Das Schweigen der Manager


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Guido:

Das Schweigen der Manager

 
15.05.03 10:05
Wirtschaft und Verbraucher
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Das Schweigen der Manager

Viele deutsche Vorstände würden nur ungern offenlegen, wieviel sie verdienen. Dabei empfehlen die Grundsätze "wertorientierter Unternehmensführung"



die totale Transparenz. Der Verhaltenskodex - nur ein Papiertiger?



Von GEORG WINTERS

DÜSSELDORF. Die Zahl ist frappierend: Rund 100 der 2500 größten Unternehmen der Welt haben 2002 ihrem Spitzenmanager den Stuhl vor die Tür gesetzt. "Die Vorstandschefs sind viel stärker unter Druck als früher. Und ihr Posten ist weitaus unsicherer geworden", erklärte jüngst Charles Lucier von der Unternehmensberatung Booz, Allen & Hamilton, die die Zahlen ermittelte.

Das Mitleid mit geschassten Topverdienern wird sich bei vielen in Grenzen halten, die Managergehälter ohnehin für viel zu hoch halten. Denen hat Bundesjustizministerin Brigitte Zypries dieser Tage vermutlich aus der Seele gesprochen: Zumindest gewinnabhängige Entgelt-Bestandteile sollten auf ein "vertretbares und nachvollziehbares" Maß beschränkt werden. Stoßrichtung: Die Manager sollen sich nicht eine goldene Nase verdienen, wenn dem Unternehmen gleichzeitig das Wasser bis zum Hals steht.

Mit der Idee aus Berlin soll sich die Corporate-Governance-Kommission beschäftigen, die unter Führung des Thyssen-Krupp-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme die "Grundsätze wertorienter Untenehmensführung" überdenkt. Das Ergebnis ist zweifelhaft - jedenfalls so wie der Arbeitsauftrag formuliert ist. Denn die Begriffe "vertretbar" und "nachvollziehbar" sind so dehnbar wie ein Kaugummi. Außerdem wird die Aktion wohl nicht gerade auf ungeteilte Liebe stoßen. Im Gegenteil: In den zuständigen Unternehmensgremien dürfte es einige geben, die sich staatliche Einmischung in Firmeninterna wie die Bezahlung von Spitzenkräften verbitten.

Ohnehin findet das, was die Corporate-Governance-Kommission an hehren Grundsätzen aufgeschrieben hat, an einigen Stellen kaum offene Ohren. Mehr als zwei Drittel aller im Dax notierten Unternehmen scheren sich beispielsweise einen Teufel um die Empfehlung, "die Vergütung des Vorstands sollte . . . individualisiert nach Fixum, erfolgsbezogenen Vergütungen und langfristig wertpapierbezogenen Bestandteilen ausgewiesen werden". Das ist der Anspruch. Die Realität sieht anders aus: Gerade mal sechs Top-Manager (Ackermann/Deutsche Bank, Plattner/SAP, Schweickert/Altana, Seifert/Deutsche Börse, Wenning/Bayer und Schulz/ThyssenKrupp, Erlen/Schering) nannten jüngst ihre eigenen Bezüge.

Es bleibt die Hoffnung, dass deren Zahl steigt. Ohne den nötigen Druck, so glauben viele, wird daraus aber nichts, weil die meisten gern schweigen, wenn es darum geht, wieviel sie verdienen. Einige Chefs und Aufsichtsräte, die sich in der Vergangenheit bei Hauptversammlungen von Aktionärsschützern und Anteilseignern mit unangenehmen Fragen konfrontiert sahen, scheuen so viel Transparenz wie der Teufel das Weihwasser.

Das wiederum weiß auch die Bundesjustizministerin. Also hat Brigitte Zypries nach dem in großen Teilen fruchtlosen Appell der Cromme-Kommission verkündet, entweder werde ein entsprechender Passus im Kodex aufgenommen, "oder der Gesetzgeber nimmt sich der Frage an".

Die Corporate-Governance-Gruppe bewirkt zu wenig, könnte man daraus schließen. "Wenn sich die Unternehmen nicht an die Empfehlungen des Kodex halten, wird der zum Papiertiger", heißt es in Börsenkreisen. Zwar sei die Einhaltung dieser Empfehlungen freiwillig. Aber wenn man tatsächlich Vertrauen schaffen wolle, dann sei das nur dann möglich, wenn die Unternehmen tatsächlich transparent würden. Und das ist ja das oberste Ziel aller Bemühungen.


Quelle: Rheinische Post 15.05.03
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Bronco:

Am Aktionärswillen geht nichts vorbei.

 
15.05.03 10:31
Wenn die Kapitalmehrheit die Bezüge der Vorstände für angemessen hält, so ist das doch in Ordnung - oder etwa nicht ? Der Casus knacktus ist: Die Kapitalmehrheit aller namhaften AGs liegt in den Händen der Institutionellen, d.h. in den Händen der Banken, der Fondsverwalter und anderer AGs. Ergo: Unsere Vorstände alimentieren sich letztlich selbst und stellen sich auch ihre Aufsichtsräte aus den eigenen Reihen nach Wunsch zusammen. Die große DAX-AG ist schon lange immun gegen irgendwelche Einflüße von außen. Wer das änder wollte, müßte massiv in das Aktienrecht eingreifen:

1.) Keine Stimmrechte für Institutionelle, deren Beteiligungen nur aus Fremdkapital bestehen.

2.) Juristische Personen können Stimmrechte nur zu dem Prozentsatz ausüben, zu dem sie Eigenkapital an der Bilanzsumme ihres Ladens ausweisen können, und nur dort, wo sie ihre Anteile an einer anderen AG als Beteiligung ausweisen, nicht als "liquide Mittel"

3.) Zu Beteiligungen einer AG an anderen AGs (mit der Möglichkeit Stimmrechte auszuüben) muß die Zustimmung der Aktionäre eingeholt werden.

Damit würde sichergestellt, daß niemand bei Stimmrechten einen "Fremdkapitalhebel" ansetzen kann und somit diejenigen, die tatsächlich ihre eigene Kohle da drin haben, auch sagen, wo es lang geht.
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