Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Nach Meinung der Experten vom "Geldanlage-Report" ist die Aktie von GILDEMEISTER (ISIN
DE0005878003 / WKN
587800) auf dem aktuellen Niveau ein Kauf.
Der Werkzeugmaschinenhersteller GILDEMEISTER sei ein exzellentes Beispiel dafür, wie der Mega-Trend Alternative Energien zusehends auch traditionelle Branchen wie den Maschinenbau belebe.
Ursprünglich sei das Düsseldorfer Traditionsunternehmen nämlich ausschließlich auf den Bereich Dreh- und Fräsmaschinen fokussiert gewesen. Jahrelang habe man damit Investoren nicht so richtig hinter dem Ofen hervorlocken können. Das möge vor allem daran gelegen haben, dass das Geschäft von niedrigen Gewinnmargen, hohem Kapitaleinsatz und einer hohen Zyklik geprägt gewesen sei.
Das heiße im Klartext: Die Erträge seien von Jahr zu Jahr enorm geschwankt. Wegen der hohen Verschuldung, die unter anderem durch zahlreiche Übernahmen zustande gekommen sei, hätten Investoren in Konjunkturabschwüngen teilweise sogar am Fortbestand des Unternehmens gezweifelt. Diese Gemengelage sei wohl auch ausschlaggebend dafür gewesen, dass Finanzinvestoren GILDEMEISTER bisher links liegen gelassen hätten. Der Streubesitz liege folgerichtig bei außerordentlich hohen 86 Prozent.
Nachdem sich die Aktie in den vergangenen drei Jahren mehr als vervierfacht und von einem beispiellosen, von China ausgelösten Maschinenbau-Boom profitiert habe, müsse sich der kritische Anleger natürlich fragen, was nach dem Boom passiere, was ein optisch niedriges 2008er KGV von 11,5 wert sei, wenn der Sektor heuer oder spätestens in 2009 die Spitze des Gewinnzyklus überschritten haben sollte und ob dann die Gewinne genauso dramatisch einbrechen würden, wie sie vorher gestiegen seien.
Die Experten vom "Geldanlage-Report" denken nein, denn mit dem Einstieg in den Solarsektor hat GILDEMEISTER einen ganz wichtigen Schritt gemacht, um die Konjunkturabhängigkeit zu reduzieren. Angesichts immer weiter steigender Energiepreise sollte die Solarenergie auch in den kommenden Jahren fernab wirtschaftlicher Zyklen ein starkes Wachstum ausweisen. Der "SunCarrier" der GILDEMEISTER-Tochter a+f sei ein Solarmodul-Trägersystem, das sich automatisch so ausrichte, dass die meisten Sonnenstrahlen eingefangen werden könnten.
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Obwohl das Produkt erst seit dem letzten Jahr vertrieben werde, habe sich dank mehrerer Großaufträge bereits ein Auftragsbestand von 186 Millionen Euro nur für den SunCarrier angesammelt. Das entspreche bereits knapp 20 Prozent des aktuellen Gesamtauftragsbestandes von 949 Millionen Euro.
Das sei umso erfreulicher, weil der Bereich "Services", dem der SunCarrier zugeordnet werde, ohnehin die Cash Cow des Unternehmens sei. Obwohl dort im ersten Quartal 2008 nur halb soviel umgesetzt worden sei wie im Hauptgeschäft "Werkzeugmaschinen" (130 Mio. Euro ggü. 261 Mio. Euro), sei vor Steuern und Zinsen über 50 Prozent mehr Gewinn daraus erwirtschaftet worden (EBIT 20,4 Mio. Euro ggü. 13,4 Mio. Euro). Mit zunehmendem Anteil des Solargeschäfts werde GILDEMEISTER damit nicht nur konjunkturunabhängiger sondern auch profitabler.
Beim Vertrieb komme GILDEMEISTER dabei sein exzellentes Renommee als deutscher Qualitätsanbieter bei Werkzeugmaschinen zugute, das sich in die Solarsparte transferieren lasse. So könnte der SunCarrier schnell zum starken Markennamen werden.
Damit könnte letztlich doch etwas an den Gerüchten dran sein, dass der erfolgreichste Investor der Welt, Warren Buffett, ein Auge auf den MDAX-Neuling geworfen habe. Dies sei zuletzt nach einem Besuch des "Orakels aus Omaha" auf dem Frankfurter Parkett gerüchteweise verbreitet worden. Eigentlich erscheine ein Investment abwegig, weil Buffett stark zyklische Unternehmen nicht möge, sondern auf konstante Cashflows und starke Marken setze. Damit werde GILDEMEISTER zwar nie ein Musterobjekt für Buffett werden, weil ein Werkzeugbauer eben immer zyklisch bleiben werde, aber man entwickle sich zumindest in die aus Buffetts Sicht richtige Richtung.
Zudem hätten die jüngsten Quartalszahlen von GILDEMEISTER auch insgesamt überzeugen können - nicht nur in der Solarsparte. Die Prognosen sämtlicher Analysten hätten übertroffen werden können, eine Dividendenerhöhung auf 35 Cent gelte fast als ausgemachte Sache. Dem derzeitigen Kursanstieg könnten eigentlich nur ein sehr schwacher Gesamtmarkt oder eine mögliche Kapitalerhöhung in die Quere kommen. Für Letzteres sei dank des momentan hohen Kurses der Zeitpunkt eigentlich optimal.
Vielleicht gehöre dann ja auch Warren Buffett zu den Zeichnern. Gegebenenfalls dürfte dies einen möglichen kurshemmenden Effekt der Ausgabe neuer Aktien mehr als wettmachen. GILDEMEISTER wandle sich vom zyklischen Werkzeugbauer zum Wachstumsunternehmen. Ein 2008er KGV von elf sei vor diesem Hintergrund eine attraktive Bewertung. Eine mögliche Kapitalerhöhung könnte den Kurs kurzfristig drücken.
Erste Maßnahme zur guten Strategie: Vertraut keinem Bäcker oder ähnlichen Strategen. Wichtig ist die eigene Watchlist.