Das Ende des Dollars als Weltwährung


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Pate100:

Das Ende des Dollars als Weltwährung

 
07.03.05 15:05

meiner Meinung nach ist es nicht mehr eine Frage
ob sondern wann der Dollar einbricht
bzw. als weltwährung abgelöst wird!

Goodby USA,  HELLO Eurasien!

 

Dollar unter Druck

Jürgen Elsässer 05.03.2005

Zur Verteidigung der Zahlungsfähigkeit der USA ist Kontrolle über das Öl im Nahen Osten wichtig, aber es geht eigentlich um eine Weltwährungsschlacht Dollar gegen Euro

Ende Februar erlitt der Dollar den stärksten Absturz gegenüber dem Euro seit einem halben Jahr: In zwei Tagen verlor er 1,5 Cent. Vorausgegangen war die Ankündigung eines südkoreanischen Zentralbankers, der eine Diversifizierung der Devisenreserven des Landes ankündigte, also eine schrittweise und teilweise Abkehr von der US-Währung. Bereits einen Tag später dementierte die Zentralbank ganz offiziell, der Dollar <?XML:NAMESPACE PREFIX = TP />[extern] erholte sich wieder. Doch wie war es möglich, dass eine halboffizielle Äußerung die Börsen auf der ganzen Welt einige Stunden in Panik versetzen konnte? Ist der Dollar nicht das Geld der mächtigsten Nationalwirtschaft des Planeten, der Schmierstoff der globalen Ökonomie seit 1945?

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Das Ende des Dollars als Weltwährung 1847224

Der Traum eines jeden Konsumenten: Man bezahlt seine Einkäufe mit Schecks, die von den Geschäftsleuten niemals eingelöst werden. Man begleicht die Rechnungen mit fantasievollen Papierschnipseln und seiner guten Unterschrift, ohne dass das eigene Konto jemals belastet wird. Eine Geschichte aus dem kapitalistischen Schlaraffenland? Nein und doch ja. Was für den einzelnen unvorstellbar ist, ist seit Jahrzehnten Realität für die US-Nationalökonomie. Sie kauft Waren bei anderen Volkswirtschaften und bezahlt die Importe mit grünen Scheinchen, die von der Federal Reserve nach Belieben nachgedruckt werden ([local] Operettenimperialismus).

Doch seit immer offensichtlicher wird, dass die Dollarflut durch die Wirtschaftsleistung der USA nicht mehr gedeckt ist, hat der [extern] Absturz des Dollar begonnen. In den letzten drei Jahren hat die US-Währung 35 Prozent Wert gegenüber dem Euro und 24 Prozent gegenüber dem japanischen Yen verloren; allein seit Oktober beläuft sich die Wertverlust auf insgesamt sieben Prozent. Zieht man den historischen Vergleich etwas weiter und nimmt statt des Euros die Deutsche Mark, so wurde das Geld der Yankees gegenüber dem Geld der Krauts seit 1960 um zwei Drittel abgewertet. Damals musste man für den Greenback vier DM zahlen, zur Zeit wären es nur noch etwa 1,30 DM.

Hauptgrund dieser Entwicklung ist die Schwäche der amerikanischen Wirtschaft. Manche der von ihr hergestellten Produkte sind so schlecht oder so teuer, dass sie sich auf dem Weltmarkt nicht mehr behaupten können. Da die US-Exporte sich im Ausland weniger absetzen lassen und selbst auf dem Binnenmarkt zunehmend ausländische Produkte bevorzugt werden, klafft ein immer größeres Loch in der US-Außenhandelsbilanz. Dessen [extern] Wachstum ist exponentiell: 1992 betrug es 50 Milliarden US-Dollar, 1998 245 Milliarden, 2000 435 Milliarden Dollar, für das Jahr 2004 werden 630 Milliarden Dollar, für 2006 gar 825 Milliarden Dollar prognostiziert - über [extern] acht Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP). Zum Vergleich: In Deutschland würden acht Prozent des BIP einem Handelsminus von umgerechnet 130 Milliarden US-Dollar entsprechen; statt dessen wies der deutsche Außenhandel aber im Jahre 2004 ein Plus von knapp 156 Milliarden Euro aus ([local] Armes Deutschland, reiches Deutschland).

Zur Finanzierung der Importe druckte die US-Notenbank zusätzliches Geld, und die öffentliche Hand wie Privatunternehmen legten gutverzinste Schuldtitel und andere Wertpapiere auf, die vom Ausland [extern] aufgekauft wurden. Dies ließ parallel zum Leistungsbilanzdefizit auch die Außenverschuldung der USA explodieren.

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Ende der siebziger Jahre waren die USA Netto-Gläubiger mit Forderungen an das Ausland in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar, im Jahre 1982 erreichten diese Forderungen mit 231 Milliarden US-Dollar ihr Maximum. Doch kurz darauf kam die Wende in die roten Zahlen: Seit 1985 sind die USA - Staat, Wirtschaft, Privathaushalte - an das Ausland verschuldet. Im September 2001 betrug die Brutto-Schuld 7.815 Milliarden US-Dollar, verrechnet mit eigenen Forderungen an das Ausland bleibt immer noch eine Netto-Verschuldung in Höhe von 3.493 Milliarden Dollar übrig. Bei einem BIP der USA von etwa 10.000 Milliarden Dollar beträgt die Auslandsverschuldung damit knapp 35 Prozent. Zum Vergleich: Die DDR wurde im Oktober 1989 von einer Arbeitsgruppe des Politbüros für bankrott erklärt, weil sie eine Westverschuldung von 49 Milliarden Valutamark hatte. Das waren lediglich 16 Prozent des BIP der DDR.

Bushs globaler Keynesianismus

Die USA finanzieren die Weltwirtschaft, aber sie finanzieren sie nicht mit ihrer eigenen Wirtschaftsleistung, sondern auf Pump. Die Amerikaner verwandeln das vom Ausland geliehene Kapital in Nachfrage nach Produkten anderer Nationalökonomien und kurbeln so die weltweite Konjunktur an.

Auch die NS-Wirtschaftspolitik fußte auf Staatsverschuldung und darüber finanzierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Dazu wurden fiktive Firmen wie die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten (Öffa) und Metallurgische Forschungsgemeinschaft (MeFo) gegründet, auf deren Namen Wechsel ausgegeben wurden. Seit 1936 wurden überhaupt keine Haushaltspläne und keine Bilanzen über die Reichsschuld mehr veröffentlicht. Die Gesamtsumme der Mefo-Wechsel war bereits auf über 40 Milliarden Reichsmark gestiegen.

Der Zusammenhang zwischen Arbeitsplatzbeschaffung und Kriegsvorbereitung in Nazi-Deutschland ist bekannt: Die Autobahnen waren ein ABM-Programm für Millionen und ließen später die Panzer schneller an die Ostfront rollen. Der Krieg stopfte dann die Löcher im Budget: Der Raub von konstantem und variablem Kapital (d.h. Rohstoffen und Arbeitssklaven) sorgte für die Wertdeckung der aufgeblähten Geldmenge in Nazi-Deutschland. Als am 8. Mai 1945 der grausige Spuk zu Ende war, explodierte die vorher politisch-militärisch zurückgestaute Inflation.

Ölmarkt auf Eurobasis?

Bush und Fed-Chef Alan Greenspan müssen das selbe fürchten wie Hitler und Reichsbanker Hjalmar Schacht: Dass die inflationäre Geldblase nur solange nicht platzt, wie ihre Armeen von Sieg zu Sieg eilen. Für den Dollar (und dollarnominierte Wertpapiere) gilt heute, was für die Reichsmark im Zweiten Weltkrieg galt: Die Anleger glauben den aufgedruckten Wert nur, solange jedermann jederzeit und an jedem Ort mit militärischer Gewalt gezwungen werden kann, die Papierschnipsel in Waren einzutauschen. Je tiefer die US-Ökonomie in die roten Zahlen rutscht, um so aggressiver muss die US-Außenpolitik auftreten.

Gälte das Gesetz von Angebot und Nachfrage, wäre der Dollar längst schon viel tiefer gestützt. Reiche Ausländer und internationale Privatfonds ziehen seit zwei Jahren Kapital aus Dollaranlagen ab. Nur der ständig wachsende Aufkauf der US-Währung durch die Nationalbanken in Tokio und Peking stützt den Greenback noch, sie haben mittlerweile Dollarreserven in Höhe von 800 bzw. 600 Milliarden Dollar aufgehäuft. Japaner und Chinesen wollen durch diese Politik die US-Währung hoch und ihre eigene niedrig - und damit ihre Exporte in den Dollarraum konkurrenzfähig - halten. Doch wie lange werden sie es sich noch leisten können, ihr gutes Geld dem schlechten amerikanischen nachzuwerfen? Das anfänglich erwähnte Verkaufssignal aus Südkorea, das Reserven in Höhe von 200 Milliarden Dollar hält, war von den internationalen Finanzmärkten als Anzeichen gewertet worden, dass in Fernost etwas ins Rutschen kommen könnte - daher die Panik.

Das Ende des Dollars als Weltwährung wäre erreicht, wenn der internationale Ölhandel nicht mehr auf Dollarbasis abgewickelt würde. [extern] Vorreiter dieser Entwicklung war der Irak. Ende des Jahres 2000 stellte Saddam Hussein die Fakturierung der irakischen Ölexporte auf Euro um. Dies wurde nach der Eroberung des Iraks durch die USA wieder rückgängig gemacht, und die OPEC insgesamt hat unter dem Eindruck der US-Truppen in Bagdad im Mai 2003 förmlich beschlossen, am US-Dollar als Rechnungseinheit festzuhalten.

Doch weiterhin liebäugeln Staaten, die von den USA bedroht werden, mit einer Umstellung der Öl-Exporte auf Eurobasis. Entsprechende Überlegungen gibt es etwa in Venezuela, woher ein Viertel der US-Öleinfuhren kommen, und in Russland (das übrigens der OPEC nicht angehört). So veröffentlichte die Moscow Times im Oktober 2003 einen Artikel unter der Überschrift: [extern] Putin: Warum Öl nicht in Euro abrechnen? Bereits Ende 2002 wechselte Nordkorea vom US-Dollar zum Euro - das Land exportiert allerdings kein Öl.

Iran fordert seit dem Jahr 2003 begonnen die Bezahlung von - in US-Dollar ausgestellten - Rechnungen für Öllieferungen in Euro. Zuvor hatte Teheran bereits das Gros seiner Devisenreserven auf Euro umgestellt - eine Entwicklung, die auch in Russland begonnen hat.

Sowohl im Irak wie bei den möglichen Kriegen gegen die eben genannten Staaten geht es also nicht in erster Linie um "Blut für Öl", sondern um die Verteidigung der Zahlungsfähigkeit der USA, wofür die Kontrolle über das Öl allerdings nicht unwichtig ist. In letzter Konsequenz wird jedoch kein Rohstoffkrieg geführt, sondern eine Weltwährungsschlacht - Dollar gegen Euro (siehe auch [local] Der Euro als Wunderwaffe).

Von [extern] Jürgen Elsässer ist gerade das Buch "Wie der Dschihad nach Europa kam. Gotteskrieger und Geheimdienste auf dem Balkan (NP-Verlag) erschienen.

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bammie:

ja ach,

 
07.03.05 15:38
sehr interessanter Artikel,.... diejenigen die das schon vorher wußten/ahnten wie auch immer, wurden bisher als Spinner abgestempelt.

Da werden einige bald nix mehr zu lachen haben. Aber das ist noch lang hin, der Drang zum Euro wird kontinuierlich stärker.


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Pate100:

denke auch das wird noch nen weilchen

 
07.03.05 15:43
dauern. Aber ich glaube/hoffe schon, das ich es noch miterleben werde!

Das amerikanische System ist am ende. Die Zukunft gehört Asien/Eurasien!
knappe 200 Jahre sind auch mehr als genug...


Gruss Pate


Antworten
Slater:

@pate

 
07.03.05 15:52
sehe ich nicht so. Das amerikanische System ist noch lange nicht am Ende.

Nur dieser "Walker" muß weg. Dann geht es wieder aufwärts.

Gerüchte besagen das eine Frau Monica Lewinsky dort ein zweites Praktikum begonnen hat...
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Pate100:

auch ein anderer wird es schwer haben

 
07.03.05 16:10
den Karren aus dem Dreck zu ziehen!
Man sollte zwar die Ami's nie unterschätzen aber die Probleme
sind momentan so gewaltig das es in meinen Augen fast
unmöglich ist, den langsamen Prozess des Untergans aufzuhalten.  

Vielleicht schaffen sie's ja, da sie ziemlich pragmatisch und flexibel sind aber
den Zenit der Macht haben sie meiner Meinung nach schon erreicht.

In 30,40,50 Jahren wissen wir mehr...:-)


Gruss
Pate
Antworten
bammie:

das kann sich über Jahrzehnte hinziehen

 
07.03.05 16:14
ich denke aber, das die Gegengewichte auf der Waage sich mehr und mehr ausgleichen werden.
Und hier kommen wieder die Elastizitäten der globalen Kräfte zum Vorschein.



greetz
Antworten
Slater:

Vergeßt bitte nicht, nicht alles aus USA ist

 
07.03.05 16:25
schlecht. Nehmt das Potential der Elite Universitäten: Harvard, Wharton Business School, Princeton, MIT, Stanford, Berkley...
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Pate100:

"Don`t fight the FED"

 
08.03.05 11:36
passt ganz gut zum oberen Artikel denke ich....

"Don`t fight the FED"
Der Spruch ist zwar allgemein bekannt, doch kaum jemand macht sich ernsthaft Gedanken darüber, warum man nicht gegen die Notenbanken "ankämpfen" soll. Deshalb wird auch kaum bedacht mit welch folgenschweren Konsequenzen meist zu rechnen ist, wenn man mit seiner Anlage- oder Spekulationsstrategie gegen die Interessen der Notenbanken agiert.

Dies betrifft nicht nur breite Anlegerkreise, sondern gilt auch für viele "Professionals" in der Branche. Zu den wohl wichtigsten Aufgaben der Notenbanken zählt, die Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte aufrecht zu erhalten und mögliche Zusammenbrüche an den Märkten rechtzeitig abzuwenden.

In den letzten Jahrzehnten wurden weltweit Schulden in Dimensionen angehäuft, welche in der gesamten Menschheitsgeschichte wohl einmalig sind. Staaten, Länder und Gemeinden haben Jahr um Jahr exorbitant hohe Defizite gebaut und auf die Köpfe der Bürger und die der kommenden Generationen atemberaubende Schuldenberge aufgetürmt. Gleichzeitig haben sich auch weite Βεvölkerungskreise und Unternehmen in einem vergleichbaren Ausmaß verschuldet.

Es steht absolut außer Zweifel, dass diese Schulden wohl niemals mehr regulär rückzahlbar sind. Wenn es schon nicht möglich war in den Jahrzehnten der Hochkonjunktur ausgeglichene Budgets zu erzielen, wie sollte es nunmehr möglich sein?

Ein Zusammenbruch der Anleihenmärkte und (oder) letztlich auch der Währungen mit einer weltweiten "echten Weltwährungsreform" wird absehbar. Doch bis dahin gilt: Das "Riesen-Schulden-Karussel" muss noch "aufrecht erhalten" werden. Es darf nicht vorzeitig einbrechen.

(Ich gehe davon aus, dass frühestens 2008 und spätestens 2012 mit dieser Weltwährungsreform zu rechnen sein wird. Bis dahin stehen uns aber noch "schlimme Jahre" bevor. Die erste Währungsreform im 20. Jahrhundert erfolgte nach dem 1. Weltkrieg, die zweite Währungsreform sodann nach dem 2. Weltkrieg).


Anleihen

Als Kapitalanleger sollte man beachten, dass die Notenbanken gewisse Anlagen der Privatanleger befürworten und wohlwollend sehen. Andererseits hat man bei bestimmten Anlagen und Spekulationen die Notenbanken absolut zum Gegner.

Kapitalanleger, welche mithelfen das Schulden-Karussell aufrecht zu erhalten, sind zweifellos gern gesehen. Sie dürfen nicht "vorzeitig vergrault werden". Als Anleihenbesitzer braucht man sich vor Interventionen der Notenbanken gegen diese Anlagen nicht zu fürchten. Dafür sollte man aber bedenken, dass das Bonitätsrisiko permanent ansteigt (wer hätte vor wenigen Jahren damit gerechnet, dass Konzerne wie etwa Karstadt/Quelle oder Opel usw. jemals in Schwierigkeiten geraten könnten?).

Doch nicht nur das Bonitätsrisiko, sondern auch das Währungsrisiko steigt beständig. Da in diesem Inflationsjahrzehnt - gleich wie in den 70er Jahren - die Zinsen kräftig anziehen werden, sind auch mittelfristige Kursverluste absolut sicher. Letztlich wird aber noch bei all diesen Geldwertanlagen das Totalverlustrisiko unvermeidbar. Spätestens bei der Hyperinflation bzw. Welt-Währungsreform wird es zu tragen kommen.

Wer jetzt noch mittel- oder längerfristig auf ANLEIHEN oder GELDWERTANLAGEN vertraut, legt ein unverantwortliches Maß an Naivität an den Tag.


Aktien

Veranlagungen in Aktien seitens der Privatanleger werden von den Notenbanken - grundsätzlich - befürwortet. Doch die Aktienmärkte und Anleihenmärkte stehen auch in einem Konkurrenzverhältnis. Wann immer an den Aktienbörsen über eine längere Zeitspanne hinweg kräftige Kursanstiege verzeichnet werden, geht den Bondmärkten die Luft aus. Wenn nämlich an den Aktienbörsen der Eindruck entsteht, dass ziemlich sicher Gewinne in Dimensionen von 15% bis 50% p.a. erzielt werden können, nimmt die Zahl jener Anleger ab, die sich mit Anleihenrenditen im unteren, einstelligen Prozentbereich begnügen.

Es wird beispielsweise kaum die Tatsache beachtet, dass bei einem Aktien-Crash (wenn dieser mit einem Kollaps der Rohstoffpreise einhergeht) abrupte panik- und fluchtartige Umschichtungen in Milliardenhöhe in die Anleihenmärkte erfolgen. Ein Aktiencrash wird daher oft zum Rettungsanker für die Anleihenmärkte. Ob daraus Rückschlüsse zu ziehen sind, ist nicht Gegenstand dieses Artikels.

Die privaten Baisse- und Crash- Spekulanten am Aktienmarkt müssen mit einer Gegnerschaft "Notenbanken" rechnen. Es liegt absolut nicht im Interesse der Notenbanken, dass Privatanleger vom Niedergang der Aktienmärkte profitieren. Sollte dieses Beispiel Schule machen, dann nimmt die Gefahr erheblich zu, dass die Märkte von den Privatanlegern "zugrunde spekuliert werden". Baisse- und Crash- Spekulanten müssen daher damit rechnen, dass die Notenbanken absolut ihre direkten Gegner sind. Unfair daran ist, dass die Privatanleger sich meist dieser Gegnerschaft nicht bewusst sind und natürlich auch nicht gewarnt werden.

Wie zufällig kommt es daher immer wieder zu Entspannungen an den Märkten, welche in Wirklichkeit aber auf handfeste Interventionen der Notenbanken zurückzuführen sind. Es ist daher kein Zufall, dass es kaum "private Baisse-Spekulanten" an den Aktienmärkten gab und gibt, welche von massiven Kurseinbrüchen oder Crash's profitieren konnten.

Derartige Spekulationen von Privatanlegern enden meist mit Extremverlusten. Und dies ist wahrlich kein Zufall. Wann immer es an den Aktienbörsen zu gewaltigen Finanzblasen mit extremen Überbewertungen gekommen ist, wurde ein Zusammenbruch absehbar. Obwohl diese gewaltigen Kurseinbrüche dann auch tatsächlich stattgefunden haben, sind kaum private Spekulanten bekannt, welche davon in großem Stil profitieren konnten. Der Grund dafür lag immer daran, dass die Baisse-Spekulanten vor dem erwarteten, großen Crash nochmals "ausgerottet" wurden. Dies ist in der Form erfolgt, dass nach den wilden Kursexzessen vorerst einmal "falscher Crash-Alarm" gegeben wurde.

Also vor dem Oktobercrash 1929 war im Frühjahr eine verdächtige, längere Kursschwäche feststellbar und ein unmittelbar bevorstehender Crash wurde angekündigt. Damit wurden die meisten der Realisten und Skeptiker, welche dem hysterischen Treiben an den Aktienmärkten schon lange misstraut hatten dazu verleitet, Baisse-Spekulationen zu tätigen. Urplötzlich hat sich nach einer längeren Unsicherheitsphase die Lage aber wieder aufgehellt und an Stelle eines Crash's kam es noch zu einer gewaltigen Sommerrallye an den Aktienbörsen. Der Crash stellte sich sodann erst im Oktober ein, als die meisten Baisse-Spekulanten zuvor noch "abkassiert und ausgerottet" wurden! Genau dieses Muster war auch vor dem Oktobercrash von 1987 feststellbar.

Und zum "Crash 2000" wäre anzumerken: Von Mitte Jänner 2000 ist der Dow Jones Index bis zum Oktober 2002 verkommen. (Andere Indizes sind allerdings in dieser Zeitspanne noch sehr viel stärker gefallen).
Im Herbst 1999 war von allen Seiten zu hören, dass erhebliche Gefahren bezüglich eines Crash's zur Jahrtausendwende bestünden. Wegen diesem angeblich bevorstehenden "Jahr 2000 (Y2K) - Crash" haben Millionen Anleger weltweit - welche dem verrückten Treiben an den Aktienbörsen schon die längste Zeit misstraut haben - noch kurzfristige Baisse-Spekulationen in einem ganz erheblichen Ausmaß getätigt.

(Dabei wurden meist folgende Überlegungen angestellt: Es macht doch keinen Sinn langfristige Puts zu kaufen, wenn der Crash zwischen dem 31. Dezember 1999 und dem 2. Jänner 2000 stattfinden wird).

Von Oktober 1999 bis Mitte Jänner 2000 wurde aber der Dow Jones noch von 9970 auf 11750 hochgezogen. Damit waren all diese kurzfristigen Put-Optionen wertlos. Nachdem die Baissiers "ausgeweidet und ausgeschaltet" waren, hat ab Mitte Jänner dann der "wahre" große, langfristige Kursverfall eingesetzt.

Übrigens: Die Abonnenten des Midas-Investment-Reports wurden im Jahr 1999 vor einer - etwa zur Jahrtausendwende einsetzenden - Extrembaisse gewarnt. Dabei wurde aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieser Crash etwa 2½ Jahre bis zum Oktober 2002 anhalten wird. Eine derart konkrete Warnung und einsame Prognose war einmalig in der gesamten Branche. Unsere Abonnenten wurden durch diese konkreten Warnungen vor großen finanziellen Verlusten bewahrt. Etliche Midas-Abonnenten konnten in diesen 2½ Jahren auch erhebliche Gewinne durch den Niedergang der Märkte erzielen.


Merke

Die breite Masse darf niemals vom Niedergang der Märkte Profite ziehen. Das Risiko, dass diese die Börsen durch massive Baisse-Spekulationen zum totalen Einsturz bringen könnten, ist viel zu groß. Aktien-Baisse-Spekulanten müssen daher von den Notenbanken immer wieder ausgerottet werden!

Der "Crash 2000" stellt eigentlich nur den Auftakt einer langfristigen Extrembaisse dar. Der Teil 2 des Aktiendesasters sollte uns im Jahr 2005 bevorstehen. Ohne mich darauf verbeissen zu wollen, ein neuerlicher Absturz des DAX in den Bereich 2000 ist dabei im nächsten Jahr nicht auszuschliessen! Diese Prognose ist ebenfalls wieder sehr einsam.


Inflations-Spekulanten: Gold- & Silber-Anlagen

Auch Inflations-Spekulanten dürfen niemals "Überhand gewinnen". Inflationsspekulanten erwarten steigende Zinsen und verdienen an fallenden Anleihenkursen. Sie verkaufen Anleihen und Aktien und kaufen Gold. Die Goldanleger heben sich von der breiten Masse ab. Ihre Handlungsweise lässt erkennen, dass sie entweder klar erkannt haben, oder aber zumindest intuitiv ahnen, dass - wegen der totalen Überschuldung - am Ende der gegenwärtigen Entwicklung, der Niedergang des Finanz- und Währungssystems stehen muss.

Sie haben aus den Erfahrungen der letzten Jahrtausende gelernt, dass mit Gold letztlich noch immer alle Kriege, Revolutionen, Inflationen, Hyperinflationen und Währungsreformen ohne finanzielle Verluste überstanden wurden. Oft sogar mit erheblichem Wertzuwachs.

Was diese Goldanleger aber sehr oft nicht bedenken ist der Umstand, dass diese Einstellung von den Notenbanken mit größtem Argwohn verfolgt wird. Sollte dieses "ketzerische Gedankengut" von breiten Bevölkerungskreisen übernommen werden, dann würden alle Geldwertanlagen (Anleihen, Sparkonten, …) aufgelöst werden und eine Massenflucht ins Gold einsetzen.

Das System wäre damit vom Zusammenbruch bedroht. Genau dies gilt es zu verhindern. Aus diesem Grund müssen Goldanleger auch immer wieder bestraft werden. Dieser Artikel wurde übrigens nicht deshalb geschrieben, um Anleger von Goldanlagen abzuhalten und in die Anleihenmärkte zu treiben.



Ganz im Gegenteil! Er soll vielmehr aufzeigen: Es gibt keine Alternative zur Flucht ins Gold!


Dabei ist aber größte Vorsicht geboten. Auf die möglichen Interventionen seitens der Notenbanken muss man immer vorbereitet sein. Dies setzt jedoch voraus, dass man derartige Interventionen kennt bzw rechtzeitig erkennen kann.


© Johann A. Saiger
   Quelle: Sonderausgabe IX/2004 des Börsenbriefes "Der Goldbrief"  
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bammie:

Wäre die Weltwährungsreform, wenn sie käme,

 
08.03.05 13:13
mit einer Umstellung des Euros als Leitwährung zu verbinden ? (nur so als Gedankengang)

Das "ausrotten" der Spekulanten, kennen wir doch auch im kleinen Stil, börsentäglich bei den Knockouts :)


Der Artikel beinhaltet den Kampf der Spekulanten gegen die Notenbanken und umgekehrt. Was ist aber mit den "vielen" Notenbanken untereinander ? Beispielsweise die Fed gegen die asiatischen, jeder agiert schließlich in seinem eigenen Interesse. Gibt es hier ebenfalls Meinungen ?
Antworten
bammie:

nochmal up

 
09.03.05 07:05
Keine Meinungen oder traut sich wohl niemand ?

@Slater, die Universitäten sind herausragend, keine Frage, aber die Geldpolitik spricht eine andere Sprache. Und diesbezüglich werden früher oder später Veränderungen geben, ich erinnere nochmal an die Aussage Greenspans, er sagte, das unbekannte Strukturen am Horizont aufziehen.


greetz
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