Computer- und Videospieler sind Mörder ?


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Wolkenstein:

Computer- und Videospieler sind Mörder ?

 
29.04.02 20:55
Nachfolgender Artikel zeigt, welches Ausmass Erfurt in den Medien verursacht, -Hauptsache die Auflage stimmt. Den Beitrag habe ich aus der Hamburger Morgenpost kopiert.

Erfurt – der Täter
Das Morden am Computer geübt
Von OLAF WUNDER
Robert Steinhäuser wartete auf den richtigen Zeitpunkt.

ERFURT –Trainiert hatte er die Tat immer wieder, daheim in seinem Kinderzimmer. Er schaltete den Computer ein, legte eines seiner Horrorspiele ins CD-Rom-Laufwerk und tauchte ein in die virtuelle Welt der Grausamkeit, wo derjenige den Sieg und die Anerkennung davonträgt, der möglichst viele „Feinde“ mit Pumpguns und Pistolen niederstreckt.

Robert Steinhäuser – der Amokläufer von Erfurt. Der 19-Jährige wird als „normal“ und „unauffällig“, als „freundlich“ und „kontaktfreudig“ beschrieben. Mitschüler erzählen aber auch, dass er unter Minderwertigkeitskomplexen gelitten habe „Ich will, dass einmal alle über mich reden“, diesen Wunsch äußerte Robert Steinhäuser mehrfach. Keiner seiner Mitschüler ahnte, auf welche Weise er sein Ziel erreichen würde.

Was im Kopf des jungen Mannes vor sich ging? Eine Frage, die oft gestellt wurde an diesem Wochenende, die aber wohl nie ganz beantwortet werden wird. Sicher ist nur so viel: Roberts Hass auf Schule und Lehrer, schlimmer noch, sein Hass auf Menschen, war grenzenlos.

„Er war nicht dumm,“ sagt ein Lehrer, „im Gegenteil: er war sogar hochintelligent.“ Aber Robert Steinhäuser sei eben auch ein Eigenbrötler gewesen, einer, der mit den Zwängen des Schulalltags nie zurechtgekommen sei. Ein Mitschüler: „Er wollte immer auffallen, und ist damit bei den Lehrern angeeckt.“ Bei einer Klassenfahrt vor zwei Jahren nach Berlin soll er seine Hand zur Pistole gemacht und mit hasserfülltem Blick auf einen seiner Lehrer gezielt haben. Ein erstes Alarmsignal?

Mag sein, dass die Pädagogen es nie verstanden haben, richtig auf den jungen Mann einzugehen. Statt mit Verständnis, reagierten sie vielleicht zu oft mit Strafen. Als Robert Steinhäuser sein häufiges Fernbleiben vom Unterricht mit gefälschten Attesten entschuldigte, wurde Anfang des Jahres ein Schulverweis gegen ihn verhängt. Zum zweiten Mal verpasste er damit die Zulassung zur Abiturprüfung. Das war das Aus, denn eine dritte Chance bekommt keiner.

Die Entscheidung, seine Schule als Ninja-Kämpfer heimzusuchen, und es allen einmal zu zeigen, ist in Robert Steinhäuser über lange Zeit gereift. Bereits im Herbst 2000 trat der damals 17- oder 18-Jährige dem Erfurter Schützenverein „Domblick“ bei, der Teil eines örtlichen Polizeisportverbandes ist. Jeden Freitag besuchte er das Training, dass auf einen Schießstand am Rande Erfurts stattfand, auf dem zu DDR-Zeiten Angehörige von Betriebskampfgruppen und STASI ihre Schießausbildung erhalten hatten.

Robert Steinhäuser sei ein gelehriger Schüler gewesen, erzählen die Trainer des Schützenvereins. Er habe es gut verstanden, mit Waffen umzugehen. So dass nach einem Vierteljahr Probezeit routinemäßig eine Waffenbesitzkarte bewilligt wurde, die die Grundvoraussetzung dafür ist, legal an ein Gewehr oder eine Pistole zu kommen. „Wir hatten nicht den geringsten Grund anzunehmen, dass er diese Berechtigung missbrauchen würde.“ Möglicherweise wäre es zur Schreckenstat am Freitag nicht gekommen, wenn Robert Steinhäusers letzter Versuch, das Abi doch noch zu packen, geglückt wäre. Mit der Begründung, er müsse sehr viel für die Schule tun, meldete er sich Anfang des Jahres beim SSV Erfurt ab, in dessen Handballtor er lange gestanden hatte. Er verzichtete auf sein Hobby, paukte statt dessen Mathe und Deutsch. Wie ungerecht behandelt muss sich Robert Steinhäuser vorgekommen sein, als sich auch diese Mühen nicht auszahlten. Als er wegen des gefälschten Attestes von der Schule flog, stand für ihn fest, dass er seinen Plan ausführen würde. Er wartet nur noch bis zum richtigen Zeitpunkt.

Der war am Freitag gekommen, dem Tag der Abi-Prüfung, an der er nicht teilnehmen durfte. Als Robert Steinhäuser sein ehemaliges Gymnasium betrat, da war es für ihn wohl so, als habe er wieder einmal seinen Computer angeschaltet. 40-mal feuerte er, die Jagd des jungen Mannes nach dem High Score bezahlten 16 Menschen mit dem Leben. Ein Polizist, zwei Schüler und 13 Lehrer. Ein Viertel des Kollegiums ist damit ausgelöscht.

Inzwischen weiß die Polizei, dass alles noch sehr viel schlimmer hätte kommen können. 500 Schuss Munition fanden die Beamten auf dem Schulklo (siehe Bericht rechts), weitere 700 in Roberts Kinderzimmer. Dort entdeckten die Beamten auch große Mengen von gewaltverherrlichenden und damit verboteten Computerspielen und von Musik-CDs der US-Heavy-Metal-Band „Slip Knot“, die erst vor kurzem einen Song auf den Markt brachte, der den Titel „People = Shit“ trägt. Menschen sind Scheiße.

Sie habe an ihrem Sohn nichts Ungewöhnliches festgestellt, sagte am Wochenende die Mutter von Robert Steinhäuser, die ihn und dessen Bruder allein erzog. Roberts Vater meinte, auch er könne sich die Tat nicht erklären. Dann brach er in Tränen aus.  

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