Das Gedaechtnis der Maerkte


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calexa:

Das Gedaechtnis der Maerkte

 
24.09.03 21:47
Ratten sind ja bekanntlich ein gutes Referenzobjekt
fuer Menschen. Daraus, wie Ratten auf Medikamente,
Umweltbedingungen und Entscheidungssituationen
reagieren, kann man durchaus lernen, wie es den
Menschen in aehnlichen Situationen ergehen wird.

Nehmen wir daher einmal an, in einem Laborexperiment
faellt ploetzlich ein Stueck Kaese in den Kaefig einer
ausgehungerten Ratte. Doch gerade in den Moment, als
sie den Kaese geschnappt hat, wird ihr ploetzlich ein

heftiger Stromstoss verabreicht. Wie wird diese Ratte
sich nun beim naechsten Mal verhalten, wenn es wieder
Kaese von oben regnet?

Ich weiss die Antwort leider nicht. Doch das spiegelt
exakt die Situation wider, in der die Aktienmaerkte
sich gegenwaertig befinden. Wir sind beinahe exakt
wieder in der Situation vor der Jahrtausendwende
angelangt, als sich die Aktienkurse ebenfalls sehr
weit von den wirtschaftlichen Realitaeten abgekoppelt
hatten. Keiner weiss heute, ob die Maerkte hier zu
viel vorwegnehmen oder nicht. Auf der Basis der
jetzigen Daten sind die Kurse Wahnsinn. Sollten die
Daten sich jedoch signifikant bessern, so koennte der
Markt in das viel zu weite Fell durchaus noch
„hineinwachsen“.

Entscheidender Unterschied ist jedoch: Alle Anleger,
die nicht voellige Greenhorns und Neueinsteiger sind,
sind allesamt gebrannte Ratten. Und das merkt man
dem Markt ganz deutlich an. Wie die Fische am Koeder,
wird eher „gezuppelt“ als zugeschnappt, ein winziges
Stueck vom Kaese abgenagt – und dann sofort wieder
ausgespuckt. Denn der Schock sitzt immer noch tief.
Und niemand hat die geringste Lust, das, was in den
letzten Jahren passiert ist, auch nur haeppchenweise
noch einmal mitzumachen.

Was zukuenftig passieren wird, wird also auf jeden
Fall anders sein, als das, was in der Vergangenheit
in einer identischen Situation passiert ist. Das
liegt daran, dass alle Marktteilnehmer ihre
Erfahrungen gemacht haben und heute zum guten Teil
auf Basis ihrer Erinnerungen handeln. Doch was sind
das eigentlich fuer Erinnerungen? Ist der Prozess des
Erinnerns eher etwas Rationales oder eher etwas
Emotionales?


Quelle: doersam-briefe

So long,
Calexa
www.investorweb.de
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patznjeschniki:

Antworten

 
24.09.03 23:17
Zum menschlichen Gedächtnis:

Ich sehe das ein wenig anders. Ich bin der Meinung, der Mensch hat an sehr kurzlebiges Gedächtnis. Je weiter ein Ereignis zurückliegt, desto weniger wird es betrachtet. Deshalb macht der Mensch auch immer wieder den selben Fehler. An der Börse wechseln sich Gier und Angst ab. Aktuell scheint die Gier mal wieder zu groß zu sein. Die, die in den letzten Tagen erst eingestiegen sind, bestimmt auch wieder ettliche Kleinanleger, sind noch voll von Gier. Ich glaube, sie realisieren noch nicht, dass die Party vorbei ist.

Deswegen funktionieren ja solche Dinge wie Chartanalyse ausgezeichnet, weil sich der Mensch in der Masse gesehen immer und immer wieder gleich verhält. Und er wird es weiter tun.


Zum Erinnern:

Meiner Meinung nach ist die Erinnerung eine reine Gefühlssache. Oder anders. Im ersten Teil hab ich geschrieben, dass wir schnell vergessen. Deshalb handeln wir im Hier und Jetzt als Masse gesehen, an der Börse trifft dies zu, ausschließlich emotional. Ich denke, dass ist jedem, der sich mit Börse beschäftigt, in den letzten Wochen aufgefallen.

Man ärgert sich, wenn die Märkte steigen und man ist nicht dabei oder hat gar die falsche Richtung gewählt. Mir ging es zumindest so. Dann, letzte Woche hab ich mich endlich durchgerungen, long zu gehen. Wie die Umfragen von Sentix und AnimusX zeigten, gleichzeitig mit vielen anderen. Ich war ein Glied der funktionierenden Masse.

Es war zu spät, denn wenn zu viele gekauft haben, wer soll ihnen dann die Stücke abkaufen. Ich habe genau in den Wechsel von steigenden auf fallende Märkte hinein gekauft, wie viele andere. Nicht etwa, weil ich mich an 2ooo erinnerte, oder das, was davor kam.

Sondern weil ich das Gefühl nicht mehr ertragen konnte, nicht dabei zu sein. Rein emotional also. Wer nicht von solchen oder ähnlichen Gefühlen geplagt war, der soll die Hand heben - Herzlichen Glückwunsch, sie sind ein Handelssystem!


patzi
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Mr Fragezeich.:

also ich erinnere mich,

 
24.09.03 23:33
dass es in den letzten 100 Jahren immer so war, dass es nach einem Crash immer neue Hochs gab. Also der Crash war da. Warum soll jetzt schon wieder ein Crash kommen.
Antworten
patznjeschniki:

Die Frage ist nicht, warum ein neuer kommen...

 
24.09.03 23:36
soll, sondern, ob der Crash seit 2ooo beendet ist. Ist das so?


patzi
Antworten
calexa:

@ patz

 
25.09.03 08:09
Ich denke nicht, daß er vorbei ist. Denke an das "Bouncing of the dead cat"-Phänomen: eine tote Katze, die auf den Boden aufschlägt, springt noch einmal kurz hoch, bevor sie liegen bleibt.....(etwas makaber, trifft aber auch auf die Börse zu).

So long,
Calexa
www.investorweb.de
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