"Ich sehe graduelle Unterschiede. Die Terrorwarnungen beleben, wie gesagt, unsere latente Ur- oder Todesangst. Die Angst vor einer Währungskrise kann man als Variante dieser Urangst deuten. Sie tarnt sich als Angst vor Verarmung, vor dem Verlust des Wohlstands. Dabei spielt auch die Erinnerungen an traumatische historische Ereignisse eine Rolle. Etwa an die 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise. Das sind Dinge, die im kollektiven Gedächtnis gespeichert und abrufbar sind."
"Etwas anderes ist der Fall reicher Leute, bei denen die Angst, alles zu verlieren, sozusagen wahnhafte Züge annimmt. Der Verlust des Wohlstands bedeutet für sie den Verlust einer mühsam aufgebauten Identität. Sie kann echte Identität, gekoppelt mit Sinngebung, kreativem Lebensstil und guten menschlichen Beziehungen, ersetzen. Verarmungsangst steht hier für die Angst, nichts mehr wert zu sein - und ist für nicht wenige ein Grund zum Selbstmord."
"Das von Ihnen beschriebene Unbehagen hat aber, wie ich glaube, tiefere Gründe. Es kommt daher, dass der moderne Mensch nicht mehr auf die grundlegenden Sicherheiten zurückgreifen kann, die ihn einst vor Angst schützten. Ich meine die Religion, den Glauben, die Geborgenheit traditioneller sozialer Strukturen wie der Großfamilie, oder des Clans. Übrigens auch die Identifikationsfigur des Monarchen, der, wenn auch nur symbolisch, über sein Volk wachte und so Frieden und Schutz garantierte. Diese stabilisierenden Institutionen haben sich mit der Moderne immer mehr aufgelöst. Wenn der Philosoph Sören Kierkegaard von der Angst als dem "Schwindel der Freiheit" spricht, dann meint er nicht zuletzt diese Erfahrungen."
"Etwas anderes ist der Fall reicher Leute, bei denen die Angst, alles zu verlieren, sozusagen wahnhafte Züge annimmt. Der Verlust des Wohlstands bedeutet für sie den Verlust einer mühsam aufgebauten Identität. Sie kann echte Identität, gekoppelt mit Sinngebung, kreativem Lebensstil und guten menschlichen Beziehungen, ersetzen. Verarmungsangst steht hier für die Angst, nichts mehr wert zu sein - und ist für nicht wenige ein Grund zum Selbstmord."
"Das von Ihnen beschriebene Unbehagen hat aber, wie ich glaube, tiefere Gründe. Es kommt daher, dass der moderne Mensch nicht mehr auf die grundlegenden Sicherheiten zurückgreifen kann, die ihn einst vor Angst schützten. Ich meine die Religion, den Glauben, die Geborgenheit traditioneller sozialer Strukturen wie der Großfamilie, oder des Clans. Übrigens auch die Identifikationsfigur des Monarchen, der, wenn auch nur symbolisch, über sein Volk wachte und so Frieden und Schutz garantierte. Diese stabilisierenden Institutionen haben sich mit der Moderne immer mehr aufgelöst. Wenn der Philosoph Sören Kierkegaard von der Angst als dem "Schwindel der Freiheit" spricht, dann meint er nicht zuletzt diese Erfahrungen."