BoerseOnline rät zum Verkauf D.Log.
D.Logistics versteckt Gewinnwarnung [21.08.01, 11:00]
Von Roland Lang
Detlef Hübner, Chef des Logistikdienstleisters D.Logistics, verbürgte sich kürzlich gegenüber BÖRSE ONLINE mit seinem Leben, dass die Planzahlen 2001 erreicht werden. Der angekündigte Sprung aus dem Fenster bleibt Hübner wohl zunächst erspart. Die am Dienstag gemeldeten Zahlen liegen auf den ersten Blick im Plan.
Die Gesellschaft aus Hofheim bei Frankfurt steigert von April bis Juni den Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 46 Prozent auf 193 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) klettert von 6,85 auf 7,16 Millionen Euro – ein Zuwachs von 4,5 Prozent.
Der Service-Anbieter für Flughäfen und die Chemieindustrie erlöst im ersten Halbjahr insgesamt 325 Millionen Euro, 158 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Mit einem Plus von 120 Prozent legt das EBIT leicht unterproportional auf 14,01 Millionen Euro zu.
D.Logistics trifft mit den Zahlen exakt die durchschnittliche Prognose der Analysten für den Umsatz. Das EBIT bleibt hingegen leicht unter den erwarteten 14,25 Millionen Euro.
Angesichts des drastischen Verfalls des Unternehmenswertes auf aktuell 280 Millionen Euro stellt sich die Frage, wie viele schlechte Nachrichten und Gerüchte bereits eingepreist sind. Positiv stimmt die Aussage Hübners, im laufenden Jahr zunächst die übernommenen Gesellschaften, wie zuletzt Infraserv und CSC, zu integrieren und keine weiteren Akquisitionen zu tätigen.
Die Liquiditätssituation der Gesellschaft ist angesichts kurzfristiger Verbindlichkeiten in Höhe von 312 Millionen Euro angespannt. Die flüssigen Mittel von 37 Millionen Euro reichen derzeit noch für die Finanzierung der laufenden Geschäftstätigkeit. Die geplanten Restrukturierungen mit Verkäufen und die Reduzierung der Zahlungsziele für die Kunden von 78 auf 45 Tage zeigen bislang aber noch keine Wirkung.
Probleme bereitet besonders das Geschäftsfeld IT und E-Commerce. Die Erlöse von 4,7 Millionen Euro sind nur ein Bruchteil des Konzernumsatzes und bleiben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Deshalb will D.Logistics die Tochter Mondealnet verkaufen. Die Beteiligung Quantum.Logistics wurde bereits abgegeben.
Die starken Kursausschläge am Dienstag – erst in den Topgewinnern, dann Topverlierer - rühren aus einer versteckten Gewinnwarnung im Ausblick des Halbjahresberichts. „Abweichungen“ durch die schwache Konjunktur und die Umstrukturierung belasten, warnt die Gesellschaft. Diese Kleinigkeit wurde aber in der Pressemitteilung am Morgen vergessen.
Für wenig Vertrauen an den Kapitalmärkten sorgte zudem die Nachricht, dass Vorstand Hübner künftig auch das Finanzressort in Personalunion leitet. Eine Berufung der Beraterin Lucia Mathée zum Finanzvorstand hätte ein positiveres Signal gesendet.
boerse-online.de rät weiterhin zum VERKAUF der Aktie. D.Logistics kämpft derzeit mit vielen hausgemachten Problemen aus dem aggressiven Wachstum der Vergangenheit und der nachlassenden Konjunktur. Die ambitionierte Planung des Unternehmens mit einem Jahresumsatz von 773 Millionen Euro und einem Gewinn vor Zinsen und Steuern von 47 Millionen Euro erscheint angesichts der konjunkturellen Schwäche in Deutschland nur noch schwer erreichbar.
Zudem ist D.Logistics im Branchenvergleich mit einer EBIT-Marge von 4,3 Prozent einer der ertragsschwächsten Titel. Im laufenden Jahr sollte damit der Gewinn nur noch 0,30 Euro nach zuvor bereits nach unten revidierten 0,55 Euro je Aktie erreichen. Für 2002 ist mit einem Gewinn von 0,70 Euro nach zuvor geschätzten 0,90 Euro zu rechnen.
Empfehlung: VERKAUFEN
Kurs am 21. August: 10,00 Euro
Rückschlagpotenzial: 30 Prozent