ComROAD: Vorwürfe weiten sich aus
Jetzt auch Anzeige wegen Kursbetrug
Die ComROAD hat am vergangenen Freitag Abend in einer Aktionärsmitteilung zu den jüngsten Entwicklungen Stellung genommen. Demnach habe die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die fristlose Mandatskündigung durch Unklarheit über die Existenz eines vom Telematikspezialisten als Lieferanten benannten Unternehmens in Hongkong und Unklarheit über die Existenz des spanischen Partners „Idea-Lab“ begründet. Was den –offenbar langjährigen und in früheren Bilanzprüfungen nie beanstandeten- Lieferanten in Hong Kong betrifft, macht ComROAD geltend, dass man noch im Januar in Kontakt stand. Es seien mittlerweile Rechtsanwälte vor Ort beauftragt worden, den Verbleib des Unternehmens zu klären. Der zweite Fall löste sich dadurch in Luft auf, dass „Idea-Lab“ jetzt unter „Scoobi“ firmiert.
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Die Kündigung war bereits am 19. Februar ausgesprochen worden, beide Parteien vereinbarten aber, bis zum Wochenende Stillschweigen zu bewahren. Durch eine undichte externe Stelle zu den Medien sei jedoch am Morgen des 20. Februar die Öffentlichkeit informiert worden, heißt es in der Mitteilung an die Aktionäre.
Im Klartext: Mit „externe Stelle“ kann wohl nur gemeint sein, dass das „Leck“ wenn nicht bei ComROAD, dann wohl im Umfeld der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gesehen wird. Das, was aus dem „Leck“ herausgeflossen ist, muss nach Lage der Dinge wohl bei „Börse-Online“ hineingeflossen sein. Wenn das so zutrifft, müsste man das Unternehmen zur Kündigung der KPMG gratulieren
Der Aufsichtsrat hat in seiner Sondersitzung vom 20. Februar eine Sonderprüfung durch eine renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Auftrag gegeben und wird bei Gericht die Bestellung einer neuen Jahresabschluss-Prüfungsgesellschaft beantragen. Der Sonderprüfer, Rödl & Partner in München, hat seine Arbeiten bereits am vergangenen Freitag aufgenommen. Zudem wird ab März 2002 die neue Position eines „Leiter Finanzen und Rechnungswesen“ personell besetzt.
ComROAD bemühe sich um eine rasche, nachweisliche Widerlegung der anhaltenden Spekulationen insbesondere über Partnerschaften unseres Unternehmens in Asien, heißt es. Die Verträge mit Lieferanten und Partnern seien nachweisbar, würden aktiv umgesetzt und seien nicht gefährdet. Weder die Existenz des Unternehmens noch das Geschäftsmodell sei durch die gegenwärtige Situation bedroht. ComROAD sei mit hohen liquiden Mitteln ausgestattet. Alle Finanztransfers des Unternehmens seien lückenlos nachweisbar und bis einschließlich Geschäftsjahr 2000 von der KPMG testiert.
Allerdings besteht jetzt wohl die Möglichkeit weiteren Abschreibungsbedarfs. Dennoch hofft man, bis Ende März die Geschäftszahlen für 2001 vorlegen zu können. Der Vorstandsvorsitzende Bodo Schnabel räumt mittlerweile Fehler ein. Er sprach von einer „Anhäufung von Problemen, die im normalen Geschäftsbetrieb vorkommen".
Die hessische Börsenaufsicht hat mittlerweile Strafanzeige gestellt und die Anzeige am Freitag an die Staatsanwaltschaft München gesandt. Die Behörde beanstandet zwei Pflichtmitteilungen des Unternehmens, in denen von „Großaufträgen" die Rede ist , wie auch zwei Meldungen über Kooperationen mit namhaften Partnern. Die vier Meldungen erschienen im Vorfeld der Kapitalerhöhung im November 2000, bei der 52 Mio. Euro eingenommen wurden.
Zu diesen Vorgängen nimmt die Aktionärsmitteilung keine Stellung. Sie bedeuten eine Ausweitung der dem Unternehmen gegenüber erhobenen Vorwürfe. Ging es bisher im wesentlichen um die Existenz von Partnerfirmen, lauten die Vorwürfe nun auf „Verdacht auf Kursbetrug und unrichtiger Darstellung der Unternehmensverhältnisse“.
Autor: Klaus Singer, 11:20 25.02.02