DEUTSCHE BÖRSE
Eine Eskalation „artfremder“ Quellen schafft für die Märkte eine neue Situation. Es geht also im Moment
um eine Eventualität bis Wahrscheinlichkeit, aber keine Gewißheit. Das bitte ich, unbedingt zu
beachten. Die mit der Berichtssaison noch auftauchenden Restrisiken im Umfeld der Banken sind hierfür
nur Marginalien. Daran knüpfen sich für Sie folgende entscheidende Fragen:
1. Ein militärischer Ernstfall führt zu einem Marktschock. Das Risiko, in den Indizes gemessen, liegt
bei ca. 15 %, und zwar kurz und bündig oder an einem Tag. Folge:
2. Wer nach Dagobert Daks fährt, steht bereits mit ca. 40 % in Liquidität. Auch 50 % könnte ich
schätzen. Diese Liquidität wird vorerst nicht eingesetzt. Möglicherweise bleibt sie mehrere Wochen
in Reserve. Nur in absoluten Ausnahmefällen wäre sie einzusetzen. Gegenfrage:
3. Wer profitiert von einer solchen Konstellation? Das ist eine Möglichkeit, die noch zu prüfen sein
wird. Im Moment sehe ich keine Möglichkeit oder siehe Seite 5 und 8!
4. Ein Schock-Szenario berührt alle. Den einen mehr, den anderen weniger, aber einen eindeutigen
Sofortgewinner gibt es nicht. Der wichtigste Grund ist: Finanzinvestoren/Hedge-Funds sind
diejenigen, die sich seit einiger Zeit am geschicktesten herauszuziehen versuchen. Beispielhaft ist
dies bei DEUTSCHE BÖRSE zu beobachten, aber auch DEUTSCHE BANK und sogar DAIMLER.
Denken Sie jetzt nicht taktisch, sondern strategisch. Dafür gibt es eine klare Linie: Raus aus dem Risiko,
um am Ende mit höchster Liquidität handlungsfähig zu sein. Damit erwerben Sie mit Sicherheit die größten
Chancen für die kommenden Monate „danach“. Ich versuche, mich wie folgt aufzustellen:
Der DAX setzt seine begonnene Erholung (gegenüber dem Tief vom 17. März) vorerst nicht mehr
fort. Das steht eindeutig gegen meine bisherige Einschätzung. Die Ausgangslage dafür nannte ich Ihnen
auf Seite 2. Damit gilt auch die umgekehrte Frage: Wie weit reicht das neue Risiko?
Ein Marktschock läßt sich nicht exakt berechnen. Das
rufe ich in Erinnerung. Die genannten 15 % bedeuten im
DAX ein max. Risiko von rd. 1.000 Punkten. Zu vergleichen
ist dies mit Schocks à la Oktober 1987 oder im Vorfeld
Kuwait 1990/91 und im März/April 2003 (Irak), aber auch
11. September 2001, um die wichtigsten der jüngeren
Vergangenheit zu nennen. Das ergäbe einen DAX von rd.
5.500/5.600 als neue Investitionsgrundlage.
Damit wären wir wieder bei der alten Ausgangslage, die
im Februar/März schon einmal diskutiert wurde, aber
natürlich unter ganz anderen Prämissen. Ein DAX 5.500
wäre natürlich der ideale Rückkauf, weil das Chance-/
Risiko-Verhältnis bei 95:5 anzusetzen wäre!
Natürlich hoffe ich gern, daß diese politische Entwicklung irgendwie abzuwenden ist, aber mir geht es
darum, daß Sie darauf vorbereitet sind und den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen. Ich wiederhole,
was ich vor 8 Tagen bereits schrieb: Der DAX kann stärker fallen als jede einzelne Aktie im DAX, weil sich
die Kurse für jede Aktie im einzelnen sehr selbständig entwickeln. Hinzu kommt:
Die gegenwärtigen Regierungen in Europa sind dieser Konstellation gegenüber absolut hilflos.
Das war am 11. September 2001 genauso und noch deutlicher im Vorfeld des Kuwait-Krieges 1991
und auch im Frühjahr 2003 im Vorfeld des Irak-Krieges.
Rechnen Sie mit: Am Beispiel eines Portfolios von 250.000 €. Ihr gegenwärtiger Verlust dürfte unter
Beachtung der Stops bei höchstens 15 % liegen, also rd. 37.500 €. Stehen Sie mit dem Restbetrag
von 212.500 in Liquidität und warten darauf, daß Sie rd. 15 und mit Glück 20 % „Discount“ die
gleichen Aktien zurückkaufen können, in denen Sie jetzt vielleicht noch investiert sind bzw. waren.
Das Erholungspotential würde sich anschließend um fast 40 % erhöhen, wenn man die genannten
Daten der politischen Ereignisse als Vergleich hinzuzuzieht. Es ist eine überschlägige Rechnung, die
Sie jedoch mit diesen Briefen allesamt miterlebt haben. Jedenfalls haben Sie damit das Risiko vermieden
und das Potential der Kursgewinne deutlich erhöht.
Unterscheiden Sie ferner: Die Finanzaktien haben ihre Krisenkurse weitgehend absolviert. Das Restrisiko ist mithin
gering. Schwieriger wird es bei den Aktien, die noch relativ hoch notieren und bisher zu den Favoriten der Märkte
zählen. Denn hier sind Rückzug oder Gewinnmitnahmen naheliegender, wie die Fälle DT. BÖRSE bzw. DT. BANK und
SIEMENS zeigen. Das entspricht der Marktlogik.
Wilhelm Busch: "Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt."
Gruß Pichel