Von einem Auf und Ab sind besonders die Börsen geprägt: Nachdem die Aktienmärkte in Europa und den USA Mitte der Woche auf das Jahrestief gerutscht waren, ging es zum Wochenschluss aufwärts. Vor allem die US-Großbanken Morgan Stanley

und Citigroup

sorgten mit Quartalsergebnissen über den Erwartungen für steigende Kurse, besonders von Finanztiteln.
Auf Wochensicht gewann der deutsche Leitindex Dax

3,7 % auf 6382,65 Punkte, der europäische Stoxx50 zog um 2,9 % an. In den USA legte der S&P 500 um 1.7 % zu. Der japanische Nikkei verlor hingegen 1,8 %.
Dennoch trauen Strategen den Börsen allenfalls eine kleine Verschnaufpause zu. Von einer Wende nach dem Citigroup-Bericht - die Milliardenabschreibungen fielen geringer aus als prognostiziert - mochte keiner reden. "Wir sind noch nicht aus dem Gröbsten heraus und die Erholung die wir in der vergangenen Woche gesehen haben, war nur eine Art Erleichterungsrally", sagte Jay Bryson, Chefökonom bei Wachovia Securities. Die Probleme seien noch nicht ausgestanden, urteilte Stefan Raetzer, Fondsmanager von Allianz Global Investors. "Wir sind noch vorsichtig gegenüber Finanzwerten, weil die Transparenz gering ist und die Gewinnaussichten nach unten gehen. Wir erwarten weitere Abschreibungen und Kapitalbedarf."
"Die Frage ist, wen es als nächsten trifft. Die Hypothekenbanken oder die großen Häuser?", meinte Georg Elsaeßer, Analyst der WestLB. In dieser Woche berichten weitere Institute in den USA, darunter die Bank of America

, Wachovia

und Washington Mutual

.
Aber nicht nur Bankzahlen bestimmen die Richtung. "Im Moment ist das Problem, dass wir viele Risikofaktoren haben", sagte Elsaeßer. Von Tag zu Tag würde die Bedeutung von Unternehmenszahlen, Ölpreis und Konjunkturdaten wechseln. Auch Inflation und hohe Energiepreise lasteten auf der Stimmung, so Sam Stovall, Chefinvestmentstratege von Standard and Poor's. Er erwartet fallende Kurse - "nur nicht so schnell wie bisher".
Die Verschnaufpause könnten immerhin gute Firmenzahlen außerhalb des Finanzsektors bringen. In dieser Woche legen etliche US-Konzerne Zahlen vor, und auch in Europa läuft die Berichtsaison an.
Keine Trendwende beim ÖlZudem dürfte ein fallender Ölpreis die Börsen stützten. Zuletzt sanken die Ölnotierungen erstmals seit fünf Wochen unter 130 $. Am Freitagabend kostete ein Barrel (159 Liter) US-Rohöl am Terminmarkt 128,81 $. Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank, macht einen gewissen Stimmungswechsel aus: Dominierten bislang vor allem die Sorgen um mögliche Produktionsunterbrechungen, so gewinne jetzt die Erwartung einer fallenden Nachfrage langsam die Oberhand. Zwar sieht er die Marke von 150 $ inzwischen in weite Ferne gerückt und erwartet weitere Gewinnmitnahmen. Von einer nachhaltigen Trendwende hin zu niedrigeren Ölpreisen mögen er und andere Analysten aber keinesfalls sprechen.
Auch auf die Rentenmärkte hat sich die Mini-Aktienrally ausgewirkt und für fallende Kurse gesorgt - Sicherheit war zum Wochenschluss weniger gefragt. Der Bund-Future, der Terminkontrakt auf zehnjährige Bundesanleihen, gab auf Wochensicht deutlich nach und lag Freitag bei 110,77 Punkten.
Experten gehen davon aus, dass sich der Trend bei festen Aktienmärkten fortsetzt. Zwar hat US-Notenbankchef Ben Bernanke zuletzt der Bekämpfung der Finanzkrise oberste Priorität eingeräumt und auch die Konjunkturrisiken wieder stärker betont. Und die am Mittwoch anstehende Konjunktureinschätzung der Notenbank - das sogenannte Beige Book - dürfte erneut das Bild einer sehr schwach wachsenden US-Wirtschaft widerspiegeln, die gleichzeitig von anhaltendem Preisdruck gepeinigt wird. "Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Einflüsse vom Aktienmarkt in den kommenden Tagen den Einfluss der Konjunkturdaten überschatten werden", schrieb Elmar Völker von der LBBW.
Für die Kursentwicklung des Dollar zeigen sich Ökonomen unentschlossen. Vergangene Woche hatte der Euro zum Dollar zunächst bei 1,6038 $ ein Rekordhoch markiert. Später sorgte Bernanke mit dem Signal, den Dollar notfalls zu helfen, für einen Richtungswechsel, und drückte die Einheitswährung gen 1,58 $. "Den aktuellen Daten- und Informationssalat wissen die Akteure im Moment nicht so recht einzuordnen. Von einer Sekunde zur anderen krempeln sie ihre Meinung komplett um", analysierten die Experten des Economic Research Büro der Deutschen Bank in Frankfurt.
"Der Euro dürfe sich unterhalb von 1,60 $ seitwärts bewegen", meinen die Analysten von HSBC Trinkaus. Sophia Drossos und Yilin Nie von Morgan Stanley sehen kurzfristig noch weiteres Abwärtspotenzial für die US-Währung. Dafür spreche, dass die Anleger die Zinserhöhungserwartungen in den USA weiter nach hinten schieben, was den Dollar belaste.
Von Von Elisabeth Atzler, Doris Grass (Frankfurt) und Ning Wang (New York)
Quelle: Financial Times Deutschland