Concept: Substanzwert mit Wachstumsdelle
wallstreet:online im Gespräch mit Unternehmens-Chef Sven Bornemann auf der Internet-World in Berlin
"Wir sind zuversichtlich", sagt Concept-Chef Sven Bornemann gegenüber w:o. Und das, obwohl die Börsianer enttäuscht auf die Zahlen der Internet-Agentur reagieren. Der Umsatz der Wiesbadener im ersten Quartal 2001 bricht gegenüber dem Vorquartal um 42% auf 5,5 Mio. Euro ein. Unter dem Strich verbleibt nach drei Monaten ein Verlust von 2 Mio. Euro bzw. 0,16 Euro je Aktie.
Trotzdem: Was auf den ersten Blick schlecht anmutet, scheint auf dem zweiten Blick gar nicht mehr so schlimm zu sein. Der Unternehmenswert von Concept liegt mittlerweile deutlich unter dem Buchwert. Allein 93 Mio. Euro liquide Mittel meldet das Unternehmen, ganze 78 Mio. Euro beträgt die Marktkapitalisierung.
Und damit rund das doppelte der Umsatzerwartung für das laufende Jahr. Bornemann „kann mit den Schätzungen der Analysten gut leben“: Diese belaufen sich auf 34 bis 38 Mio. Euro bei einer leicht positiven Ebit-Gewinnmarge. Auch das Ergebnis soll sich verbessern. Bornemann: „Schwarze Zahlen müssen unser Ziel sein.“. Die Planungen von Concept sind traditionell konservativ.
Die Aussicht auf schwarze Zahlen und eine hohe Cash-Position dürften potenziellen Unternehmens-Käufern Appetit machen. Experten erwarten eine Marktbereinigung unter den Internet-Dienstleistern. Als Übernahmeziel sieht Bornemann sein Unternehmen aber nicht an. Auf der Hauptversammlung hätten die Aktionäre signalisiert, die Aktie der Wiesbadener nicht verkaufen zu wollen.
Warum sollten sie auch. Die Aktie gilt unter Experten als unterbewertet. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten setzt Concept verstärkt auf Kunden der „Old Economy“. Erst jüngst hat man einen Großauftrag für die Volks- und Raiffeisenbanken abgewickelt. Gerade diese Stärke wird Concept bei den Zahlen nun zum Verhängnis: „Die Unternehmen haben gesehen, dass es Sinn macht, das Medium Internet strategisch anzugehen. Das braucht Zeit und das ist die Situation, in der wir uns im Augenblick befinden“, sagt Bornemann. „Wir sehen aber auch, dass sich das Bild langsam wieder bewegt“.
Wird Concept selber nicht zum Übernahmeziel, stellt sich die Frage, ob die Wiesbadener selber am „großen Fressen“ in der Internet-Branche teilnehmen. Bornemann: „Wir wollen unsere gute Liquidität eventuell nutzen, um eine Investition zu tätigen. Es kommt aber letztendlich auf eine günstige Gelegenheit an.“ Das Unternehmen sei in relevanten Bereichen gut aufgestellt. Verstärken wolle man sich in den Bereichen Consulting und IT.
Raum für weiteres Wachstum ist vorhanden. Concept hat Überkapazitäten aufgebaut, was der Hauptgrund für den Verlust im ersten Quartal ist. „Man habe aber nicht vor, sich großflächig von Mitarbeitern zu trennen“, sagt Bornemann. Denn der „Entscheidungs-Stau“ bei den Kunden wird vorbei gehen. Concept hat Substanz genug, um auch eine längere Durststrecke zu überwinden.
Autor: Michael Barck, 14:31 15.05.01
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