Das September-Gespenst geht um


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Das September-Gespenst geht um

 
23.08.01 15:51

Das September-Gespenst geht um


Von Peter Kleinort, Hamburg

Der September gilt traditionell als der schwächste Börsenmonat. Die konjunkturelle Krise verstärkt derzeit noch den saisonalen Abwärtstrend. Analysten glauben, dass die kommenden Wochen für die weitere Entwicklung an dem Märkten bestimmend sein könnten.

"Das September-Gespenst geistert durch den Markt", sagte Markus Hoerner, Chef-Analyst beim Düsseldorfer Wertpapierhändler Lang & Schwarz im Gespräch mit der Online-Ausgabe der Financial Times Deutschland. In der momentanen Situation kämen aber noch einige Sondereffekte hinzu, die den saisonalen Trend nach unten verstärken würden.

"Wir haben einen recht positiven Ifo-Index, ein sehr verhaltenes Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal, eine Zinssenkung der Fed, die ihre Zeit braucht, bis sie an den Märkten spürbar ist, und das bange Warten auf die EZB beginnt jetzt", sagte Hoerner. Zudem habe man fallende Kurse wie seit 15 Jahren nicht mehr. "Die Psychologie spielt also eine nicht zu unterschätzende Rolle."

Dass die Stimmung an den Märkten derzeit desolat ist, bestätigt auch Norbert Empting vom Düsseldorfer Wertpapierhändler Schnigge. "Alle Welt wartet, aber wir wissen eigentlich nicht, worauf", sagt Empting. Die entscheidenden Signale für einen konjunkturellen Aufschwung sieht Empting noch nicht.

5000 Punkte-Marke könnte fallen

Charttechnisch sei das Niveau für eine Unterstützung im Dax mittlerweile erreicht. "Wenn die Telekom und Bayer als Dax-Schwergewichte aber weiter straucheln und unter Umständen noch die Siemens-Familie dazu kommt, wird es im Dax sehr eng. Ein Absinken des deutschen Standardwerte-Index unter die 5000 Punkte hält auch Norbert Empting nicht für ausgeschlossen.

Analysten und Händler bestätigen gleichermaßen, dass es immer wieder Spekulanten am Markt gebe, die bestimmte Werte oder Indizes unter bestimmte Marken zu drücken versuchen. "Mit der T-Aktie sind wir jetzt schon nahe am Emissionspreis", sagt Norbert Empting. "Ich glaube zwar nicht, dass die Aktie noch weiter absinkt, aber möglich ist alles."

Die Spekulationen um ein Absinken des Nemax 50 unter die Grenze kämen aus der gleichen Ecke. Die Analysten sind sich einig, dass es eigentlich keine fundierten wirtschaftlichen Gründe gebe, die Indizes so weit absinken zu lassen. "Es ist einfach die Stimmung, die auf die Kurse drückt", sagt Markus Hoerner.

Tal der Tränen durchschritten

Dennoch mehren sich nach Ansicht von Hoerner die Zeichen, dass das Tal der Tränen an den Finanzmärkten durchschritten sein könnte. Der Düsseldorfer Analyst macht eine mögliche Erholung an zwei wesentlichen Faktoren fest: "Wenn die Fed-Politik der Zinssenkungen zu einer Stabilisierung führt und auch die Halbleiterindustrie sich wieder konsolidiert, dann bestehen gute Aussichten auf eine Stabilisierung der Märkte." Der Dax könnte dann das Niveau von 5400 Punkten halten.

Es gibt aber auch ein Negativ-Szenario: Sollte der Euro gegenüber dem Dollar erheblich an Wert gewinnen, die Wirtschaftkrise in Asien sich wieder verstärken und die Finanzkrise in Südamerika sich verstärken, könnte es zu einem Crash an der Wall Street und an den internationalen Märkten kommen. Die importierte Inflation in den USA könnte dann zur Folge haben, dass der Dow Jones auf etwa 7500 Punkte einbricht und die weltweit wichtigen Standardindizes mit sich reißt. Analysten halten es in einem solchen nicht für ausgeschlossen, dass auch der Dax dann auf etwa 4800 Punkte sinken könnte.

Markus Hoerner räumt diesem "worst Case" eine Wahrscheinlichkeit von etwa 30 Prozent ein. Für sehr viel wahrscheinlicher hält er, dass es zu einer Stabilisierung an den Märkten kommen wird. "Schon jetzt trennt sich an den Märkten die Spreu vom Weizen", sagt Hoerner. Er rät Investoren, sich auch weiterhin an den Märkten zu engagieren. "Die langfristigen Renditen werden kurzfristigen Kursverluste überkompensieren."

"Unglaubliche Lethargie"

"Die Märkte sind geprägt von einer unglaublichen Lethargie", resümiert Norbert Empting. "Die Kursbewegungen sind zufallsbedingt. Und es ist keine Besserung ins Sicht. Das ist eigentlich das Argument dafür, nichts zu tun, weder zu kaufen noch zu verkaufen."

quelle ftd.

 
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