 6 100
Deutsche Bank: 5 800
HypoVereinsbank: 5 500
JP Morgan: 5 000
LBBW: 5 800
LRP: 6 000
MM Warburg: 5 850
NordLB: 5 350
Societe General SC: 5 800
Sal. Oppenheim: 5 700 bis 5 800
UBS: 5 300
WestLB: 6 000
Durchschnitt: 5 687,50
Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 15. Dezember 2005, 15:15 Uhr
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