BERLIN (dpa-AFX) - Mit der Dauerkrise an den Börsen wird auch die Luft für viele Aktienfonds dünn. Die einst als sichere Anlage geltenden Fonds haben in den vergangenen beiden Jahren Milliardenwerte eingebüßt. Einige Experten rechnen deshalb nicht nur mit einer Welle von Fondsauflösungen, sondern schließen auch Pleiten ganzer Gesellschaften nicht aus. Selbst als viele Werte an der Börse schon schwächelten, hieß es noch: 'Mit Fonds sind Sie auf der sicheren Seite'. Banken und Fondsgesellschaften lockten Kunden mit dem Versprechen, dass Verluste bei einzelnen Aktien durch Gewinne bei anderen Papieren mindestens ausgeglichen würden. Viele sahen Fonds als krisenresistentes Mittel zur Altersvorsorge. Ein Trugschluss, denn die Börsenkrise erfasste schnell nicht nur einzelne Firmen oder Branchen, sondern zog so gut wie alle Titel nach unten. Allein seit Jahresbeginn verlor der Deutsche Aktienindex mit den 30 wichtigsten Firmen in Deutschland fast 40 Prozent seines Wertes. Die Frage lautet heute nicht mehr: Wer gewinnt, wer verliert, sondern wer verliert am wenigsten? SEIT JAHRESBEGINN SCHLOSSEN BVI-MITGLIEDER 50 AKTIENFONDS
Das bekommen die Aktienfonds zunehmend zu spüren, wie jüngst veröffentlichte Zahlen des Bundesverbandes deutscher Investment- und Verm ögensverwaltungsgesellschaften (BVI) zeigen. Das in den knapp 1.300 Aktienfonds der Verbandsmitglieder geparkte Vermögen belief sich demnach Ende September auf gerade noch 111,4 Milliarden Euro. Damit verloren die Fonds binnen eines Jahres rund 35 Milliarden Euro, seit September 2000 waren es sogar 126 Milliarden Euro. Dies bleibt nicht ohne Auswirkungen: Seit Jahresbeginn schlossen die BVI-Mitglieder bereits rund 50 Aktienfonds. Ein "Fondssterben" sei das noch nicht, meint BVI-Experte Frank Bock. "In den Jahren 1998 bis 2000 wurde eine Vielzahl neuer Fonds aufgelegt. Das Dickicht ist teilweise etwas groß geworden, jetzt wird ein bisschen aufgeräumt." Pleiten werde es aber kaum geben. 'UNTERHALB DER TOP VIER IST JEDER GEFÄHRDET' Anders sieht das Kai Wiecking, Analyst bei der Fondsrating-Agentur Morningstar. "Es wird mehrere Gesellschaften geben, die fusionieren, einige werden aber auch dicht machen." Dabei könnten nicht nur kleine Fondsanbieter über die Klinge springen. "Unterhalb der Top vier ist jeder gefährdet." Der Konsolidierungsprozess könne sich noch beschleunigen, wenn die Bundesregierung ihre Ankündigung wahrmacht, und die Spekulationsfrist kippt. sagt Wiecking. Dann müssten auch Fondsbesitzer, die ihre Anteile länger als ein Jahr halten, Steuern auf die erwirtschafteten Gewinne zahlen. Die Attraktivität von Aktienfonds gerade für die Altersvorsorge würde weiter sinken und die Branche noch stärker unter Druck geraten.
'FONDSGELDER MÜSSEN ALS SONDERVERMÖGEN BEHANDELT WERDEN'
Ob Anleger durch die Auflösung von Fonds Schaden nehmen, hängt davon ab, ob ein Fonds einfach nur geschlossen wird oder eine ganze Gesellschaft das Zeitliche segnet. Wird ein Fonds wegen fehlender Rentabilität geschlossen, wird den Kunden meist ein Ersatz angeboten, in den sie ihr Geld transferieren können. Zwar gibt es keine Verpflichtung, dass dabei kein neuer Ausgabeausschlag für die Wertpapiere anfällt, wie Oliver Struck von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) sagt. "Das machen die Gesellschaften aber schon aus Eigeninteresse. Schließlich wollen sie ihre Kunden nicht verlieren." Wenn die ganze Gesellschaft jedoch vom Markt verschwindet, bleiben die Anleger jedoch auf den Kosten für die Neuanlage ihrer Gelder sitzen. Angst vor einem Verlust seines angelegten Vermögens braucht zumindest bei in Deutschland ansässigen Fondsgesellschaften auch bei einer Pleite niemand zu haben. "Die Fondsgelder müssen als Sondervermögen behandelt werden, das nichts mit der Kapitalanlagegesellschaft zu tun hat", sagt Struck. "Das Geld geht damit nicht verloren und wird bei Auflösung der Gesellschaft ausgezahlt."/mt/FP/mw
Das bekommen die Aktienfonds zunehmend zu spüren, wie jüngst veröffentlichte Zahlen des Bundesverbandes deutscher Investment- und Verm ögensverwaltungsgesellschaften (BVI) zeigen. Das in den knapp 1.300 Aktienfonds der Verbandsmitglieder geparkte Vermögen belief sich demnach Ende September auf gerade noch 111,4 Milliarden Euro. Damit verloren die Fonds binnen eines Jahres rund 35 Milliarden Euro, seit September 2000 waren es sogar 126 Milliarden Euro. Dies bleibt nicht ohne Auswirkungen: Seit Jahresbeginn schlossen die BVI-Mitglieder bereits rund 50 Aktienfonds. Ein "Fondssterben" sei das noch nicht, meint BVI-Experte Frank Bock. "In den Jahren 1998 bis 2000 wurde eine Vielzahl neuer Fonds aufgelegt. Das Dickicht ist teilweise etwas groß geworden, jetzt wird ein bisschen aufgeräumt." Pleiten werde es aber kaum geben. 'UNTERHALB DER TOP VIER IST JEDER GEFÄHRDET' Anders sieht das Kai Wiecking, Analyst bei der Fondsrating-Agentur Morningstar. "Es wird mehrere Gesellschaften geben, die fusionieren, einige werden aber auch dicht machen." Dabei könnten nicht nur kleine Fondsanbieter über die Klinge springen. "Unterhalb der Top vier ist jeder gefährdet." Der Konsolidierungsprozess könne sich noch beschleunigen, wenn die Bundesregierung ihre Ankündigung wahrmacht, und die Spekulationsfrist kippt. sagt Wiecking. Dann müssten auch Fondsbesitzer, die ihre Anteile länger als ein Jahr halten, Steuern auf die erwirtschafteten Gewinne zahlen. Die Attraktivität von Aktienfonds gerade für die Altersvorsorge würde weiter sinken und die Branche noch stärker unter Druck geraten.
'FONDSGELDER MÜSSEN ALS SONDERVERMÖGEN BEHANDELT WERDEN'
Ob Anleger durch die Auflösung von Fonds Schaden nehmen, hängt davon ab, ob ein Fonds einfach nur geschlossen wird oder eine ganze Gesellschaft das Zeitliche segnet. Wird ein Fonds wegen fehlender Rentabilität geschlossen, wird den Kunden meist ein Ersatz angeboten, in den sie ihr Geld transferieren können. Zwar gibt es keine Verpflichtung, dass dabei kein neuer Ausgabeausschlag für die Wertpapiere anfällt, wie Oliver Struck von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) sagt. "Das machen die Gesellschaften aber schon aus Eigeninteresse. Schließlich wollen sie ihre Kunden nicht verlieren." Wenn die ganze Gesellschaft jedoch vom Markt verschwindet, bleiben die Anleger jedoch auf den Kosten für die Neuanlage ihrer Gelder sitzen. Angst vor einem Verlust seines angelegten Vermögens braucht zumindest bei in Deutschland ansässigen Fondsgesellschaften auch bei einer Pleite niemand zu haben. "Die Fondsgelder müssen als Sondervermögen behandelt werden, das nichts mit der Kapitalanlagegesellschaft zu tun hat", sagt Struck. "Das Geld geht damit nicht verloren und wird bei Auflösung der Gesellschaft ausgezahlt."/mt/FP/mw