Jürgen Höller gibt nicht auf!
In den letzten Tagen vor dem Weihnachtsfest brach ein großes Pressegewitter
über die INLINE AG, insbesondere über mich, ihren Vorstandsvorsitzenden
Jürgen Höller, herein. Es wurde berichtet, dass die INLINE AG zahlungsunfähig
ist, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verschleppung der Insolvenz und
deshalb viele Unterlagen beschlagnahmt hätte. Mit diesem Brief möchte ich,
Jürgen Höller, Ihnen einmal einen aktuellen Überblick geben:
1. Historie
Sie werden sich sicherlich fragen, wie es zur Krise der INLINE AG kommen
konnte. Jürgen Höller ist doch der Motivationstrainer im deutschsprachigen
Raum und gilt für viele als Verkörperung des Erfolgs. Alleine in den letzten 13
Jahren hat er vier neue Firmen eröffnet und in ihrem Segment jeweils zum
Marktführer entwickelt. Wie konnte also ihm derartiges widerfahren?
Nun, 1999 hat er beschlossen, die INLINE AG an die Börse zu bringen, mit
dem Hintergrund, seine Lebensaufgabe (nämlich möglichst vielen Menschen
zu mehr Glück, Erfolg und innerer Zufriedenheit zu verhelfen) zu
verwirklichen. Darauf hin wurden dann Fusionsgespräche mit dem
e-Learning-Spezialisten, der Metatrain GmbH aus Neumarkt sowie
Gespräche mit Venture Capital Gebern (also Investoren, die Risikokapital zur
Verfügung stellen) geführt. Im Mai 2000 kam es dann zu einer schriftlichen
Vereinbarung, der zufolge eine Fusion mit insgesamt vier Firmen stattfinden
und die VC´ s insgesamt 10 Millionen DM in die neue INLINE AG investieren
sollten. Zu diesem Zeitpunkt wurde die INLINE AG von Experten auf 300 -
550 Millionen DM bewertet.
Am 22.11.2000 wurden dann die endgültigen Verträge unterschrieben. Zu
diesem Zeitpunkt wurde die INLINE AG immer noch mit 200 - 250 Millionen
DM bewertet. Die 10 Millionen DM flossen in das Unternehmen und der
Börsengang wurde auf das Ende des ersten Halbjahres 2001 festgelegt. Und
dies nicht, weil es etwa Jürgen Höller so wollte, sondern weil alle Analysten,
Experten und Kapazitäten der Finanzbranche prognostizierten, dass Mitte
des Jahres 2001 die Börsenkurse wesentlich höher als Ende 2000 stehen
würden.
Um den Börsengang durchführen zu können, wurden umfangreiche Mittel
investiert: Mehrere Millionen in den Bereich e-Learning (e-Learning gilt als
absolut zukunftsträchtiges Geschäftsfeld, dem man zum damaligen Zeitpunkt
ab 2003 den großen Durchbruch prophezeite. Jedoch musste man jetzt viel
Kapital in die Inhalte investieren, den man dann über Jahre hinweg immer
wieder verkaufen kann (ähnlich wie im Film/TV-Geschäft: zuerst muss man
Filme, also Inhalte produzieren, erst dann kann man ihn immer und immer
wieder verkaufen). Die Vorkosten für den Börsengang verschlangen bis April
2001 ebenfalls eine Millionen-Summe.
Es wurde umfangreich ins Marketing und in den Aufbau kompletter
Vertriebssysteme investiert, z. B. Aufbau eines Call-Centers mit 30
Mitarbeitern, Aufbau eines Key-Account-Vertriebes (für Großkunden) mit 15
Mitarbeitern, etc. Es wurde ein Management-Team eingestellt, das
gewährleistet hätte, dass das Unternehmen bis 2004 in entsprechende
Umsatzgrößen hätte expandieren können, es wurde ein Firmengebäude
geplant, usw.
Und dann passierte der Super-Gau: Mitte April gaben uns die fünf
namhaften Banken, die uns an die Börse führen wollten, bekannt, dass seit
Januar 2001 die Kurse in unserer Vergleichsgruppe nochmals um etwa 50 -
60 % gefallen sind, alleine in den vier Wochen zwischen dem 18.2. und
20.3.2001 um 36 %!!! Damit mussten wir hören, dass wir nur noch einen
Wert von 80 - 104 Millionen DM besaßen, also immer noch recht
respektabel, aber die Inline AG war nun zu klein um den Börsengang
durchführen zu können!
So nah lagen Triumph oder Tragödie zusammen:
Im Mai 2000 war die Firma noch bis zu 550 Millionen DM wert, im November
2000 noch ca. 200 - 250 Millionen DM und Mitte April 2001 nur noch 80 -
104 Millionen DM. Da 25 % der Unternehmensaktien beim Börsengang
platziert werden sollten und der volle Emissionserlös zur weiteren Expansion
in das Unternehmen geflossen wäre, hätte dies noch Mitte März 2001 40
Millionen DM flüssige Mittel bedeutet. Die INLINE AG hatte alle
„Hausaufgaben" gemacht, sie war startklar, um wirklich fünf bis sechs
Wochen später den Börsengang durchführen zu können - und nun fiel er
aus!
Damit fielen auch die sicher geglaubten 40 Millionen DM aus, die jedoch fest
eingeplant waren.
Als dann die Hausbank vom verschobenen Börsengang erfuhr, wurde an
einem Freitag der Millionen-Kontokorrent zum Zeitpunkt des folgenden
Montags um 09.00 Uhr auf Null heruntergefahren, so dass sich die Krise
dadurch weiter verschärfte.
In den Wochen danach haben dann die Verantwortlichen der INLINE AG mit
vielen Investoren gesprochen, um eine weitere Finanzierungsrunde
durchzuführen. Gleichzeitig wurde ab Anfang Juli 2001 ein
Restrukturierungsprozess gestartet mit dem Ziel, das Unternehmen auch
ohne Börsengang in eine äußerst profitable Zukunft zu führen. Im August
2001 gab es dann ein Konsortium, das mündlich die erforderliche
Finanzierung zusagte. Diese wurde jedoch, anscheinend aufgrund der
Unwägbarkeiten nach dem Anschlag am 11. September 2001, Mitte
September zurückgezogen. Als sich dann wenige Tage später die Börsen
wieder beruhigten, waren die Investoren wieder äußerst interessiert, bei der
INLINE AG zu investieren.
Am 29. November 2001 erhielten wir wiederum eine mündliche Zusage von
Investoren für eine weitere Finanzierungsrunde. Am 07. Dezember 2001
wurde noch der Beteiligungsvertrag bei der Wirtschafts- und
Rechtsberatungskanzlei Rödl & Partner in Auftrag gegeben, um diesen am
13. Dezember 2001 von den Investoren bzw. ihrem Ausschuss, der bereits
mündlich die Finanzierung zusagte, unterschreiben zu lassen. Da zu diesem
Zeitpunkt alle Probleme im positiven Sinne gelöst schienen, erlaubte sich
Jürgen Höller zusammen mit seiner Frau am 11. Dezember 2001 eine
Woche in Urlaub zu fahren, denn die letzten acht Monate, in denen er ohne
jeden freien Tag täglich im Schnitt 14 Stunden arbeitete, um das
Unternehmen zu retten, hatten seine letzten Reserven aufgebraucht.
Am 17. Dezember 2001 um 08.10 Uhr Ortszeit erhielt Jürgen Höller dann die
Hiobsbotschaft, dass die Staatsanwaltschaft wegen Insolvenzverschleppung
ermittelt und Unterlagen beschlagnahmt. Leider gelang es ihm erst einen Tag
später, am 18. Dezember 2001 einen Rückflug zu organisieren. Noch von
seinem Urlaubsort aus telefonierte er dann den ganzen Tag mit den diversen
Investoren. Die Investoren, die noch am 29. November 2001 die
Finanzierung mündlich zusagten und aufgrund dessen der 40.000,-- DM
teure Auftrag an die Wirtschaftskanzlei zur Ausarbeitung aller Unterlagen
gegeben wurde, nahm nun wieder Abstand von der Finanzierung.
Eine andere Investorengruppe jedoch war nach wie vor interessiert. Am 19.
Dezember 2001 traf sich dann Jürgen Höller mit diesen Investoren und
verhandelte mit ihnen bis spät in die Nacht mit dem Ergebnis, dass 3 bis 3,5
Millionen DM kurzfristig in die INLINE AG investiert werden sollten. Am 20.
Dezember traf sich dann um 09.30 Uhr eine große Runde mit Altinvestoren,
Vorständen, Wirtschaftsberatern, Steuerberatern, einem Fachanwalt für
Insolvenzrecht und den potenziellen neuen Investoren. Wiederum wurde nun
den ganzen Tag bis spät in die Nacht verhandelt mit dem Ergebnis, dass 3,5
Millionen DM noch am Freitag, den 21. Dezember 2001 in das Unternehmen
fließen sollten.
Noch im Laufe der Nacht wurde ein Vertrag ausgearbeitet, der früh um
08.30 Uhr allen Altinvestoren vorliegen sollte. Um 10.00 Uhr sollte dann der
Vertrag unterschrieben an die neuen Investoren geschickt werden, so dass
diese bis spätestens 14.00 Uhr das Geld angewiesen hätten. Leider stellte
sich nun ein Altinvestor quer und versuchte nachträglich weitere, neue
Bedingungen zu stellen. Immer wieder musste die Kanzlei, die diesen
Vertrag ausgearbeitet hatte, mit dem Investor sprechen und verhandeln, so
dass der Vertrag dem Neuinvestor nicht wie vereinbart bis 10.00 Uhr
zugestellt werden konnte. Um 12.30 Uhr sprang dann der neue Investor ab...
Jürgen Höller blieb darauf hin - zusammen mit seinem Vorstandskollegen
Norbert Beck - keine andere Möglichkeit, als noch am Freitag, den
21.12.2001 Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei Amtsgericht
Schweinfurt zu stellen.
Ach ja:
Um 15.48 Uhr traf dann endlich der Vertragsentwurf bei der Inline AG ein
(mit wesentlichen Änderungen der am Vortag besprochenen und mündlich
beschlossenen Bedingungen...). Um 16.00 Uhr an diesem Tag schlossen die
Banken, d.h. selbst bei allergrößten Bemühungen hätte die INLINE AG zu
diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr den Antrag auf Eröffnung des
Insolvenzverfahrens vermeiden können...!
2. Jürgen Höller zur gegenwärtigen Situation der INLINE AG
In diesen Tagen vom 17. - 22. Dezember 2001 ist ein Pressegewitter über
mich persönlich hereingebrochen, wie ich es nicht für möglich hielt. Nun, es
ist natürlich auch verlockend für meine Kritiker und auch Teile der Presse,
nunmehr, da ich am Boden liege, auf mich einzuschlagen. Es wurden
dermaßen viele Unwahrheiten kolportiert oder zwischen den Zeilen
geschrieben, dass ich mittlerweile viele Prominente, die Deutschland den
Rücken gekehrt haben und im Ausland leben, sehr gut verstehen kann. Es
wurde nichts ausgelassen, bis in den privaten Bereich hinein, um mich zu
diskreditieren. Hier nur ein paar Beispiele:
- Während ich seit Dienstag, den 18.12.2001 bereits wieder in
Deutschland weilte und fast ununterbrochen Tag und Nacht
verhandelte, um die INLINE AG zu retten (in vier Nächten schlief ich
vielleicht gerade einmal fünf bis sechs Stunden) haben Teile der
Presse gemutmaßt, ich würde es mir - zusammen mit meiner Frau - auf
Teneriffa im teuersten Hotel, in der teuersten Suite gut gehen lassen.
- Es wurde genauestens beschrieben, in welchem Zimmer ich wohnte
und der Urlaub kostete einmal 25.000,-- DM, einmal 2.000,-- DM pro
Nacht. In Wirklichkeit zahlte ich pro Person nur 3.990,-- DM.
- Es wurde genüsslich beschrieben, wie ich in der kritischen Situation
der INLINE AG mit meiner Frau Golf spielte. Wer mich kennt weiß,
dass ich zwar sehr viel Sport treibe, aber in meinem Leben erst 10
Bälle schlug (was mir nicht gelang und ich darauf hin seitdem - das ist
bereits einige Jahre her - nie wieder Golf probierte).
- Ganz besonders hervorgetan hat sich dabei die örtliche Tageszeitung
„Tagblatt", vertreten durch die Reporter Hannes Helfrich, Klaus
Landeck und Thomas Starost (der übrigens nicht nur Schulkollege von
mir war, sondern zig Jahre gratis in meinem Fitness-Studio „Fit & Fun"
in Schweinfurt trainieren durfte,
weil er mir und meinen damaligen Mitinhabern erklärte, er könnte - als
Reporter der Schweinfurter Tageszeitung - positiv, aber auch negativ
über uns schreiben...). Immer wieder versuchte mir die örtliche
Tageszeitung auch unlautere Machenschaften vorzuwerfen. So wurde
sogar angedeutet, ich hätte rechtzeitig am 06. Februar 2001 die Firma
„Your Life" gegründet, um vorbereitet zu sein, falls es mit der INLINE
AG nicht klappt. Noch dazu, wo meine Frau Kerstin dort zweite
Vorsitzende sei ... . Richtig ist, dass die Firma „Your Life" bereits im
April 2000 gegründet wurde und eine hundertprozentige Tochter der
INLINE AG und nicht etwa von mir privat ist. Es handelte sich dabei um
ein Unternehmen, das als Vertriebskanal für das
Endverbraucher-Geschäft dienen sollte, da die Börse zum damaligen
Zeitpunkt das sogenannte B2C (Business to Consumer), also
Endverbraucher-Geschäft nicht gerne sah, was aber einen
wesentlichen Teil der INLINE AG-Umsätze ausmachte. Übrigens: Meine
Frau war auch keine 2. Vorsitzende sondern Mitglied des
Aufsichtsrates.
Es ist jedenfalls für mich, meine Familie und auch meine Mitarbeiter die
schwerste Zeit unseres Lebens. Zeitweise waren unser Privathaus,
aber auch das Firmengebäude von mehreren Fernsehteams und
Reportern aus dem ganzen Bundesgebiet belagert. Ohne die
Unterstützung meiner Familie, einiger guter Freunde und auch meiner
treuen Kunden und Fans weiß ich nicht, wie ich es hätte überstehen
sollen!
Herzlichen Dank an dieser Stelle für die vielen, vielen Briefe und
Telefonanrufe bei meinen Mitarbeitern, die mir viel Mut machten. Noch
nie zuvor habe ich soviel Unterstützung, Dankbarkeit und Aufmunterung
erfahren, wie gerade jetzt. Dies hat mir unendlich viel Kraft gegeben
und mich mit tiefer Dankbarkeit erfüllt. Herzlichen Dank dafür und es
zeigt mir, dass man all das, was man im Leben weggibt, tatsächlich
wieder zurück bekommt.
3. Wie geht´ s weiter?
1. Die INLINE AG hat Antrag auf Eröffnung des Insolvenz-Verfahrens gestellt
und ein Insolvenzverwalter wird nun prüfen, wie es weiter gehen soll.
2. Einen Tag, nachdem wir den Antrag auf Eröffnung des
Insolvenzverfahrens gestellt hatten, also Samstag, den 22.12.2001, befand
ich mich auf dem Tiefpunkt meines Lebens und dachte wirklich darüber
nach, alles hinzuwerfen und aufzugeben.
Als ich dann jedoch die riesige Unterstützung von Familie, Freunden und vor
allen Dingen meinen Kunden und Fans erhielt, habe ich am Abend des
22.12.2001 eine Entscheidung - und zwar eine für mich unumstößliche
Entscheidung - getroffen:
Ich, Jürgen Höller, mache weiter und gehe wieder auf die Bühne!
Ich verspreche hiermit, dass ich als Referent für die von der Inline AG
angebotenen Seminare zur Verfügung stehe. Ich habe in den letzten
Monaten soviel gelernt, dass ich all diese Erfahrungen auch in meine
Seminare einfließen lasse, um auf diese Weise wieder möglichst vielen
Menschen zu helfen, eine solche Situation zu verhindern oder wenn sie
eingetreten ist, optimal zu meistern.
3. Der vorläufige Insolvenzverwalter, Herr Dr. Michael Jaffe aus München,
führt den Betrieb vorerst fort und sieht eine positive Zukunftschance für die
wesentlichen Unternehmensbestandteile. Bis Mitte März ist geklärt, wie es
weitergeht. Wie bereits versprochen, stehe ich dafür, dass ich in diesem
Jahr wieder auf der Bühne stehe. Sie können also alle Seminare ohne
Bedenken buchen, die Zahlung der Seminare findet erst dann statt, wenn
geklärt und sicher gestellt ist von welchem Unternehmen die Seminare
durchgeführt werden.
4. Ich möchte mich in diesem Zusammenhang entschuldigen und gleichzeitig
auch bedanken bei unseren Lieferanten und den vorbörslichen Zeichnern.
Diese haben an das Unternehmen geglaubt und sich - bis auf wenige
Ausnahmen - mehr als fair verhalten. Es tut mir sehr, sehr leid, dass es zu
diesem Punkt gekommen ist und ich werde alles dafür tun, dass der
Schaden minimiert wird.
5. Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei meinen treuen
Mitarbeitern. Diese haben - insbesondere in den letzten Wochen -
Unglaubliches geleistet und zusammen mit mir gekämpft, gehofft, gebangt
und am Ende auch geweint. Ihr seid wirklich ein fantastisches Team.
6. Natürlich werden auch Sie sich als Kunde die Frage stellen, wieso konnte
das ausgerechnet Jürgen Höller passieren? Nun, zum einen bin auch ich nur
ein Mensch und keine Maschine. Und Menschen machen nun einmal auch
Fehler. Auch ich habe Fehler gemacht. Mein Fehler bestand darin, dass
ich vier Wochen zu spät an die Börse wollte. Wären wir vier Wochen
früher analysiert worden, wäre die Inline AG noch 160 bis 170 Millionen DM
wert gewesen und ca. 40 Millionen DM wären beim Börsengang in die
Kassen gespült worden. Dies wäre ausreichend gewesen, um einige Jahre
weiter in hohem Tempo zu expandieren. Aufgrund der Entwicklung der
Börsen (die Weltwirtschaft verzeichnete 2001 den zweitgrößten Einbruch seit
dem zweiten Weltkrieg) war die Inline AG dann „nur" noch 80 bis 104
Millionen DM wert und damit zu klein für den Börsengang. So nah liegen
manchmal Triumph und Tragödie zusammen.
Nun, da ich in meinen Seminaren immer Verantwortung predige, übernehme
ich für diese Fehleinschätzung die Verantwortung, wenngleich sich alle
Experten weltweit bei ihrer Schätzung der Börsenmärkte 2001 um
durchschnittlich 33 % verrechneten!
Ich habe mich nunmehr entschlossen, dass ich, nachdem ich hingefallen bin,
wieder aufstehen werde. Ich habe nicht nur einen Niederschlag erlitten, es war für
mich eine K.O.-Niederlage. Aber wie sagte doch Evander Holyfield, als ich ihm
einmal in Amerika begegnete: „Du kannst niedergeschlagen werden, aber wenn
Du wieder aufstehst und weiterkämpfst, kannst Du den Kampf noch gewinnen. Du
kannst auch einen Kampf durch K.O.-Schlag verlieren, aber wenn Du wieder
aufstehst, weitertrainierst und kämpfst, kämpfst, kämpfst - dann kannst Du Dir den
Titel wieder zurückholen!" Und genau das habe ich vor!
In den letzten Jahren habe ich hunderttausenden von Menschen durch meine
Seminare, Bücher, CD´s und Kassetten Mut machen können. Das wichtigste
Credo, das ich immer wieder weitergab lautete: „Gib nie, nie, nie, nie - gib
niemals auf!".
Das Leben ist nun mal keine Einbahnstraße und nach 15 Jahren
immerwährendem Erfolg habe ich nunmehr alles verloren, was ich mir aufgebaut
habe. Da ich in den letzten Monaten alles, was ich flüssig machen konnte in das
Unternehmen investierte, habe ich auch privat alles verloren. Aber egal was
passiert, meine Frau und ich sind uns einig - wir machen weiter!
Und ich werde alle meine Erfahrungen, die ich nun machte, weitergeben. Ich
werde den Menschen noch mehr Mut machen können, wenn ich es, aus dieser
auch für mich fast hoffnungslosen Lage, wieder schaffe. Und man kann mir alles
nehmen, aber nicht meinen Stolz und vor allen Dingen nicht eines, was ich mir in
den letzten 16 Jahren aufgebaut habe: „Mein Wissen und meine Erfahrung!"
Und mit diesem Wissen, werde ich in relativ kurzer Zeit wieder dort sein, wo ich
einmal war und sogar noch erfolgreicher sein. Da können mich meine Kritiker
ruhig belächeln, dass ich mich schon wieder überschätze, dass ich bescheidener
sein soll: Das Wissen, das wir besitzen, kann uns niemand nehmen. Ich möchte
anhand meiner Person und meines Werdeganges den Menschen ein Beispiel sein
für Hoffnung in ausweglosen Situationen. Positives Denken bedeutet eben nicht,
dass immer alles funktioniert, es bedeutet auf die Umstände des Lebens (auch auf
die negativen) positiv zu reagieren. Etwas Schlimmeres, als das, was ich eben
erlebt habe, kann ich mir nur noch vorstellen beim Tod des Partners oder der
eigenen Kinder oder wenn man erfährt unheilbar krank zu sein. Und ich weiß aus
den vielen Briefen und Gesprächen, die ich in den letzten Tagen führte, dass
jeder Mensch immer wieder Krisen hat.
Ich werde über die ganze Geschichte ein Buch schreiben, das so offen, so
schonungslos ehrlich sein wird, wie es noch nie etwas ähnliches auf dem Markt
gegeben hat. Ich werde mein Seelenleben öffnen, wie es noch nie jemand zuvor
aus dem Wirtschaftsleben getan hat. Gerne verschweigen wir Krisen - ich nicht!
Ich stehe dazu, dass ich hingefallen bin, aber ich stehe wieder auf!
Und ich hoffe, dass ich dadurch für viele andere, die ebenfalls eine schwere Krise
in ihrem Leben durchleiden, Hoffnung und Mut machen kann. Und Euch, meine
treuen Kunden und Fans bitte ich weiter um Eure Unterstützung. Vielleicht habt
Ihr ja die Zeit mir ein paar Zeilen zu schreiben, denn jeder Brief, jede Zeile
hilft mir und zeigt mir, dass es Sinn macht, was ich tue. Jedes Wort, das Ihr
an mich richtet, gibt mir ein bisschen mehr Energie und macht meinen Kampf,
den ich nunmehr aufnehmen werde, wieder sinnvoller. Denn ich habe es immer
wieder gesagt, aber vielleicht hat es mir in der Vergangenheit, als es mir gut ging,
nicht jeder geglaubt (und glaubt es mir vielleicht jetzt, wo es mir fast nicht
schlechter gehen kann):
Ich sehe meine Lebensaufgabe darin, möglichst vielen Menschen das Wissen zu
vermitteln, wie man sein Leben meistern und erfolgreicher, glücklicher und
innerlich zufriedener leben kann (auch und gerade in Zeiten von Krisen!).
Herzliche und liebe Grüße
Jürgen Höller
mfg
DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT !!!!
ath
In den letzten Tagen vor dem Weihnachtsfest brach ein großes Pressegewitter
über die INLINE AG, insbesondere über mich, ihren Vorstandsvorsitzenden
Jürgen Höller, herein. Es wurde berichtet, dass die INLINE AG zahlungsunfähig
ist, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verschleppung der Insolvenz und
deshalb viele Unterlagen beschlagnahmt hätte. Mit diesem Brief möchte ich,
Jürgen Höller, Ihnen einmal einen aktuellen Überblick geben:
1. Historie
Sie werden sich sicherlich fragen, wie es zur Krise der INLINE AG kommen
konnte. Jürgen Höller ist doch der Motivationstrainer im deutschsprachigen
Raum und gilt für viele als Verkörperung des Erfolgs. Alleine in den letzten 13
Jahren hat er vier neue Firmen eröffnet und in ihrem Segment jeweils zum
Marktführer entwickelt. Wie konnte also ihm derartiges widerfahren?
Nun, 1999 hat er beschlossen, die INLINE AG an die Börse zu bringen, mit
dem Hintergrund, seine Lebensaufgabe (nämlich möglichst vielen Menschen
zu mehr Glück, Erfolg und innerer Zufriedenheit zu verhelfen) zu
verwirklichen. Darauf hin wurden dann Fusionsgespräche mit dem
e-Learning-Spezialisten, der Metatrain GmbH aus Neumarkt sowie
Gespräche mit Venture Capital Gebern (also Investoren, die Risikokapital zur
Verfügung stellen) geführt. Im Mai 2000 kam es dann zu einer schriftlichen
Vereinbarung, der zufolge eine Fusion mit insgesamt vier Firmen stattfinden
und die VC´ s insgesamt 10 Millionen DM in die neue INLINE AG investieren
sollten. Zu diesem Zeitpunkt wurde die INLINE AG von Experten auf 300 -
550 Millionen DM bewertet.
Am 22.11.2000 wurden dann die endgültigen Verträge unterschrieben. Zu
diesem Zeitpunkt wurde die INLINE AG immer noch mit 200 - 250 Millionen
DM bewertet. Die 10 Millionen DM flossen in das Unternehmen und der
Börsengang wurde auf das Ende des ersten Halbjahres 2001 festgelegt. Und
dies nicht, weil es etwa Jürgen Höller so wollte, sondern weil alle Analysten,
Experten und Kapazitäten der Finanzbranche prognostizierten, dass Mitte
des Jahres 2001 die Börsenkurse wesentlich höher als Ende 2000 stehen
würden.
Um den Börsengang durchführen zu können, wurden umfangreiche Mittel
investiert: Mehrere Millionen in den Bereich e-Learning (e-Learning gilt als
absolut zukunftsträchtiges Geschäftsfeld, dem man zum damaligen Zeitpunkt
ab 2003 den großen Durchbruch prophezeite. Jedoch musste man jetzt viel
Kapital in die Inhalte investieren, den man dann über Jahre hinweg immer
wieder verkaufen kann (ähnlich wie im Film/TV-Geschäft: zuerst muss man
Filme, also Inhalte produzieren, erst dann kann man ihn immer und immer
wieder verkaufen). Die Vorkosten für den Börsengang verschlangen bis April
2001 ebenfalls eine Millionen-Summe.
Es wurde umfangreich ins Marketing und in den Aufbau kompletter
Vertriebssysteme investiert, z. B. Aufbau eines Call-Centers mit 30
Mitarbeitern, Aufbau eines Key-Account-Vertriebes (für Großkunden) mit 15
Mitarbeitern, etc. Es wurde ein Management-Team eingestellt, das
gewährleistet hätte, dass das Unternehmen bis 2004 in entsprechende
Umsatzgrößen hätte expandieren können, es wurde ein Firmengebäude
geplant, usw.
Und dann passierte der Super-Gau: Mitte April gaben uns die fünf
namhaften Banken, die uns an die Börse führen wollten, bekannt, dass seit
Januar 2001 die Kurse in unserer Vergleichsgruppe nochmals um etwa 50 -
60 % gefallen sind, alleine in den vier Wochen zwischen dem 18.2. und
20.3.2001 um 36 %!!! Damit mussten wir hören, dass wir nur noch einen
Wert von 80 - 104 Millionen DM besaßen, also immer noch recht
respektabel, aber die Inline AG war nun zu klein um den Börsengang
durchführen zu können!
So nah lagen Triumph oder Tragödie zusammen:
Im Mai 2000 war die Firma noch bis zu 550 Millionen DM wert, im November
2000 noch ca. 200 - 250 Millionen DM und Mitte April 2001 nur noch 80 -
104 Millionen DM. Da 25 % der Unternehmensaktien beim Börsengang
platziert werden sollten und der volle Emissionserlös zur weiteren Expansion
in das Unternehmen geflossen wäre, hätte dies noch Mitte März 2001 40
Millionen DM flüssige Mittel bedeutet. Die INLINE AG hatte alle
„Hausaufgaben" gemacht, sie war startklar, um wirklich fünf bis sechs
Wochen später den Börsengang durchführen zu können - und nun fiel er
aus!
Damit fielen auch die sicher geglaubten 40 Millionen DM aus, die jedoch fest
eingeplant waren.
Als dann die Hausbank vom verschobenen Börsengang erfuhr, wurde an
einem Freitag der Millionen-Kontokorrent zum Zeitpunkt des folgenden
Montags um 09.00 Uhr auf Null heruntergefahren, so dass sich die Krise
dadurch weiter verschärfte.
In den Wochen danach haben dann die Verantwortlichen der INLINE AG mit
vielen Investoren gesprochen, um eine weitere Finanzierungsrunde
durchzuführen. Gleichzeitig wurde ab Anfang Juli 2001 ein
Restrukturierungsprozess gestartet mit dem Ziel, das Unternehmen auch
ohne Börsengang in eine äußerst profitable Zukunft zu führen. Im August
2001 gab es dann ein Konsortium, das mündlich die erforderliche
Finanzierung zusagte. Diese wurde jedoch, anscheinend aufgrund der
Unwägbarkeiten nach dem Anschlag am 11. September 2001, Mitte
September zurückgezogen. Als sich dann wenige Tage später die Börsen
wieder beruhigten, waren die Investoren wieder äußerst interessiert, bei der
INLINE AG zu investieren.
Am 29. November 2001 erhielten wir wiederum eine mündliche Zusage von
Investoren für eine weitere Finanzierungsrunde. Am 07. Dezember 2001
wurde noch der Beteiligungsvertrag bei der Wirtschafts- und
Rechtsberatungskanzlei Rödl & Partner in Auftrag gegeben, um diesen am
13. Dezember 2001 von den Investoren bzw. ihrem Ausschuss, der bereits
mündlich die Finanzierung zusagte, unterschreiben zu lassen. Da zu diesem
Zeitpunkt alle Probleme im positiven Sinne gelöst schienen, erlaubte sich
Jürgen Höller zusammen mit seiner Frau am 11. Dezember 2001 eine
Woche in Urlaub zu fahren, denn die letzten acht Monate, in denen er ohne
jeden freien Tag täglich im Schnitt 14 Stunden arbeitete, um das
Unternehmen zu retten, hatten seine letzten Reserven aufgebraucht.
Am 17. Dezember 2001 um 08.10 Uhr Ortszeit erhielt Jürgen Höller dann die
Hiobsbotschaft, dass die Staatsanwaltschaft wegen Insolvenzverschleppung
ermittelt und Unterlagen beschlagnahmt. Leider gelang es ihm erst einen Tag
später, am 18. Dezember 2001 einen Rückflug zu organisieren. Noch von
seinem Urlaubsort aus telefonierte er dann den ganzen Tag mit den diversen
Investoren. Die Investoren, die noch am 29. November 2001 die
Finanzierung mündlich zusagten und aufgrund dessen der 40.000,-- DM
teure Auftrag an die Wirtschaftskanzlei zur Ausarbeitung aller Unterlagen
gegeben wurde, nahm nun wieder Abstand von der Finanzierung.
Eine andere Investorengruppe jedoch war nach wie vor interessiert. Am 19.
Dezember 2001 traf sich dann Jürgen Höller mit diesen Investoren und
verhandelte mit ihnen bis spät in die Nacht mit dem Ergebnis, dass 3 bis 3,5
Millionen DM kurzfristig in die INLINE AG investiert werden sollten. Am 20.
Dezember traf sich dann um 09.30 Uhr eine große Runde mit Altinvestoren,
Vorständen, Wirtschaftsberatern, Steuerberatern, einem Fachanwalt für
Insolvenzrecht und den potenziellen neuen Investoren. Wiederum wurde nun
den ganzen Tag bis spät in die Nacht verhandelt mit dem Ergebnis, dass 3,5
Millionen DM noch am Freitag, den 21. Dezember 2001 in das Unternehmen
fließen sollten.
Noch im Laufe der Nacht wurde ein Vertrag ausgearbeitet, der früh um
08.30 Uhr allen Altinvestoren vorliegen sollte. Um 10.00 Uhr sollte dann der
Vertrag unterschrieben an die neuen Investoren geschickt werden, so dass
diese bis spätestens 14.00 Uhr das Geld angewiesen hätten. Leider stellte
sich nun ein Altinvestor quer und versuchte nachträglich weitere, neue
Bedingungen zu stellen. Immer wieder musste die Kanzlei, die diesen
Vertrag ausgearbeitet hatte, mit dem Investor sprechen und verhandeln, so
dass der Vertrag dem Neuinvestor nicht wie vereinbart bis 10.00 Uhr
zugestellt werden konnte. Um 12.30 Uhr sprang dann der neue Investor ab...
Jürgen Höller blieb darauf hin - zusammen mit seinem Vorstandskollegen
Norbert Beck - keine andere Möglichkeit, als noch am Freitag, den
21.12.2001 Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei Amtsgericht
Schweinfurt zu stellen.
Ach ja:
Um 15.48 Uhr traf dann endlich der Vertragsentwurf bei der Inline AG ein
(mit wesentlichen Änderungen der am Vortag besprochenen und mündlich
beschlossenen Bedingungen...). Um 16.00 Uhr an diesem Tag schlossen die
Banken, d.h. selbst bei allergrößten Bemühungen hätte die INLINE AG zu
diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr den Antrag auf Eröffnung des
Insolvenzverfahrens vermeiden können...!
2. Jürgen Höller zur gegenwärtigen Situation der INLINE AG
In diesen Tagen vom 17. - 22. Dezember 2001 ist ein Pressegewitter über
mich persönlich hereingebrochen, wie ich es nicht für möglich hielt. Nun, es
ist natürlich auch verlockend für meine Kritiker und auch Teile der Presse,
nunmehr, da ich am Boden liege, auf mich einzuschlagen. Es wurden
dermaßen viele Unwahrheiten kolportiert oder zwischen den Zeilen
geschrieben, dass ich mittlerweile viele Prominente, die Deutschland den
Rücken gekehrt haben und im Ausland leben, sehr gut verstehen kann. Es
wurde nichts ausgelassen, bis in den privaten Bereich hinein, um mich zu
diskreditieren. Hier nur ein paar Beispiele:
- Während ich seit Dienstag, den 18.12.2001 bereits wieder in
Deutschland weilte und fast ununterbrochen Tag und Nacht
verhandelte, um die INLINE AG zu retten (in vier Nächten schlief ich
vielleicht gerade einmal fünf bis sechs Stunden) haben Teile der
Presse gemutmaßt, ich würde es mir - zusammen mit meiner Frau - auf
Teneriffa im teuersten Hotel, in der teuersten Suite gut gehen lassen.
- Es wurde genauestens beschrieben, in welchem Zimmer ich wohnte
und der Urlaub kostete einmal 25.000,-- DM, einmal 2.000,-- DM pro
Nacht. In Wirklichkeit zahlte ich pro Person nur 3.990,-- DM.
- Es wurde genüsslich beschrieben, wie ich in der kritischen Situation
der INLINE AG mit meiner Frau Golf spielte. Wer mich kennt weiß,
dass ich zwar sehr viel Sport treibe, aber in meinem Leben erst 10
Bälle schlug (was mir nicht gelang und ich darauf hin seitdem - das ist
bereits einige Jahre her - nie wieder Golf probierte).
- Ganz besonders hervorgetan hat sich dabei die örtliche Tageszeitung
„Tagblatt", vertreten durch die Reporter Hannes Helfrich, Klaus
Landeck und Thomas Starost (der übrigens nicht nur Schulkollege von
mir war, sondern zig Jahre gratis in meinem Fitness-Studio „Fit & Fun"
in Schweinfurt trainieren durfte,
weil er mir und meinen damaligen Mitinhabern erklärte, er könnte - als
Reporter der Schweinfurter Tageszeitung - positiv, aber auch negativ
über uns schreiben...). Immer wieder versuchte mir die örtliche
Tageszeitung auch unlautere Machenschaften vorzuwerfen. So wurde
sogar angedeutet, ich hätte rechtzeitig am 06. Februar 2001 die Firma
„Your Life" gegründet, um vorbereitet zu sein, falls es mit der INLINE
AG nicht klappt. Noch dazu, wo meine Frau Kerstin dort zweite
Vorsitzende sei ... . Richtig ist, dass die Firma „Your Life" bereits im
April 2000 gegründet wurde und eine hundertprozentige Tochter der
INLINE AG und nicht etwa von mir privat ist. Es handelte sich dabei um
ein Unternehmen, das als Vertriebskanal für das
Endverbraucher-Geschäft dienen sollte, da die Börse zum damaligen
Zeitpunkt das sogenannte B2C (Business to Consumer), also
Endverbraucher-Geschäft nicht gerne sah, was aber einen
wesentlichen Teil der INLINE AG-Umsätze ausmachte. Übrigens: Meine
Frau war auch keine 2. Vorsitzende sondern Mitglied des
Aufsichtsrates.
Es ist jedenfalls für mich, meine Familie und auch meine Mitarbeiter die
schwerste Zeit unseres Lebens. Zeitweise waren unser Privathaus,
aber auch das Firmengebäude von mehreren Fernsehteams und
Reportern aus dem ganzen Bundesgebiet belagert. Ohne die
Unterstützung meiner Familie, einiger guter Freunde und auch meiner
treuen Kunden und Fans weiß ich nicht, wie ich es hätte überstehen
sollen!
Herzlichen Dank an dieser Stelle für die vielen, vielen Briefe und
Telefonanrufe bei meinen Mitarbeitern, die mir viel Mut machten. Noch
nie zuvor habe ich soviel Unterstützung, Dankbarkeit und Aufmunterung
erfahren, wie gerade jetzt. Dies hat mir unendlich viel Kraft gegeben
und mich mit tiefer Dankbarkeit erfüllt. Herzlichen Dank dafür und es
zeigt mir, dass man all das, was man im Leben weggibt, tatsächlich
wieder zurück bekommt.
3. Wie geht´ s weiter?
1. Die INLINE AG hat Antrag auf Eröffnung des Insolvenz-Verfahrens gestellt
und ein Insolvenzverwalter wird nun prüfen, wie es weiter gehen soll.
2. Einen Tag, nachdem wir den Antrag auf Eröffnung des
Insolvenzverfahrens gestellt hatten, also Samstag, den 22.12.2001, befand
ich mich auf dem Tiefpunkt meines Lebens und dachte wirklich darüber
nach, alles hinzuwerfen und aufzugeben.
Als ich dann jedoch die riesige Unterstützung von Familie, Freunden und vor
allen Dingen meinen Kunden und Fans erhielt, habe ich am Abend des
22.12.2001 eine Entscheidung - und zwar eine für mich unumstößliche
Entscheidung - getroffen:
Ich, Jürgen Höller, mache weiter und gehe wieder auf die Bühne!
Ich verspreche hiermit, dass ich als Referent für die von der Inline AG
angebotenen Seminare zur Verfügung stehe. Ich habe in den letzten
Monaten soviel gelernt, dass ich all diese Erfahrungen auch in meine
Seminare einfließen lasse, um auf diese Weise wieder möglichst vielen
Menschen zu helfen, eine solche Situation zu verhindern oder wenn sie
eingetreten ist, optimal zu meistern.
3. Der vorläufige Insolvenzverwalter, Herr Dr. Michael Jaffe aus München,
führt den Betrieb vorerst fort und sieht eine positive Zukunftschance für die
wesentlichen Unternehmensbestandteile. Bis Mitte März ist geklärt, wie es
weitergeht. Wie bereits versprochen, stehe ich dafür, dass ich in diesem
Jahr wieder auf der Bühne stehe. Sie können also alle Seminare ohne
Bedenken buchen, die Zahlung der Seminare findet erst dann statt, wenn
geklärt und sicher gestellt ist von welchem Unternehmen die Seminare
durchgeführt werden.
4. Ich möchte mich in diesem Zusammenhang entschuldigen und gleichzeitig
auch bedanken bei unseren Lieferanten und den vorbörslichen Zeichnern.
Diese haben an das Unternehmen geglaubt und sich - bis auf wenige
Ausnahmen - mehr als fair verhalten. Es tut mir sehr, sehr leid, dass es zu
diesem Punkt gekommen ist und ich werde alles dafür tun, dass der
Schaden minimiert wird.
5. Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei meinen treuen
Mitarbeitern. Diese haben - insbesondere in den letzten Wochen -
Unglaubliches geleistet und zusammen mit mir gekämpft, gehofft, gebangt
und am Ende auch geweint. Ihr seid wirklich ein fantastisches Team.
6. Natürlich werden auch Sie sich als Kunde die Frage stellen, wieso konnte
das ausgerechnet Jürgen Höller passieren? Nun, zum einen bin auch ich nur
ein Mensch und keine Maschine. Und Menschen machen nun einmal auch
Fehler. Auch ich habe Fehler gemacht. Mein Fehler bestand darin, dass
ich vier Wochen zu spät an die Börse wollte. Wären wir vier Wochen
früher analysiert worden, wäre die Inline AG noch 160 bis 170 Millionen DM
wert gewesen und ca. 40 Millionen DM wären beim Börsengang in die
Kassen gespült worden. Dies wäre ausreichend gewesen, um einige Jahre
weiter in hohem Tempo zu expandieren. Aufgrund der Entwicklung der
Börsen (die Weltwirtschaft verzeichnete 2001 den zweitgrößten Einbruch seit
dem zweiten Weltkrieg) war die Inline AG dann „nur" noch 80 bis 104
Millionen DM wert und damit zu klein für den Börsengang. So nah liegen
manchmal Triumph und Tragödie zusammen.
Nun, da ich in meinen Seminaren immer Verantwortung predige, übernehme
ich für diese Fehleinschätzung die Verantwortung, wenngleich sich alle
Experten weltweit bei ihrer Schätzung der Börsenmärkte 2001 um
durchschnittlich 33 % verrechneten!
Ich habe mich nunmehr entschlossen, dass ich, nachdem ich hingefallen bin,
wieder aufstehen werde. Ich habe nicht nur einen Niederschlag erlitten, es war für
mich eine K.O.-Niederlage. Aber wie sagte doch Evander Holyfield, als ich ihm
einmal in Amerika begegnete: „Du kannst niedergeschlagen werden, aber wenn
Du wieder aufstehst und weiterkämpfst, kannst Du den Kampf noch gewinnen. Du
kannst auch einen Kampf durch K.O.-Schlag verlieren, aber wenn Du wieder
aufstehst, weitertrainierst und kämpfst, kämpfst, kämpfst - dann kannst Du Dir den
Titel wieder zurückholen!" Und genau das habe ich vor!
In den letzten Jahren habe ich hunderttausenden von Menschen durch meine
Seminare, Bücher, CD´s und Kassetten Mut machen können. Das wichtigste
Credo, das ich immer wieder weitergab lautete: „Gib nie, nie, nie, nie - gib
niemals auf!".
Das Leben ist nun mal keine Einbahnstraße und nach 15 Jahren
immerwährendem Erfolg habe ich nunmehr alles verloren, was ich mir aufgebaut
habe. Da ich in den letzten Monaten alles, was ich flüssig machen konnte in das
Unternehmen investierte, habe ich auch privat alles verloren. Aber egal was
passiert, meine Frau und ich sind uns einig - wir machen weiter!
Und ich werde alle meine Erfahrungen, die ich nun machte, weitergeben. Ich
werde den Menschen noch mehr Mut machen können, wenn ich es, aus dieser
auch für mich fast hoffnungslosen Lage, wieder schaffe. Und man kann mir alles
nehmen, aber nicht meinen Stolz und vor allen Dingen nicht eines, was ich mir in
den letzten 16 Jahren aufgebaut habe: „Mein Wissen und meine Erfahrung!"
Und mit diesem Wissen, werde ich in relativ kurzer Zeit wieder dort sein, wo ich
einmal war und sogar noch erfolgreicher sein. Da können mich meine Kritiker
ruhig belächeln, dass ich mich schon wieder überschätze, dass ich bescheidener
sein soll: Das Wissen, das wir besitzen, kann uns niemand nehmen. Ich möchte
anhand meiner Person und meines Werdeganges den Menschen ein Beispiel sein
für Hoffnung in ausweglosen Situationen. Positives Denken bedeutet eben nicht,
dass immer alles funktioniert, es bedeutet auf die Umstände des Lebens (auch auf
die negativen) positiv zu reagieren. Etwas Schlimmeres, als das, was ich eben
erlebt habe, kann ich mir nur noch vorstellen beim Tod des Partners oder der
eigenen Kinder oder wenn man erfährt unheilbar krank zu sein. Und ich weiß aus
den vielen Briefen und Gesprächen, die ich in den letzten Tagen führte, dass
jeder Mensch immer wieder Krisen hat.
Ich werde über die ganze Geschichte ein Buch schreiben, das so offen, so
schonungslos ehrlich sein wird, wie es noch nie etwas ähnliches auf dem Markt
gegeben hat. Ich werde mein Seelenleben öffnen, wie es noch nie jemand zuvor
aus dem Wirtschaftsleben getan hat. Gerne verschweigen wir Krisen - ich nicht!
Ich stehe dazu, dass ich hingefallen bin, aber ich stehe wieder auf!
Und ich hoffe, dass ich dadurch für viele andere, die ebenfalls eine schwere Krise
in ihrem Leben durchleiden, Hoffnung und Mut machen kann. Und Euch, meine
treuen Kunden und Fans bitte ich weiter um Eure Unterstützung. Vielleicht habt
Ihr ja die Zeit mir ein paar Zeilen zu schreiben, denn jeder Brief, jede Zeile
hilft mir und zeigt mir, dass es Sinn macht, was ich tue. Jedes Wort, das Ihr
an mich richtet, gibt mir ein bisschen mehr Energie und macht meinen Kampf,
den ich nunmehr aufnehmen werde, wieder sinnvoller. Denn ich habe es immer
wieder gesagt, aber vielleicht hat es mir in der Vergangenheit, als es mir gut ging,
nicht jeder geglaubt (und glaubt es mir vielleicht jetzt, wo es mir fast nicht
schlechter gehen kann):
Ich sehe meine Lebensaufgabe darin, möglichst vielen Menschen das Wissen zu
vermitteln, wie man sein Leben meistern und erfolgreicher, glücklicher und
innerlich zufriedener leben kann (auch und gerade in Zeiten von Krisen!).
Herzliche und liebe Grüße
Jürgen Höller
mfg
DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT !!!!
ath