FOKUS 1- Comroad - KPMG kündigt Wirtschaftsprüfermandat
München, 20. Feb (Reuters) - Nach wochenlangen Gerüchten über angeblich nicht existierende Geschäftsbeziehungen bei der am Neuen Markt notierten Comroad haben nach Angaben des Unternehmens nun die Wirtschaftsprüfer der KPMG ihre Betreuung des Telematikdienstleisters gekündigt.
"Das Mandat wurde gestern Abend niedergelegt", sagte Comroad-Vorstandschef Bodo Schnabel am Mittwoch auf Anfrage und bestätigte damit einen Bericht des Magazins "Börse Online". Die Wirtschafsprüfer hätten in einigen Punkten Bedenken an den Geschäftsbeziehungen der Comroad angemeldet. Es sei vor allem darum gegangen, dass mehrere angegebene Adressen von Partnerfirmen "nicht da sein sollen".
Schnabel kündigte für den Nachmittag eine Mitteilung an. Die deutsche Börse setzte daraufhin kurz vor Mittag das Papier vom Handel aus. Die Aktie hatte, unmittelbar nach Bekanntwerden der Mandatsniederlegung mehr als ein Viertel ihres Werts verloren und notierte nach der Aussetzung bei drei Euro.
"Börse Online" hatte am Mittwoch vorab berichtet, die Zweifel der KPMG-Prüfer bezögen sich vor allem auf eine Herstellerfirma in Hongkong, deren Existenz fraglich sei. Vor Ort habe sich herausgestellt, dass weder die Adresse der Gesellschaft bekannt seien noch ein Registernachweis vorliege.
Schnabel wies die Vorwürfe zurück und fügte hinzu, es sei nicht das erste Mal, dass das Magazin Berichte dieser Art veröffentliche. "Wir können die entsprechenden Informationen vorlegen und wir werden das auch tun", sagte er. Am Nachmittag werde es zudem nochmals Gespräche mit den KPMG-Prüfern geben, die Comroad schon seit mehreren Jahren betreuen würden. Der Vorstandschef deutete an, dass der Rückzug der Wirtschaftsprüfer vor allem Folge der negativen Presseberichte sei.
Bereits in den vergangenen Tagen hatten Händlern zufolge Gerüchte über angebliche Unregelmäßigkeiten die Comroad-Aktie kräftig gedrückt. Ende Januar 2001 war das Papier noch 53,50 Euro wert gewesen. Die Gesellschaft wiederum hatte angekündigt, die für kommende Woche anberaumte Veröffentlichung der Jahreszahlen 2001 zu nützen, um die Vorwürfe zu entkräften.