"das" denkt das ausland über unser "sommer"theater


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"das" denkt das ausland über unser "sommer"theater

 
18.07.02 17:53
>> Les Echos aus Frankreich

nimmt die Taktik des deutschen Bundeskanzlers ins Visier: „Als Kanzler werde ich ein Manager sein, der Präsident der Deutschland AG“, hatte Gerhard Schröder 1997 erklärt, als er noch Ministerpräsident von Niedersachsen war. Nach seiner Wahl 1998 ist der Kanzler seiner Vorstellung von der Wirtschaft treu geblieben. In der Hoffnung, die Stimmen von drei Millionen vom Börsenkurs der Telekom enttäuschten Aktionären einzufangen, hat Gerhard Schröder die Ablösung von Ron Sommer an der Spitze der Deutschen Telekom arrangiert.“


>> The Wall Street Journal, USA, beschäftigte sich mit Voicestream: „Ron Sommer musste gehen. Die mit 33 Mrd. Euro völlig überteuerte Übernahme des US-Telefonbetreibers Voicestream – Sommers Werk – brach der Telekom das Genick. Heute steht der Konzern am Rande einer Schuldenkrise. Sommer hätte seinen Fehler korrigieren können, wenn er Voicestream mit einem größeren Konkurrenten verschmolzen hätte. Doch er wollte nichts von seiner Macht abgeben. Als er dann endlich dazu entschlossen schien, hatten ihn die Ereignisse schon überrollt: Die Papiere des Telekom-Konzerns waren drastisch eingebrochen. Ganz gleich, ob Sommer Voicestream letztlich noch verkauft hätte oder nicht: Er wäre aus der Sache auf jeden Fall als Verlierer hervorgegangen.“



>> The Guardian, Großbritannien, sieht in Sommers Rücktritt einen Trend: „Obwohl Sommer eher das Opfer politischer Interessen als seiner unternehmerischen Verantwortung geworden ist, könnte sein Abgang den Trend in Kontinentaleuropa verstärken, dass die Verantwortung letztlich im Vorstandszimmer liegt. Diesen Monat verließ Jean-Marie Messier Vivendi Universal. Im Juni kündigte Paolo Cantarella als Chef bei Fiat. Und Schweizer Versicherungen haben gleich einige Top-Abgänge zu melden. Doch diese Schwalben in Kontinentaleuropa machen noch lange keinen Sommer in Sachen angelsächsischer Unternehmens- verantwortung. Der deutsche Kanzler Gerhard Schröder, der letzte Woche prahlerisch das Bild vom rheinischen Kapitalismus polierte, als George Bush die Wall-Street-Cowboys attackierte, sollte lieber überlegen, ob der Weggang von Sommer nicht auch unbeabsichtigte Folgen haben wird. Wenn sich einmal die Verbindung zwischen schwachem Aktienkurs und abtretendem Konzernchef in die öffentliche Wahrnehmung eingeprägt hat, wird man dies nicht so leicht stoppen können.“



>> Il sole 24 ore aus Italien ist der Meinung, dass der Kanzler alles auf eine Karte gesetzt hat: „Mit einer umstrittenen Entscheidung ist es der Bundesregierung gelungen, den Chef der Deutschen Telekom von seinem Amt zu entfernen und gleich zwei Führungskräfte für eine Übergangs- zeit auf die Position zu hieven. Die Entscheidung könnte Auswirkungen auf die Bundestagswahlen im September haben. Da sich die rot-grüne Mehrheit in Meinungs- umfragen im Rückstand gegenüber der christdemokratischen Opposition befindet, hat sie alles auf eine Karte gesetzt. Viele Beobachter fragen sich jedoch, ob der Beschuss Ron Sommers sich nicht als ein Bumerang für Gerhard Schröder erweisen könnte.“  
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