Für 2006 werde der Autozulieferer einen Umsatz von rund 15 Milliarden Euro ausweisen. Der operative Gewinn (Ebit) soll über dem von 2005 liegen. So zitierte am Dienstag ein Konzernsprecher aus Unterlagen von Finanzchef Alan Hippe zu einer Investorenkonferenz in Frankfurt. 2005 hatte Conti bei Erlösen von 13,8 Milliarden Euro einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 1,5 Milliarden Euro erzielt. Endgültige Zahlen werden am 22. Februar veröffentlicht.
Continental
In den vergangenen Wochen gab es gelegentlich Mutmaßungen, dass der DAX-Konzern wegen des schlechten Geschäfts mit Winterreifen auf Grund des milden Winters sowie der hohen Rohstoffkosten seine Gewinnziele verfehlen könnte. Denn der Reifenhersteller musste 2006 den noch sehr hohen Rohstoffkosten Tribut zollen. Rund 17 Prozent der gesamten Kosten entfallen auf Naturkautschuk und ölpreissensitive Rohstoffe. Die damit verbundenen Belastungen dürften sich aber nicht deutlich über 300 Millionen Euro belaufen. Denn zum einen konnte Conti die höheren Rohstoffkosten mittels Preiserhöhungen teilweise an die Kunden weitergeben. Zum anderen wirkt sich die Verlagerung der Produktion an Niedrigkostenstandorte sehr positiv aus.
Ohnehin zeichnet sich für 2007 wegen der signifikant gesunkenen Rohmaterialpreise eine Besserung ab. Seit Jahresanfang ist der Ölpreis um rund 15 Prozent gefallen. Eine deutliche Erholung ist im ersten Quartal wegen der am Öl-Markt bestehenden Überkapazitäten nicht in Sicht. Bereits im letzten BÖRSE ONLINE-Interview (siehe BÖRSE ONLINE 44/2006) verwies denn auch Finanzchef Alan Hippe auf diese Entwicklung: „Für 2007 gibt es von dieser Seite her positive Effekte. Die Rohmaterialpreise sind ja signifikant gesunken. Dies sichert uns zusätzliches Margenpotenzial.“
Doch nicht nur wegen der Entwarnung von der Rohstoffseite her, stehen die Zeichen für den Autozulieferer auf Grün. Conti ist weit mehr als ein Reifenhersteller. Neben dem Reifengeschäft sind die Hannoveraner in den Sparten Automotive Systems mit Produkten wie das Anti-Blockier-System (ABS) und Conti-Tech mit Industrieangeboten wie Förderbänder und Luftfedern für Lkws aktiv. Zukunftsträchtig ist vor allem das Geschäft mit Systemen zur Elektronischen Stabilitätskontrolle (ESC). Diese Sicherheitssysteme dürften in den USA ab 2012 als Standard vorgeschrieben werden. Die US-Verkehrsbehörde hat eine Empfehlung dafür ausgesprochen, die Pkw-Hersteller haben eine freiwillige Selbstverpflichtung abgegeben.
Conti und Bosch teilen dieses Geschäft unter sich auf. Hohe Zuwachsraten sind daher garantiert. Die HVB-Experten sehen das weltweite ESC-Marktvolumen von zuletzt mehr als zwei Milliarden Euro bis 2012 auf sechs Milliarden Euro steigen.
Angesichts dieser Aussichten sollte die Aktie nach der jüngsten Seitwärtsbewegung wieder stärker anziehen. Der 2006er-Höchststand von knapp 100 Euro dürfte bald geknackt werden können. Zumal in dem Papier auch ein gehöriges Maß an Übernahmephantasie steckt. Denn für Private Equity-Firmen ist der Wert weiter sehr interessant. Conti ist gering verschuldet, hat hohe Barmittel sowie gute Wachstumsperspektiven und ließe sich gut zu einem Weiterverkauf in drei Einheiten filettieren.
Empfehlung: Kaufen
Kurs am 16.1.07: 92,03 Euro
Stoppkurs: 82,00 Euro