Im Bundestag geht es derzeit heiß her: Denn die Regierungsparteien beraten über die anstehende EEG-Novelle, die die Einspeisevergütungen für Ökostrom ab 2009 neu regeln wird. Während die SPD eine mäßige Absenkung der Förderung vorschlägt, fordert die Union eine drastische Reduzierung der Vergütungen für Solarstrom.
Dass eine renommierte Investmentbank wie Merrill Lynch in dieser Phase Marktführer wie SolarWorld und Q-Cells zum Verkauf empfiehlt, hat nicht nur die beiden Titel, sondern fast alle Solar-Aktien belastet. Ohnehin tendiert das Segment seit Wochen schwach. Denn der enorme Kapazitätsaufbau und der zunehmende Konkurrenzdruck aus Asien lassen so manchen Investor zweifeln, ob die exzellenten Margen auf Dauer zu halten sind.
Hinzu kommt die Unsicherheit über die künftigen Siliziumpreise. Der wichtige Rohstoff hat sich zuletzt wegen der enormen Nachfrage asiatischer Zellproduzenten rasant verteuert. Am Spotmarkt sind bis zu 400 US-Dollar pro Kilo fällig, während langfristige Lieferverträge Preise von rund 70 Dollar vorsehen.
EEG-Novelle enorm wichtig für die Branche
Ab dem Jahr 2010 stehen global wesentlich größere Kapazitäten zur Verfügung: Die Preise am Spotmarkt werden daher wohl spürbar fallen. Das könnte den Preisdruck noch einmal erhöhen, liefern chinesische Hersteller doch schon jetzt oft billiger als europäische Modulfabriken.
Zu allem Übel überzeugten die Zahlen zum ersten Quartal nur bei wenigen Solarwerten im TecDAX wie etwa Phoenix Solar. Außerdem hob der Konzern seine Gewinnprognose an. Deshalb bleibt die Aktie ein Kauf. Dagegen enttäuschte ErSol Mitte Mai klar: Der Gewinn stieg zwar um 115 Prozent auf 3,2 Millionen Euro. Analysten hatten aber mit mehr als fünf Millionen Euro gerechnet.
Entscheidend für die Kursentwicklung der Solarpapiere in den kommenden Monaten wird aber die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die der Bundestag noch vor der Sommerpause verabschieden will. Dazu muss das Gesetz jedoch spätestens Ende Juni in zweiter und dritter Lesung verabschiedet werden. Das wird verflucht knapp. Denn Union und SPD liegen mit ihren Vorstellungen bei den Einspeisevergütungen für neu errichtete Solaranlagen weit auseinander.
Die SPD hält Degressionssätze von neun Prozent für 2009 sowie sieben und acht Prozent in den folgenden Jahren für angemessen. Die Union plädiert hingegen allein für 2009 und 2010 für eine Reduzierung um mehr als ein Viertel. Alternativ halten die Parlamentarier auch eine Deckelung der Gesamtfördersumme oder eine Kürzung des garantierten Zeitraums von 20 Jahren für hilfreich, um die künftige Belastung der Stromverbraucher langsamer wachsen zu lassen. Die Einspeisevergütung wird über eine Umlage von allen Verbrauchern finanziert.
Für die Photovoltaikbranche ist Deutschland extrem wichtig, stellt der kleine Staat doch gut die Hälfte der globalen Nachfrage nach Solarmodulen. Schränkt der Bundestag die Solarförderung deutlicher ein, als an der Börse befürchtet, drohen weitere Kursverluste. Anleger sollten deshalb erst einmal bei Q-Cells und SolarWorld keine neuen Positionen eingehen und bestehende Engagements mit Stoppkursen absichern.
Quelle: www.boerse-online.de/aktien/deutschland_europa/499222.html
Mit freundl. Grüßen TraderonTour