Aktie & Unternehmen
Aktienanzahl 145,5 Mio
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Indizes/Listen DAX (Per.), Prime Standard, HDAX, CDAX
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| Strategie | Hebel | |||
| Steigender DAX-Kurs | 5,00 | 9,98 | 15,04 | |
| Fallender DAX-Kurs | 5,00 | 9,99 | 15,00 | |
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Der Autozulieferer Continental (Continental Aktie) hat seine Aktionäre auf der Hauptversammlung auf einen neuen Kurs eingeschworen. "Heute wollen wir Continental verändern und neue Kräfte freisetzen", sagte Vorstandschef Nikolai Setzer in Hannover. "Es geht um die bisher tiefgreifendste Neuaufstellung in unserer Unternehmensgeschichte."
Conti trennt sich von seiner schwächelnden Autozuliefersparte. Aumovio soll über einen sogenannten reinen Spin-Off an die Börse gebracht werden, wie auf der Hauptversammlung mehrheitlich entschieden wurde. Der Vorstand und der Aufsichtsrat hatten der Abspaltung bereits zugestimmt. Bis Oktober 2025 soll der Spin-Off abgeschlossen sein.
Bei einem reinen Spin-Off bekommen die Aktionäre neue Aktien des abzuspaltenden Teils einfach ins Depot gebucht und können dann entscheiden, ob sie dabeibleiben oder Anteile verkaufen. Geld fließt dem Dax -Konzern durch solch ein Verfahren nicht zu.
Contis Autozuliefergeschäft gilt seit Langem als Sorgenkind und schrieb in den vergangenen Jahren immer wieder rote Zahlen. In dem nach Umsatz größten Konzernteil wurde der Sparkurs zuletzt noch einmal verschärft. Mehr als 10.000 Stellen fallen weg, jeweils rund zur Hälfte in der Verwaltung und in Forschung und Entwicklung.
Reif(en) für den Wandel
Und auch von seiner Kunststofftechniksparte Contitech will sich der Konzern trennen. Vorbehaltlich notwendiger Beschlüsse könnte eine Verselbstständigung im Laufe des Jahres 2026 erfolgen. Bleiben soll nach einem Verkauf nur noch das angestammte Reifengeschäft.
Continental war jahrzehntelang ein großer Mischkonzern aus Reifen, Gummi- und Kunststofftechnik, Bremsen, Elektronik, Sensorik, Fahrerassistenz und weiteren Autozulieferaktivitäten. Genau diese Breite wird nun aufgelöst. Nach der Abspaltung der Automotive-Sparte als Aumovio im September 2025 und dem am 4. Juli 2026 vereinbarten Verkauf von ContiTech an Lone Star wird Continental nach Vollzug der Transaktion im Kern ein reiner Reifenhersteller sein. Man bewertet künftig also nicht mehr den alten Autozulieferer Continental, sondern im Wesentlichen einen globalen Premium-Reifenhersteller mit starker Marke, hoher Ersatzmarktquote und deutlich saubererer Konzernstruktur. (Continental AG)
Historisch ist Continental eines der großen deutschen Industrieunternehmen. Gegründet wurde es am 8. Oktober 1871 in Hannover als Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie. Zu Beginn produzierte Continental Weichgummiwaren, gummierte Stoffe sowie Vollreifen für Kutschen und Fahrräder. 1892 stellte Continental als erstes deutsches Unternehmen Luftreifen für Fahrräder her, 1898 begann die Produktion von Automobil-Luftreifen, und 1904 präsentierte Continental nach eigener Darstellung den weltweit ersten Autoreifen mit Profil. Später folgten der Ausbau zum großen deutschen Gummikonzern, die Fusionen zur Continental Gummi-Werke AG 1928, die Expansion in Reifen und Industrietechnik sowie ab den 1990er-Jahren der starke Ausbau des Autozuliefergeschäfts. Continental benennt in seiner eigenen Historie auch klar die dunkle Phase von 1933 bis 1945: Das Unternehmen wurde damals ein wichtiger Zulieferer der nationalsozialistischen Rüstungs- und Kriegswirtschaft. Diese Geschichte gehört dazu und sollte nicht ausgespart werden. (Continental AG)
Die jüngere Geschichte war vor allem von Konzernumbau geprägt. 2007 kaufte Continental Siemens VDO und wurde damit zu einem der großen globalen Autozulieferer. 2009 wurde Schaeffler nach dem Übernahmeangebot Großaktionär. Nach Jahren mit schwieriger Autozuliefermarge, Transformation zur Elektromobilität, hoher Komplexität und Kapitalmarktabschlag entschied Continental, die Struktur wieder radikal zu vereinfachen. 2025 wurde die Automotive-Sparte als Aumovio eigenständig an die Börse gebracht. Am 4. Juli 2026 unterzeichnete Continental den Verkauf von ContiTech an Lone Star zu einem Unternehmenswert von 4,0 Milliarden Euro plus mögliche erfolgsabhängige Komponenten von bis zu 250 Millionen Euro. Continental erwartet daraus rund 3,1 Milliarden Euro Mittelzufluss und will etwa 2,5 Milliarden Euro an Aktionäre zurückgeben, entweder über eine Sonderdividende oder eine Kombination aus Sonderdividende und Aktienrückkäufen. Bei rund 200 Millionen ausstehenden Aktien entspricht das rechnerisch etwa 12,50 Euro je Aktie, wobei eine Sonderdividende natürlich am Ex-Tag den Kurs rechnerisch reduziert und deshalb kein „geschenktes Geld“ ist. (Continental AG)
Die Aktie ist damit ein Sondersituationswert im DAX. Continental ist unter der ISIN DE0005439004 und WKN 543900 notiert, das Xetra-/Bloomberg-Kürzel ist CON, Reuters führt CONG. Zum 31. Dezember 2025 gab es 200.005.983 ausstehende Aktien. Der Großaktionär ist die IHO-Gruppe aus dem Schaeffler-Umfeld mit 46 Prozent; der Streubesitz nach Definition der Deutschen Börse liegt bei 54 Prozent. Am 8. Juli 2026 lag die Aktie im Bereich von rund 70 Euro, konkret wurden am Mittwoch Kurse um 70,38 Euro gemeldet. Daraus ergibt sich überschlägig eine Börsenkapitalisierung von rund 14 Milliarden Euro. (Continental AG)
Operativ sehen die aktuellen Zahlen solide aus, aber man muss sie richtig lesen. 2025 erzielte Continental aus fortgeführten Aktivitäten 19,7 Milliarden Euro Umsatz und eine bereinigte EBIT-Marge von 10,3 Prozent. Das Reifengeschäft kam auf 13,8 Milliarden Euro Umsatz und 13,6 Prozent bereinigte EBIT-Marge. ContiTech erzielte 6,0 Milliarden Euro Umsatz und 5,3 Prozent bereinigte EBIT-Marge. Der bereinigte Free Cashflow lag 2025 bei rund 1,0 Milliarden Euro. Für das erste Quartal 2026 meldete Continental 4,4 Milliarden Euro Umsatz, 522 Millionen Euro bereinigtes EBIT, eine bereinigte EBIT-Marge von 11,9 Prozent, 200 Millionen Euro Konzernergebnis und 35 Millionen Euro bereinigten Free Cashflow. Das ist kein Wachstumswunder, aber die Profitabilität ist ordentlich, vor allem im Reifengeschäft. (annualreport.continental.com)
Für 2026 bestätigte Continental im Mai trotz geopolitischer Unsicherheiten die Prognose: Konzernumsatz von 17,3 bis 18,9 Milliarden Euro, bereinigte EBIT-Marge von 11,0 bis 12,5 Prozent und bereinigter Free Cashflow von 0,8 bis 1,2 Milliarden Euro. Für Tires erwartet Continental 13,2 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz und 13,0 bis 14,5 Prozent bereinigte EBIT-Marge. Für ContiTech waren vor dem jetzt vereinbarten Verkauf noch 4,2 bis 4,8 Milliarden Euro Umsatz und 7,0 bis 8,5 Prozent bereinigte EBIT-Marge geplant. Da ContiTech künftig als aufgegebener Geschäftsbereich dargestellt werden soll, wird die 2026er Konzernoptik nach dem Halbjahresbericht noch einmal anders aussehen. Wichtig ist aber: Die Prognose für das Reifengeschäft bleibt laut Continental vom ContiTech-Verkauf unberührt. (annualreport.continental.com)
Strategisch ist die neue Continental einfacher zu verstehen als die alte. Das Reifengeschäft hat strukturelle Vorteile: Reifen sind Verschleißteile, das Ersatzgeschäft ist wesentlich stabiler als die reine Erstausrüstung, Premiumreifen haben Preissetzungskraft, und große Reifendimensionen beziehungsweise Ultra-High-Performance-Reifen erhöhen den Mix. Continental sagt selbst, dass 76 Prozent der Reifenerlöse global aus dem Ersatzgeschäft stammen, Pkw-Reifen rund 77 Prozent der Reifensparte ausmachen und Ultra-High-Performance-Reifen inzwischen etwa 55 Prozent der Pkw-Reifenverkäufe über alle Marken und rund 62 Prozent bei der Marke Continental ausmachen. Das ist für die Marge wichtig. Ein Autohersteller kann die Produktion verschieben, aber gefahrene Reifen müssen ersetzt werden. (Continental AG)
Die mittelfristigen Ziele sind ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Continental hatte beim Capital Market Day 2025 für die kommenden drei bis fünf Jahre ein Potenzial für die Reifensparte von 14,5 bis 16,0 Milliarden Euro Umsatz und 13,0 bis 16,0 Prozent bereinigter EBIT-Marge genannt. Für den damaligen Gesamtkonzern inklusive ContiTech lag das mittelfristige Potenzial bei 19,5 bis 22,0 Milliarden Euro Umsatz und 12,0 bis 14,5 Prozent bereinigter EBIT-Marge. Nach dem Verkauf von ContiTech ist für Aktionäre aber vor allem die Reifensparte relevant. Wenn Continental als reiner Reifenhersteller dauerhaft im oberen Bereich dieser Margenspanne arbeitet, verdient das Unternehmen eine deutlich sauberere Bewertung als früher. Wenn die Margen nur am unteren Rand bleiben, bleibt die Aktie eher ein Dividenden- und Rückkaufwert als ein großer Wachstumswert. (EQS News)
Meine Einschätzung zur Aktie ist daher: Continental ist Stand Juli 2026 kein spekulativer Turnaround mehr im klassischen Sinn, sondern ein Struktur- und Bewertungsfall. Die große Frage ist nicht mehr, ob der Konzernumbau kommt; er ist weitgehend vollzogen. Die Frage ist, welchen Bewertungsmultiplikator der Kapitalmarkt einem fokussierten Reifenhersteller mit 13 bis 15 Prozent EBIT-Marge, 0,8 bis 1,2 Milliarden Euro Free Cashflow und möglicher Sonderrückführung zubilligt. Analysten lagen im April 2026 mit ihren Kurszielen grob zwischen 65 und 90 Euro; seitdem ist der ContiTech-Verkauf als wertrelevantes Ereignis hinzugekommen. (Continental AG)
Die Dividendenperspektive ist attraktiv, aber hängt von der finalen Kapitalallokation ab. Für 2025 schlug der Vorstand eine Dividende von 2,70 Euro je Aktie vor. Nach dem Automotive-Spin-off hatte Continental eine erhöhte Ausschüttungsspanne von 40 bis 60 Prozent des Nettogewinns in Aussicht gestellt. Nach dem ContiTech-Verkauf sollen zusätzlich rund 2,5 Milliarden Euro an Aktionäre zurückfließen. Bei einem Kurs um 70 Euro ist die laufende Dividendenrendite auf Basis von 2,70 Euro bereits knapp 4 Prozent; die Sonderrückführung wäre separat zu betrachten. (Continental AG)
Für die nächsten fünf bis fünfzehn Jahre sehe ich Continental als qualitativ guten, aber nicht explosiven Industrietitel. Reifen bleiben ein globaler Markt mit stetigem Ersatzbedarf. Elektromobilität schadet Continental nicht grundsätzlich; schwere, drehmomentstarke Elektrofahrzeuge können den Reifenverschleiß sogar erhöhen und verlangen technisch anspruchsvolle Reifen. Gleichzeitig bleibt das Geschäft zyklisch: Autoabsatz, Fahrleistung, Rohstoffpreise, Energiepreise, Währungen, Zölle und Wettbewerb aus Asien können die Marge spürbar bewegen. Der größte Vorteil ist die neue Einfachheit. Ein fokussierter Reifenhersteller ist für Investoren leichter zu bewerten als ein Konglomerat aus Reifen, Industrietechnik und kapitalintensiver Autoelektronik.
Die Risiken sind dennoch real. Erstens ist der Reifenmarkt reif und hart umkämpft. Michelin, Bridgestone, Goodyear, Pirelli und asiatische Hersteller schlafen nicht. Zweitens können Rohstoffe wie Naturkautschuk, synthetischer Kautschuk, Ruß, Chemikalien und Energie die Marge drücken. Drittens bleibt Continental international stark währungs- und zollabhängig. Viertens ist die geplante Aktionärsrückführung aus dem ContiTech-Verkauf zwar angekündigt, aber noch vom Closing, regulatorischen Freigaben, finalen Kaufpreisanpassungen und der Entscheidung über Sonderdividende versus Rückkauf abhängig. Fünftens muss das Management beweisen, dass die neue schlanke Struktur nicht nur optisch, sondern auch operativ besser funktioniert.
Unterm Strich ist Continental im Juli 2026 für mich eine solide Halte- bis Kaufposition für Anleger, die einen fokussierten deutschen Qualitätswert mit Sonderausschüttungsfantasie, starker Marke und vernünftiger Bewertung suchen. Die Aktie ist für meine Begriffe ein reifer Industriewert mit möglicher Neubewertung, sobald der Markt Continental nicht mehr als alten Autozulieferer, sondern als globalen Premium-Reifenhersteller betrachtet. Wer einen bereinigten Konzern mit ordentlicher Marge, starkem Ersatzmarktgeschäft, potenziellen Rückkäufen und einer realistischen Total-Return-Chance sucht, sollte Continental ernsthaft im Auge behalten.
Ich selbst bin hier nicht drin und habe auch keinen Einstieg vor. Mich interessieren vor allem deutsche Unternehmen nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch mit Blick auf ihre Historie. Dabei war Continental mir im Zuge meiner Recherchen mit auf den Schirm geraten, aber jetzt bin ich wieder raus aus diesem Thread und werde weiterhin nur noch ab und an mitlesen.
Allen, die hier investiert sind, wünsche ich viel Erfolg.
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| 46 | 3.105 | Continental | nuessa | MrTrillion3 | 14.07.26 19:33 | |
| 6 | Winterreifen Investment | White Rock | Highländer49 | 23.10.25 16:44 | ||
| 46 | 1.189 | Dax-Einzelwertetrading KW 04 | hardyman | Kautschuk | 14.08.23 13:36 | |
| 3 | +++Morgenbericht mit Terminen+Analysten 16.01.07+ | eposter | Worldsmoney | 09.05.21 11:30 |