Wall Street wartet auf Zinsentscheidung der Fed
New York (Reuters) - Der Wall Street steht eine Woche der Unsicherheit bevor. Mit Spannung wird vor allem eine Zinsentscheidung der US-Notenbank erwartet, die am Mittwoch verkündet werden soll.
Erstmals seit August gilt es nicht als sicher, dass die Fed den US-Leitzins weiter senken wird. Auch eine noch für das Wochenende erwartete Entscheidung der Konzerne Microsoft und Yahoo im Zusammenhang mit einer von Microsoft angestrebten Übernahme des Internetkonzerns könnte in der Woche für Bewegung an den Märkten sorgen. Außerdem steht eine Reihe von Unternehmensberichten und Konjunkturdaten bevor, die Aufschluss über ein Abrutschen der US-Wirtschaft in die Rezession geben könnten.
Jüngste Kurszuwächse infolge positiver Unternehmensergebnisse haben in den vergangenen Tagen Zweifel an einer weiteren Zinssenkung geschürt. Zwar wird noch mehrheitlich damit gerechnet, dass die Federal Reserve den Leitzins um 0,25 Basispunkte senkt - Zinsfutures deuten jedoch immerhin auf eine Chance von 1:4 hin, dass der derzeitige Zinssatz von 2,25 Prozent beibehalten wird. Kurz vor der Zinsentscheidung wird ebenfalls am Mittwoch das Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal veröffentlicht. Wirtschaftswissenschaftler haben für das erste Quartal eine auf das Jahr hochgerechnete Wachstumsrate von 0,2 Prozent prognostiziert, damit wäre die US-Wirtschaft noch nicht in einer Rezession.
Die Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts und die Fed-Entscheidung wirkten sich wohl stark an den Börsen aus, sagte John Praveen von Prudential International Investments Advisers LLC. Sollte das BIP über den Erwartungen liegen und die Fed den Zinssatz belassen, sei vermutlich mit positiven Effekten zu rechnen. "Denn das zeigt, dass die Krise vielleicht vorüber ist und die Wirtschaft nicht auf eine Rezession zuläuft." Sollte das BIP bei Null liegen oder gar darunter, werde der Markt schlecht auf eine Untätigkeit der Fed reagieren. Am Freitag steht die Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts für April ins Haus.
Wie schon in den vergangenen zwei Wochen werden zahlreiche US-Unternehmen ihre Bilanzen vorlegen, darunter das Kosmetikunternehmen Avon, der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, der Cornflakes-Hersteller Kellogg und der Lebensmittelkonzern Kraft. In den vergangenen Tagen hatte die Wall Street von positiven Ergebnissen vor allem im Finanzsektor profitiert. Auf Wochensicht lag das Plus beim Dow bei 0,3 Prozent. Der S&P stieg um 0,5 Prozent und der Nasdaq-Index kletterte um 0,8 Prozent.
Am Freitag drückten jedoch mit Enttäuschung aufgenommene Zahlen des Softwareherstellers Microsoft vor allem im Technologiesektor auf die Stimmung der Anleger. Der Index der Technologiebörse Nasdaq schloss mit einem Minus von 0,65 Prozent auf 2422 Stellen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging dagegen mit einem Plus von 0,33 Prozent bei 12.891 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500-Index legte 0,65 Prozent auf 1397 Zähler zu.
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