3. Finanzmärkte
Europa
(Kursangaben zum 26.07.02, 13:30 Uhr)
Die panikartigen Verluste an den europäischen Börsen setzten sich
auch in dieser Woche fort. Führende Aktienindizes wie der
DAX erreichten neue mehrjährige Tiefstände. Der
Stoxx50 Index gab im Wochenverlauf 6,6% auf 2.462
Punkte ab, und der DAX büßte mit einem Minus von 12,7% auf 3.397
Zähler kräftig ein.
Zu Wochenbeginn wurden weitere Einzelheiten zum Fall
Worldcom bekannt. Danach soll Worldcom bei der
Deutschen Bank mit ca. 1 Mrd. USD in der Kreide stehen. Die Aktien
der Deutschen Bank verloren im Wochenverlauf bis zu 20% auf 50,0 EUR.
Unstimmigkeiten bezüglich des Verhaltens von Vorstandssprecher
Ackermann in seiner früheren Funktion als Aufsichtsratsmitglied der
Mannesmann belasteten den Aktienkurs zusätzlich. Doch auch andere
Finanzdienstleister mussten Federn lassen. Die
HypoVereinsbank berichtete Ergebnisse weit unter den
Erwartungen der Marktakteure und gab zwischenzeitlich bis zu einem
Drittel ihres Börsenwerts ab. Unter Druck standen auch
Allianz und MLP mit Tagesverlusten
von in der Spitze 35 und 21 Prozent. MLP geriet ins Fadenkreuz der
Staatsanwaltschaft, die scheinbar Zweifel an der Bilanzierungspraxis
des Heidelberger Unternehmens hegt. Büros der Allianz wurden von
Vertretern des Bundes-Kartellamts durchsucht, die sich Hinweise auf
illegale Preisabsprachen bei Firmenversicherungen versprachen. Eine
Gewinnwarnung des niederländischen Versicherers Aegon tat ihr
übriges. Man erwartet nun einen um 30% bis 35% niedrigeren
Jahresgewinn als ursprünglich avisiert. Auch die Münchener
Rück bekam diese Nachricht zu spüren und gab in den beiden
Folgetagen bis zu zwanzig Prozent ab.
Aus technischer Sicht bleiben für Stoxx50 und DAX weitere Kursrisiken
bestehen. Ein neues Jahrestief markierte der STOXX50-Index am 24.7.
bei 2.305 Punkten. Damit wurde der Septembertiefststand des
vorangegangenen Jahres bei 2.784 mehr als deutlich unterschritten
bevor eine technische Gegenbewegung einsetzte. Zwar haben die
kurzfristigen Marktindikatoren nach dem Intraday-Reversal erstmals
wieder kurzfristige Positivsignale generiert, der weitere technische
Ausblick wird jedoch in erster Linie von dem unverändert negativen
Votum der Trendindikatoren geprägt. Diese Indikatorengruppe ist
aktuell von allergrößter Bedeutung zumal der Abwärtstrend unverändert
als sehr stark ausgeprägt einzuschätzen ist. Das Ausmaß der
Trendstärke kann mit Hilfe der aus dem Directional Movement-Indikator
abgeleiteten ADX-Linie quantifiziert werden. Diese bewegt sich
aktuell auf einem im historischen Vergleich sehr hohen Niveau und
indiziert damit ein sehr hohes Beharrungsvermögen des nach unten
gerichteten Primärtrends.
Unsere technische Schlussfolgerung der letzten Wochen erfährt daher
keine Änderung: Es überwiegen die Abwärtsrisiken. Als nicht ganz
unproblematisch entpuppt sich die Suche nach weiteren
Unterstützungen. Neben dem neu ausgebildeten mehrjährigen Jahrestief
bei 2.305 Punkten ist hier vor allem die Marke bei 2.000 Zählern zu
nennen. Unmittelbar oberhalb dieses Indexniveaus konsolidierte der
Markt im Frühjahr 1997.
Auch der XETRA DAX setzte im Wochenverlauf mit dem
Erreichen neuer Jahrestiefststände seinen Abwärtstrend fort. Trotz
des fortgeschrittenen Ausverkaufs signalisieren auch hier unsere
technischen Indikatoren ein Überwiegen der Risiken nach unten. Das
ohnehin bereits stark ausgeprägte Abwärtsmomentum hat sich zuletzt
sogar noch verstärkt. Die wichtigen Unterstützungen liegen jetzt bei
3.265 (Tiefststand vom 24.07.) sowie 3.192 Zählern. Die zuletzt
genannte technische Marke leitet dabei ihre Unterstützungsfunktion
aus einer im Frühjahr des Jahres 1997 stattfindenden Konsolidierung
ab. Kurzfristige Erholungsziele etwaiger zwischenzeitlicher
Gegenbewegungen befinden sich demgegen-über bei 3.825 und 3.946
Punkten. Ein stark pessimistisches Stimmungsbild weist weiterhin die
als Kontraindikator zu interpretierende Put/Call-Ratio der
Aktienoptionen auf, die zuletzt erneut im Ansteigen begriffen war.
Dieser - isoliert betrachtet sicherlich positiv zu interpretierende -
Umstand stellt jedoch lediglich eine notwendige, nicht aber eine
hinreichende Bedingung hinsichtlich einer in Kürze einsetzenden
Bodenbildung dar.
Wie auch schon in der Vorwoche bewies der Neue Markt erneut im
direkten Vergleich zu Stoxx50 und DAX relative Stärke. Der
NEMAX50 erzielte trotz eines neuen Allzeittiefs zur
Wochenmitte eine Wochenperformance von minus 5,6%, und der breite
Markt NEMAX All Share gab 6,2% ab.
Gleich zu Beginn der Woche geriet IM
InternationalMedia in Erklärungsnot. Der neuste Kinofilm der
Gesellschaft "K19: Showdown in der Tiefe" konnte sich an
seinem Debut-Wochenende in den USA nicht gegen die Konkurrenz
durchsetzten und erzielte lediglich rund 13 Mio. USD anstatt der
erhofften 20 bis 25 Mio. USD. Die Chancen, dass der fast 100 Mio. USD
teure U-Boot-Streifen, der mit Hollywood-Größen wie Harrison Ford und
Liam Neeson besetzt ist, den erwarteten Ergebnis-Beitrag bringt,
haben sich dadurch zunächst verschlechtert. Die Aktie verlor auf die
Nachricht bis zu 26% auf 2,0 EUR.
Ein Glanzlicht setzte hingegen Balda. Der
Handygehäuse-Hersteller kehrte im abgelaufenen Quartal durch eine
leichten Gewinn von siebzigtausend Euro bzw. 0,2 Cent/Aktie wieder in
die Gewinnzone zurück. Das Vorquartal hatte die Gesellschaft noch mit
einem Verlust von -2.3 Mio. EUR bzw. -7 Cent/Aktie abgeschlossen. Den
Markt überzeugte jedoch vor allem die Aussicht, den zurückliegenden
Quartalsumsatz von 42 Mio. EUR im aktuellen Quartal auf 48 Mio. EUR
steigern zu können. Auch erwartet die Gesellschaft bereits zum
Jahresende erste Erfolge im neuen Geschäftsbereich Medizintechnik
vorweisen zu können. Hier fertigt die Gesellschaft u. a. Komponenten
für Diabetes- und Asthmaprodukte von Roche Diagnostics. Die Aktien
des Unternehmens gewannen erneut gegen den Trend und legten im
Wochenverlauf fast 20 % zu.
Hinsichtlich der Markttechnik fällt auf, dass der vorherrschende
Abwärtstrend auch beim NEMAX 50 immer noch stark ausgeprägt ist,
wenngleich der Index mit der Marke bei 500 Punkten auch eine starke
Unterstützungszone ausbildete. Aufgrund dieses Umstands gelang dem
Blue Chip-Barometer des Neuen Marktes sogar eine zeitweilige
Outperformance des DAX30. Dennoch überwiegen auch bei diesem Markt
die Kursrisiken nach unten. Aufgrund der unverändert als sehr
anfällig einzuschätzenden technischen Gesamtsituation erscheint ein
Durchbrechen der genannten Supportzone lediglich eine Frage der Zeit
zu sein. Kurzfristige Erholungstendenzen stoßen demgegenüber bei 588
und 619 Zählern auf ausgeprägte Widerstände.
Am Devisenmarkt zeigte der Euro/Dollar-Wechselkurs vergangenen
Dienstag erstmals Schwäche und durchstieß die Parität nach unten.
Dabei ist die Mehrheit der Marktteilnehmer mittelfristig nach wie vor
eher dollar-negativ gestimmt. Diese Ansicht stützen auch Modelle wie
das der OECD, welches die Kaufkraftparität erst bei 1,13 USD / Euro
erreicht sieht. Nach der dreimonatigen steilen Aufwärtsbewegung - von
einem Ausgangsniveau von 88 US-Cents pro Euro – die den Euro
über 16 Prozent aufwertete, war aus technischer Sicht ein Rückschlag
allerdings überfällig. Auch der Bull/Bear-Index von Cognitrend hatte
mit 0,95 zwischenzeitlich den tiefsten Stand seit Februar erreicht.
Die fundamentalen Voraussetzungen der Dollarschwäche sind dabei nach
wie vor gültig: Anhaltende Kursverluste der US-Aktienmärkte,
andauernde Bilanzierungs- und Corporate-Governance-Krise und Sorgen
um die Entwicklung der US-Konjunktur. Hinzu kommt die Belastung durch
das US-Leistungsbilanzdefizit. Auch der EZB kommt die Dollarschwäche
über den Importpreiseffekt zugute, welcher sich über reduzierte
Europreise der Importgüter entspannend auf das Inlandspreisniveau
auswirkt. Die Notenbänker werden somit ihrem Teuerungsziel von 2%
eher gerecht. Allein das hohe Tempo der Dollarabwertung kann den
Notenbanken nicht ganz recht sein.
Im Zuge des kurzfristigen Anziehens des Dollars gaben daneben auch
Yen, Pfund und Franken wieder leicht ab. Der Yen wurde zusätzlich
durch die Ankündigung des japanischen Finanzministers Shiokawa
belastet, die Bank von Japan stehe Gewehr bei Fuß den Dollar/Yen-
Wechselkurs zu stabilisieren.
Angesichts einer unsicheren Wirtschaftsentwicklung und fallender
Börsen tendierte der Rentenmarkt erneut freundlicher. Dabei
profitierten die Staatsanleihen in weitaus stärkerem Maße als die
Unternehmensanleihen. Ereignisse wie der Fall Worldcom schüren die
Angst vor dem Zahlungsausfall. Dabei sind allein in Deutschland
diesen Monat acht Platzierungen mit Ratings unter BBB (bzw. Baa ) im
Gesamtvolumen von 1,5 Mrd. Dollar geplant. So wurde diese Woche eine
Anleihe der ProSiebenSat1 i. H. v. 200 Mio. Euro zu
einem Coupon von 11,25% platziert. Der Aufschlag mit BB (bzw. Ba)
bewerteter Anleihen auf Staatsanleihen stieg allein in den letzten 3
Monaten von durchschnittlich 4,8% auf über 8,9%.
Auch die jüngsten Makrodaten wirkten angesichts ihres gedämpften
Konjunkturausblicks eher stützend auf die Rentenmärkte. Der Ifo-
Geschäftsklima-Index wurde mit 89,9 nach 91,3 deutlich schwächer
berichtet, als dies der Markt mit 91,1 antizipiert hatte. Wie bereits
im Vormonatsreport drückte vor allem der von Marktteilnehmern nicht
antizipierte Rückgang der Erwartungskomponente des Index auf die
Stimmung (102,5 nach 104,9). Die Perspektiven für die deutsche
Binnenkonjunktur bleiben schwach, während der zum Jahresanfang
aufgekommene Optimismus hinsichtlich der Exportaussichten bröckelt.
Ausschlaggebend sind hier die schwächere Entwicklung der
Hauptabsatzmärkte in Europa und den USA, sowie die starke Befestigung
der Eurodevise zum US-Dollar.
Den ganzen Artikel mit weiteren Beiträgen zu den Finanzmärkten in
Nordamerika und Japan finden Sie
bis zum Erscheinen des nächsten Consors Weekly auf der Consors
Website im Research-Bereich unter der folgenden Adresse:
http://www.consors.de/research/magazin/_newsData/...020726/index.html
Gruß
Europa
(Kursangaben zum 26.07.02, 13:30 Uhr)
Die panikartigen Verluste an den europäischen Börsen setzten sich
auch in dieser Woche fort. Führende Aktienindizes wie der
DAX erreichten neue mehrjährige Tiefstände. Der
Stoxx50 Index gab im Wochenverlauf 6,6% auf 2.462
Punkte ab, und der DAX büßte mit einem Minus von 12,7% auf 3.397
Zähler kräftig ein.
Zu Wochenbeginn wurden weitere Einzelheiten zum Fall
Worldcom bekannt. Danach soll Worldcom bei der
Deutschen Bank mit ca. 1 Mrd. USD in der Kreide stehen. Die Aktien
der Deutschen Bank verloren im Wochenverlauf bis zu 20% auf 50,0 EUR.
Unstimmigkeiten bezüglich des Verhaltens von Vorstandssprecher
Ackermann in seiner früheren Funktion als Aufsichtsratsmitglied der
Mannesmann belasteten den Aktienkurs zusätzlich. Doch auch andere
Finanzdienstleister mussten Federn lassen. Die
HypoVereinsbank berichtete Ergebnisse weit unter den
Erwartungen der Marktakteure und gab zwischenzeitlich bis zu einem
Drittel ihres Börsenwerts ab. Unter Druck standen auch
Allianz und MLP mit Tagesverlusten
von in der Spitze 35 und 21 Prozent. MLP geriet ins Fadenkreuz der
Staatsanwaltschaft, die scheinbar Zweifel an der Bilanzierungspraxis
des Heidelberger Unternehmens hegt. Büros der Allianz wurden von
Vertretern des Bundes-Kartellamts durchsucht, die sich Hinweise auf
illegale Preisabsprachen bei Firmenversicherungen versprachen. Eine
Gewinnwarnung des niederländischen Versicherers Aegon tat ihr
übriges. Man erwartet nun einen um 30% bis 35% niedrigeren
Jahresgewinn als ursprünglich avisiert. Auch die Münchener
Rück bekam diese Nachricht zu spüren und gab in den beiden
Folgetagen bis zu zwanzig Prozent ab.
Aus technischer Sicht bleiben für Stoxx50 und DAX weitere Kursrisiken
bestehen. Ein neues Jahrestief markierte der STOXX50-Index am 24.7.
bei 2.305 Punkten. Damit wurde der Septembertiefststand des
vorangegangenen Jahres bei 2.784 mehr als deutlich unterschritten
bevor eine technische Gegenbewegung einsetzte. Zwar haben die
kurzfristigen Marktindikatoren nach dem Intraday-Reversal erstmals
wieder kurzfristige Positivsignale generiert, der weitere technische
Ausblick wird jedoch in erster Linie von dem unverändert negativen
Votum der Trendindikatoren geprägt. Diese Indikatorengruppe ist
aktuell von allergrößter Bedeutung zumal der Abwärtstrend unverändert
als sehr stark ausgeprägt einzuschätzen ist. Das Ausmaß der
Trendstärke kann mit Hilfe der aus dem Directional Movement-Indikator
abgeleiteten ADX-Linie quantifiziert werden. Diese bewegt sich
aktuell auf einem im historischen Vergleich sehr hohen Niveau und
indiziert damit ein sehr hohes Beharrungsvermögen des nach unten
gerichteten Primärtrends.
Unsere technische Schlussfolgerung der letzten Wochen erfährt daher
keine Änderung: Es überwiegen die Abwärtsrisiken. Als nicht ganz
unproblematisch entpuppt sich die Suche nach weiteren
Unterstützungen. Neben dem neu ausgebildeten mehrjährigen Jahrestief
bei 2.305 Punkten ist hier vor allem die Marke bei 2.000 Zählern zu
nennen. Unmittelbar oberhalb dieses Indexniveaus konsolidierte der
Markt im Frühjahr 1997.
Auch der XETRA DAX setzte im Wochenverlauf mit dem
Erreichen neuer Jahrestiefststände seinen Abwärtstrend fort. Trotz
des fortgeschrittenen Ausverkaufs signalisieren auch hier unsere
technischen Indikatoren ein Überwiegen der Risiken nach unten. Das
ohnehin bereits stark ausgeprägte Abwärtsmomentum hat sich zuletzt
sogar noch verstärkt. Die wichtigen Unterstützungen liegen jetzt bei
3.265 (Tiefststand vom 24.07.) sowie 3.192 Zählern. Die zuletzt
genannte technische Marke leitet dabei ihre Unterstützungsfunktion
aus einer im Frühjahr des Jahres 1997 stattfindenden Konsolidierung
ab. Kurzfristige Erholungsziele etwaiger zwischenzeitlicher
Gegenbewegungen befinden sich demgegen-über bei 3.825 und 3.946
Punkten. Ein stark pessimistisches Stimmungsbild weist weiterhin die
als Kontraindikator zu interpretierende Put/Call-Ratio der
Aktienoptionen auf, die zuletzt erneut im Ansteigen begriffen war.
Dieser - isoliert betrachtet sicherlich positiv zu interpretierende -
Umstand stellt jedoch lediglich eine notwendige, nicht aber eine
hinreichende Bedingung hinsichtlich einer in Kürze einsetzenden
Bodenbildung dar.
Wie auch schon in der Vorwoche bewies der Neue Markt erneut im
direkten Vergleich zu Stoxx50 und DAX relative Stärke. Der
NEMAX50 erzielte trotz eines neuen Allzeittiefs zur
Wochenmitte eine Wochenperformance von minus 5,6%, und der breite
Markt NEMAX All Share gab 6,2% ab.
Gleich zu Beginn der Woche geriet IM
InternationalMedia in Erklärungsnot. Der neuste Kinofilm der
Gesellschaft "K19: Showdown in der Tiefe" konnte sich an
seinem Debut-Wochenende in den USA nicht gegen die Konkurrenz
durchsetzten und erzielte lediglich rund 13 Mio. USD anstatt der
erhofften 20 bis 25 Mio. USD. Die Chancen, dass der fast 100 Mio. USD
teure U-Boot-Streifen, der mit Hollywood-Größen wie Harrison Ford und
Liam Neeson besetzt ist, den erwarteten Ergebnis-Beitrag bringt,
haben sich dadurch zunächst verschlechtert. Die Aktie verlor auf die
Nachricht bis zu 26% auf 2,0 EUR.
Ein Glanzlicht setzte hingegen Balda. Der
Handygehäuse-Hersteller kehrte im abgelaufenen Quartal durch eine
leichten Gewinn von siebzigtausend Euro bzw. 0,2 Cent/Aktie wieder in
die Gewinnzone zurück. Das Vorquartal hatte die Gesellschaft noch mit
einem Verlust von -2.3 Mio. EUR bzw. -7 Cent/Aktie abgeschlossen. Den
Markt überzeugte jedoch vor allem die Aussicht, den zurückliegenden
Quartalsumsatz von 42 Mio. EUR im aktuellen Quartal auf 48 Mio. EUR
steigern zu können. Auch erwartet die Gesellschaft bereits zum
Jahresende erste Erfolge im neuen Geschäftsbereich Medizintechnik
vorweisen zu können. Hier fertigt die Gesellschaft u. a. Komponenten
für Diabetes- und Asthmaprodukte von Roche Diagnostics. Die Aktien
des Unternehmens gewannen erneut gegen den Trend und legten im
Wochenverlauf fast 20 % zu.
Hinsichtlich der Markttechnik fällt auf, dass der vorherrschende
Abwärtstrend auch beim NEMAX 50 immer noch stark ausgeprägt ist,
wenngleich der Index mit der Marke bei 500 Punkten auch eine starke
Unterstützungszone ausbildete. Aufgrund dieses Umstands gelang dem
Blue Chip-Barometer des Neuen Marktes sogar eine zeitweilige
Outperformance des DAX30. Dennoch überwiegen auch bei diesem Markt
die Kursrisiken nach unten. Aufgrund der unverändert als sehr
anfällig einzuschätzenden technischen Gesamtsituation erscheint ein
Durchbrechen der genannten Supportzone lediglich eine Frage der Zeit
zu sein. Kurzfristige Erholungstendenzen stoßen demgegenüber bei 588
und 619 Zählern auf ausgeprägte Widerstände.
Am Devisenmarkt zeigte der Euro/Dollar-Wechselkurs vergangenen
Dienstag erstmals Schwäche und durchstieß die Parität nach unten.
Dabei ist die Mehrheit der Marktteilnehmer mittelfristig nach wie vor
eher dollar-negativ gestimmt. Diese Ansicht stützen auch Modelle wie
das der OECD, welches die Kaufkraftparität erst bei 1,13 USD / Euro
erreicht sieht. Nach der dreimonatigen steilen Aufwärtsbewegung - von
einem Ausgangsniveau von 88 US-Cents pro Euro – die den Euro
über 16 Prozent aufwertete, war aus technischer Sicht ein Rückschlag
allerdings überfällig. Auch der Bull/Bear-Index von Cognitrend hatte
mit 0,95 zwischenzeitlich den tiefsten Stand seit Februar erreicht.
Die fundamentalen Voraussetzungen der Dollarschwäche sind dabei nach
wie vor gültig: Anhaltende Kursverluste der US-Aktienmärkte,
andauernde Bilanzierungs- und Corporate-Governance-Krise und Sorgen
um die Entwicklung der US-Konjunktur. Hinzu kommt die Belastung durch
das US-Leistungsbilanzdefizit. Auch der EZB kommt die Dollarschwäche
über den Importpreiseffekt zugute, welcher sich über reduzierte
Europreise der Importgüter entspannend auf das Inlandspreisniveau
auswirkt. Die Notenbänker werden somit ihrem Teuerungsziel von 2%
eher gerecht. Allein das hohe Tempo der Dollarabwertung kann den
Notenbanken nicht ganz recht sein.
Im Zuge des kurzfristigen Anziehens des Dollars gaben daneben auch
Yen, Pfund und Franken wieder leicht ab. Der Yen wurde zusätzlich
durch die Ankündigung des japanischen Finanzministers Shiokawa
belastet, die Bank von Japan stehe Gewehr bei Fuß den Dollar/Yen-
Wechselkurs zu stabilisieren.
Angesichts einer unsicheren Wirtschaftsentwicklung und fallender
Börsen tendierte der Rentenmarkt erneut freundlicher. Dabei
profitierten die Staatsanleihen in weitaus stärkerem Maße als die
Unternehmensanleihen. Ereignisse wie der Fall Worldcom schüren die
Angst vor dem Zahlungsausfall. Dabei sind allein in Deutschland
diesen Monat acht Platzierungen mit Ratings unter BBB (bzw. Baa ) im
Gesamtvolumen von 1,5 Mrd. Dollar geplant. So wurde diese Woche eine
Anleihe der ProSiebenSat1 i. H. v. 200 Mio. Euro zu
einem Coupon von 11,25% platziert. Der Aufschlag mit BB (bzw. Ba)
bewerteter Anleihen auf Staatsanleihen stieg allein in den letzten 3
Monaten von durchschnittlich 4,8% auf über 8,9%.
Auch die jüngsten Makrodaten wirkten angesichts ihres gedämpften
Konjunkturausblicks eher stützend auf die Rentenmärkte. Der Ifo-
Geschäftsklima-Index wurde mit 89,9 nach 91,3 deutlich schwächer
berichtet, als dies der Markt mit 91,1 antizipiert hatte. Wie bereits
im Vormonatsreport drückte vor allem der von Marktteilnehmern nicht
antizipierte Rückgang der Erwartungskomponente des Index auf die
Stimmung (102,5 nach 104,9). Die Perspektiven für die deutsche
Binnenkonjunktur bleiben schwach, während der zum Jahresanfang
aufgekommene Optimismus hinsichtlich der Exportaussichten bröckelt.
Ausschlaggebend sind hier die schwächere Entwicklung der
Hauptabsatzmärkte in Europa und den USA, sowie die starke Befestigung
der Eurodevise zum US-Dollar.
Den ganzen Artikel mit weiteren Beiträgen zu den Finanzmärkten in
Nordamerika und Japan finden Sie
bis zum Erscheinen des nächsten Consors Weekly auf der Consors
Website im Research-Bereich unter der folgenden Adresse:
http://www.consors.de/research/magazin/_newsData/...020726/index.html
Gruß
