Die Jerini AG (FSE JI4) hat heute die Ergebnisse zweier Schlüsselstudien der Phase III (FAST-1 und FAST-2) zur subkutanen Behandlung des hereditären Angioödems (HAE) bekannt gegeben. Phase-III-Studien sind zentrale Meilensteine in der Entwicklung eines jeden neuen Medikamentes. Ihre Ergebnisse zur Wirksamkeit sind maßgeblich für die Marktzulassung der neuen Behandlungsform.
Für die FAST-2 Studie wurde der primäre Endpunkt mit einem signifikanten Rückgang der Zeit bis zum Beginn der Symptombesserung erreicht. Die Ergebnisse der FAST-1 Studie waren klinisch relevant, jedoch wurde der primäre Endpunkt nicht erreicht. Eine unterstützende Auswertung, bei der beide Studien zusammengefasst wurden, zeigte einen signifikanten Rückgang der Zeit bis zum Einsetzen der Symptombesserung. Sekundäre Endpunkte wie die Angaben von Patienten und Ärzten für die Zeit bis zur ersten Besserung der Symptome bzw. für die Zeit bis zum fast vollständigen Rückgang der Symptome zeigten hochsignifikante Ergebnisse zugunsten von Icatibant. Auf der Grundlage der klinisch relevanten und einheitlichen Ergebnisse aus den zwei Studien beabsichtigt das Unternehmen wie geplant zum Ende des Jahres 2006 bei der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) sowie der europäischen Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMEA) ein beschleunigtes Zulassungsverfahren zu beantragen mit einer möglichen Markteinführung im Jahr 2007.
In der FAST-2 Studie, die Icatibant gegen Tranexamsäure verglich, wurden 74 Patienten aus Europa und Israel eingeschlossen. Der primäre Studienendpunkt mit der medianen Zeit bis zum Einsetzen der Symptombesserung wurde erreicht. Die anhand einer visuellen Analogskala (VAS) gemessene Zeit betrug für Icatibant 2 Stunden im Vergleich zu 12 Stunden für Tranexamsäure (p<0,001). Die Auswertung sekundärer Endpunkte ergab ebenfalls statistisch signifikante Unterschiede zu Gunsten von Icatibant. Der Zeitraum bis zur Besserung von Hauptsymptomen, die anhand eines vorher festgelegten Rückganges des VAS-Wertes bestimmt wurde, war hochsignifikant für Hautschwellungen (p<0,001), für Schmerzen der Haut (p=0,002) und Schmerzen im Abdominalbereich (p=0,028). Ein anderer klinisch relevanter Zeitpunkt, zu dem Patienten einen fast vollständigen Rückgang der Symptome zeigten, der ebenfalls mittels VAS bestimmt wurde, betrug für Icatibant 0,4 Tage im Vergleich zu 1,5 Tagen für Tranexamsäure (p<0,001). Die Wirksamkeit von Icatibant wird zusätzlich verdeutlicht durch den Zeitpunkt, an dem die Patienten zuerst über eine Besserung der Symptome berichteten. Die Medianzeiten lagen für Icatibant bei 0,8 Stunden im Vergleich zu 7,9 Stunden für Tranexamsäure (p<0,001). Icatibant wies in dieser Studie ein ausgezeichnetes Sicherheitsprofil auf.
In der FAST-1 Studie wurde Icatibant gegen Placebo verglichen. 56 Patienten aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Argentinien wurden in die Studie aufgenommen. Der primäre Endpunkt, wiederum die mediane Zeit bis zum Beginn der Symptombesserung, lag für Icatibant bei 2,5 Stunden und für Placebo bei 4,6 Stunden. Obwohl der Unterschied klinisch relevant ist, erreichte er keine statistische Signifikanz (p=0,131), was durch eine unerwartet hohe Placeborate bei Patienten mit Schmerzen im Abdominalbereich bedingt war. In zwei Subgruppen-Analysen hingegen wurde der primäre Endpunkt erreicht (p=0,025 und p=0,024). Weitere Auswertungen werden zurzeit durchgeführt. Der Zeitraum bis zur Besserung von Hauptsymptomen, die mittels VAS gemessen wurde, war statistisch signifikant für den Rückgang von Hautschwellungen (p=0,032) sowie für Schmerzen der Haut (p=0,007) und erreichte fast statistische Signifikanz für Schmerzen im Abdominalbereich (p=0,056). Der klinisch relevante Zeitpunkt, an dem Patienten einen mittels VAS bestimmten fast vollständigen Rückgang der Symptome aufwiesen, lag für Icatibant bei 0,4 Tagen im Vergleich zu 1,5 Tagen für Placebo (p=0,035). Die Wirksamkeit von Icatibant wird weiterhin hervorgehoben durch den Zeitpunkt, zu dem die Patienten zuerst über eine Besserung der Symptome berichteten. Die medianen Zeiten lagen für Icatibant bei 0,8 Stunden, während sie für Placebo 16,9 Stunden betrugen (p<0,001). Icatibant zeichnete sich in dieser Studie durch ein ausgezeichnetes Sicherheitsprofil aus.
Die medianen Zeiten bis zum Einsetzen der Besserung von Symptomen, die von Icatibant-behandelten Patienten in beiden Studien angegeben wurden, stimmen mit den Ergebnissen einer von Jerini durchgeführten Phase-II-Studie überein.
Weitere Belege für die Wirksamkeit von Icatibant ergeben sich aus der gemeinsamen Analyse von FAST-1 und FAST-2. In dieser Auswertung wurde ein signifikanter Rückgang der Zeit bis zur Symptombesserung erreicht (p<0,001). Auch für die in die gemeinsame Auswertung aufgenommenen sekundären Endpunkte konnten signifikante Ergebnisse gezeigt werden. Die Daten aus beiden Studien stimmen in hohem Maße überein, was die ausgezeichnete Wirksamkeit von Icatibant in der Behandlung des hereditären Angioödems untermauert.
Unter der Behandlung lebensbedrohlicher Kehlkopfattacken mit Icatibant konnte ein klinisch relevanter Rückgang des Zeitraums bis zum Einsetzen der Symptombesserung gezeigt werden. In dem kontrollierten Studienabschnitt betrug die von 11 Patienten angegebene mediane Zeit bis zur ersten Symptombesserung 1 Stunde (FAST-2) bzw. 0,6 Stunden (FAST-1). Die Beurteilung der Ärzte lag bei 0,7 Stunden (FAST-2) bzw. 0,8 Stunden (FAST-1). In dem offenen Arm beider Studien (Open Label Extension, OLE) wurden 19 weitere Kehlkopfattacken erfolgreich behandelt.
In beiden OLE-Abschnitten erhielten die Patienten Icatibant zur Behandlung nachfolgender Attacken. Der Zeitpunkt, zu dem die Patienten die Besserung ihrer Symptome angaben, stimmt mit den Ergebnissen aus den kontrollierten Abschnitten in beiden Studien überein. Dies zeigt, dass die klinische Wirksamkeit von Icatibant bei wiederholter Gabe aufrechterhalten wird. Patienten erhielten in der offenen Studienphase für bis zu 38 aufeinander folgende Attacken Icatibant. Die Gesamtzahl behandelter Attacken in der offenen Phase betrug 231. Die Zufriedenheit der Patienten wurde nach sechs Monaten in der OLE bestimmt. Mehr als 90% der Patienten gaben an, dass sie dieses Medikament auch nach Studienende weiterhin einsetzen würden.
"Wir sind hoch zufrieden mit den Ergebnissen dieser Studien, die die herausragenden Möglichkeiten von Icatibant zur Behandlung des hereditären Angioödems bestätigen", so Jens Schneider-Mergener, Vorstandsvorsitzender von Jerini. "Wir planen diese Ergebnisse der FDA und der EMEA vorzulegen und möchten mit der Einreichung von Zulassungsunterlagen im Dezember 2006 beginnen. Patienten mit hereditärem Angioödem benötigen eine zuverlässige Behandlung, die es ihnen ermöglicht, ihre Erkrankung selbstständig zu bewältigen. Wir werden unsere Anstrengungen fortführen, um betroffenen Patienten Icatibant so schnell wie möglich zugänglich zu machen."
Über die FAST-1 und FAST-2 Studien FAST-1 und FAST-2 waren randomisierte, kontrollierte, multizentrische Studien, für die 425 Patienten gescreent wurden. Für die FAST-1-Studie wurden Patienten aus den USA, Kanada, Argentinien und Australien eingeschlossen, für die FAST-2 Studie waren es Patienten aus Europa und Israel.
Patienten der FAST-1 Studie erhielten entweder eine einzelne 30mg-Dosis Icatibant, die subkutan verabreicht wurde oder sie erhielten ein Placebo. In der FAST-2 Studie bekamen die Patienten entweder subkutan eine 30mg-Dosis Icatibant verabreicht oder Tranexamsäure als Vergleichssubstanz. Tranexamsäure ist ein Antifibrinolytikum, das in einigen europäischen Ländern zur Behandlung von HAE eingesetzt wird und das für die Studie von der EMEA als Kontrolle vorgeschlagen wurde. Nach Abschluss der Behandlungen im randomisierten Studienarm konnten die Patienten bei weiteren HAE-Attacken in einem offenen Studienarm (sog. Open Label Extension-Phase, OLE) Icatibant erhalten.
Der primäre Endpunkt war die Zeit bis zum Beginn der Symptombesserung, die vom Patienten anhand einer visuellen Analogskala (VAS) angegeben wurde. Eine Symptombesserung wurde definiert als eine vorher festgelegte Abnahme auf der VAS für folgende Hauptsymptome: Schmerzen im Abdominalbereich, Schmerzen der Haut und Hautschwellungen. Es musste ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Icatibant und der Kontrolle bzw. Placebo erreicht werden. Die VAS ermittelt den (Schwere-)Grad der Symptomatik und ist von Zulassungsbehörden als Messinstrument zur Dokumentation von Patientenangaben (Patient Reported Outcome, PRO) validiert und anerkannt worden. Die sekundären Endpunkte wurden mittels VAS, Symptomen-Scores und einer allgemeinen klinischen Beurteilung (Clinical Global Impression, CGI) von Patient und Arzt bewertet. Auf diese Weise wurden die klinisch relevanten Wirkungen der Behandlung mit Icatibant durch drei verschiedenen Methoden beurteilt.
Sicherheitsprofil von Icatibant Icatibant hat in den bisherigen und auch noch laufenden Studien, die von Jerini und Sanofi-Aventis gesponsert wurden, ein ausgezeichnetes Sicherheitsprofil gezeigt. Icatibant wurde bislang bei über 1300 Personen angewandt. Das günstige Sicherheitsprofil konnte in den FAST-1 und FAST-2 Studien bestätigt werden. Es traten keine arzneimittelbedingten, schwerwiegenden Nebenwirkungen auf. Die häufigsten Nebenwirkungen waren lokale Reaktionen an der Einstichstelle, wie z.B. Erytheme, Schwellungen und gelegentlich Jucken und Schmerz. Diese Symptome waren vorübergehend und bildeten sich spontan zurück.
Informationen zur Telefonkonferenz Jerini wird für Freitag, den 22. September 2006 eine Internet-Übertragung sowie eine Telefonkonferenz einrichten, einschließlich einer offenen Frage und Antwort-Sitzung, um die Ergebnisse der zwei Phase-III-Studien zu diskutieren.
Datum: Freitag, 22. September, 2006 Zeit: 11:00 Uhr MEZ
Telefonzugang: +49 (0)69 5007 1307 Deutschland +44 (0)20 7806 1955 UK +1 718 354 1388 USA +41 (0)43 456 9299 Schweiz
Bitte wählen Sie sich 10 Minuten vor dem Beginn der Telefonkonferenz ein.
Online-Präsentation: Rufen Sie die Jerini-Website (www.jerini.com) auf und folgen Sie den Anweisungen für den Zugang zur Live-Übertragung im Internet. Die Wiederholung der Internet-Übertragung steht unter www.jerini.com ca. 2 Stunden nach der Telefonkonferenz bis zum 22. Dezember zur Verfügung.
Über Icatibant Icatibant ist ein synthetisches Peptidomimetikum und wirkt durch Blockade des B2-Rezeptors als Bradykinin-Antagonist. HAE-Patienten weisen erhöhte Bradykinin-Spiegel auf, die zu Schwellungen während der Attacken führen. Icatibant hat für die Behandlung von Angioödemen sowohl in den USA (durch die US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration, FDA) als auch in Europa (durch die European Medicines Agency, EMEA) den "Orphan Drug Status" erhalten. Dies würde im Falle einer Arzneimittelzulassung die exklusiven Vermarktungsrechte für sieben bzw. zehn Jahre sichern. Darüber hinaus wurde Icatibant von der FDA der "Fast Track-Status" für die Indikation HAE zuerkannt. Die subkutane Anwendung von Icatibant, zusammen mit der in bisherigen klinischen Studien gezeigten ausgezeichneten Sicherheit und der Haltbarkeit des Wirkstoffs bei Raumtemperatur für die Dauer eines Jahres bieten HAE-Patienten herausragende Vorteile. Zusammen mit dem US-Partner Kos Pharmaceuticals, Inc. plant das Unternehmen, Icatibant in einer vorgefüllten Spritze zu vermarkten. Die Möglichkeit zur Selbstanwendung bei einer beginnenden HAE-Attacke eröffnet den Patienten ein Leben mit mehr Sicherheit und Unabhängigkeit.
Über HAE Die hereditäre (vererbliche) Form des Angioödems (HAE) ist eine behindernde und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, die durch unvorhersagbare, wiederkehrende Schwellungen an Händen und Füßen, im Gesicht, Kehlkopfbereich sowie im Bauchraum gekennzeichnet ist. Schätzungsweise bei 10 000 Patienten in den USA und Europa ist HAE diagnostiziert worden. Bei Attacken an Händen, Füßen und im Gesicht kann die Lebensqualität durch entstellende Schwellungen stark beeinträchtigt werden. Attacken im Bauchbereich sind durch das Anschwellen der Darmwand mit äußerst starken Schmerzen verbunden. Lebensbedrohlich sind Attacken im Kehlkopfbereich, da hier die Schwellungen zum Tod durch Ersticken führen können. Die Prävalenz des hereditären Angioödems wird auf eine von 10.000 bis 50.000 Personen geschätzt, so dass insgesamt 15.000 bis 75.000 Menschen in der europäischen Union und den USA von HAE betroffen sein könnten.
Über die Jerini AG Die Jerini AG ist ein Berliner Pharmaunternehmen, das auf die Entdeckung und Entwicklung peptidbasierter Arzneimittel spezialisiert ist. Das Unternehmen hat früh das Potenzial von Peptiden als Startmoleküle in der Arzneimittelforschung erkannt und führende Technologien zur Herstellung und Umwandlung von Peptiden in Medikamente entwickelt. Basierend auf der eigenen Technologie-Plattform bearbeitet Jerini verschiedene Entwicklungsprojekte in den Indikationsbereichen Augenheilkunde, Onkologie und Entzündungserkrankungen. Das am weitesten fortgeschrittene Projekt beschäftigt sich mit der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), die häufigste Ursache für Sehverlust und Erblindung bei über 55-Jährigen in den entwickelten Ländern. Klinische Studien der Phase I sind für die erste Hälfte 2007 geplant.