DJ: MARKTUMFRAGE/DAX am charttechnischen Rubikon
Mit der von der Federal Reserve unterstützten Rettung der US-Investmentbank
Bear Stearns durch den Wettbewerber J.P. Morgan Chase hat sich das Sentiment
vieler Marktteilnehmer wieder deutlich verbessert. Gerade Value-Investoren wie
etwa der Frankfurter Vermögensverwalter Hendrik Leber haben diesen Schritt als
faktische Kreditlinie für das gesamte Finanzsystem interpretiert und in ihren
Portfolios die Aktien von Banken und Versicherungen wieder stärker gewichtet.
"Unter technischen Gesichtspunkten stehen wir nun vor der Frage,
ob es sich bei der Erholungsbewegung des DAX seit Mitte März lediglich um eine
Gegenbewegung oder bereits um einen neuen Aufwärtsimpuls handelt", sagt Ansgar
Krekeler, Händler im Bereich Capital Markets der WGZ Bank. Diese Richtungsfrage
wird sich seiner Ansicht nach auf dem aktuell erreichten Niveau des Index für
die heimischen Standardwerte entscheiden.
Schließlich treffe der DAX dort auf zentrale Widerstände: Zum
einen verlaufe bei 7.160 Punkten das 50%-Fibonacci-Retracement der
Abwärtsbewegung zwischen Juli 2007 und März 2008. Ein signifikanter Durchbruch
eröffne aus Sicht dieser Analysemethode unmittelbares Potenzial bis 7.395
Zähler. "Darüber hinaus würden die Chancen signifikant steigen, dass das
Kursbarometer in der mittelfristigen Betrachtung bereits Kurs in Richtung 8.000
Punkte aufgenommen hat", erklärt Krekeler. Einen zweiten zentralen Widerstand
bildet seiner Ansicht nach das Niveau von 7.190 Punkten, das sich aus den im
August vergangenen Jahres erreichten zyklischen Tiefständen ableiten lasse.
Bislang könne man die Erholungsbewegung noch als lediglich
idealtypischen Rücklauf an das Ausbruchsniveau der Doppel-Top-Formation bei
7.190 Zähler interpretieren. "Schlusskurse über 7.200 Punkten lassen an diesem
Szenario allerdings Zweifel aufkommen und bringen die Bären in Erklärungsnöte,
hätten sie doch die Chance auf einen Impulswechsel an einem plausiblen
technischen Punkt verpasst", sagt der WGZ-Bank-Händler.
Und genau danach sehe es aus, berücksichtige man im Rahmen
der technischen Analyse auch die Stimmungsindikatoren. Zwar zeige eine Analyse
der Put-Call-Ratios für den US-Aktienmarkt, der auch in dieser Hinsicht
maßgeblich für die Kursentwicklung hier zu Lande sei, dass von weiteren
Short-Eindeckungen kein Rückenwind mehr zu erwarten sei. Allerdings zeige sich
bei der Befragung institutioneller Investoren ein unverändert verhaltenes
Stimmungsbild. Die daraus abzuleitende Unterinvestition könne in Kombination mit
dem zunehmenden Performance-Druck verstärkte Käufe auslösen.
Vor diesem Hintergrund erscheine der Bereich um 7.200 Punkte als
alles entscheidende Wegmarke für die kommenden Wochen. "Wir diese Hürde
nachhaltig überwunden, ist das ein nur schwer zu ignorierendes Signal. Dann
werden viele Investoren aufgrund des Performance-Drucks in den Markt einsteigen
müssen", sagt Krekeler. Vor diesem Hintergrund könnten die Sommermonate,
entgegen dem üblichen saisonalen Muster, in diesem Jahr durchaus für Kursgewinne stehen.
DJG/jej/raz
(END) Dow Jones Newswires
May 20, 2008 09:19 ET (13:19 GMT)
Dow Jones & Company, Inc.2008
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Wilhelm Busch: "Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt."
Gruß Pichel